Klettern
Rebekka Stotz hat die gesundheitlichen Probleme überwunden

Die 21-Jährige Rebekka Stotz aus Urdorf startet heute in Chamonix zur Lead und Speed EM. Das ist nicht selbstverständlich. Die Urdorferin plagten zuletzt gesundheitliche Probleme.

Fabio Baranzini
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Rebekka Stotz greift wieder voll an.

Rebekka Stotz greift wieder voll an.

davidschweizer.ch

Die letzten Wochen und Monate waren nicht einfach für Rebekka Stotz. Die 21-jährige Urdorferin, die sich seit letztem August ausschliesslich dem Klettersport widmet, hatte mit Rheumaschüben in den Gelenken zu kämpfen.

«In den Knien war es besonders schlimm. Die Gelenke waren stets stark geschwollen», so Stotz. Seit ihrer Kindheit leidet sie an Rheuma. So stark wie vor einigen Wochen waren die Schübe allerdings noch selten.

Eine Erklärung für die plötzlichen Probleme hat sie nicht. «Ich bin nicht mehr und nicht anders geklettert als sonst», sagt Stotz, die nach ihrem Zwischenjahr als Profi im September die Ausbildung zur Physiotherapeutin in Angriff nehmen wird.

Neu eingeschränkt trainiert

Aufgrund der Schmerzen konnte Stotz nur eingeschränkt trainieren. Fast drei Monate lang. Daher stand verhältnismässig viel Krafttraining auf dem Programm, vor allem im Rumpfbereich. Jetzt kann sie aber wieder Vollgas geben.

Zum Glück, denn in diesem Jahr lief es ihr bisher noch nicht wie gewünscht. «Ich bin nicht wirklich zufrieden mit der ersten Saisonhälfte. Auch an der SM war ich nicht ganz fit, aber ich brauchte den Wettkampf, damit ich an der Europameisterschaft teilnehmen kann», erklärt sie.

Dank zwei dritten Rängen in ihren Paradedisziplinen Bouldern und Lead hat sie das EM-Ticket für Chamonix gelöst, obwohl sie nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte war. Für Stotz ist es die zweite EM-Teilnahme nach derjenigen 2010 in Innsbruck.

Heute steht für Rebekka Stotz in Chamonix die Qualifikation im Lead auf dem Programm. Sie fühlt sich bereit für ihren ersten internationalen Lead-Wettkampf in diesem Jahr. Eine Prognose abzugeben, ist allerdings schwierig.

«Ein Platz im Halbfinal wäre schön. Dafür muss ich aber in beiden Qualifikationsrouten das Beste aus mir herausholen», ist sich die Limmattalerin bewusst. Erreicht Stotz die Halbfinals, gehört sie zu den 26 besten Lead-Kletterinnen Europas.

Dies gelang ihr an der EM vor drei Jahren. Seither hat sich der Sport aber stark verändert. «Es gibt viel mehr Teilnehmer und das Niveau ist deutlich höher. Wenn ich also wieder eine ähnliche Klassierung erreiche wie vor drei Jahren, wäre das super», blickt Stotz voraus.

Die 21-Jährige wird in Chamonix auch im Speed-Wettkampf antreten. Allerdings ohne Ambitionen. «Diese Disziplin trainiere ich praktisch nie, denn sie lässt sich nur schlecht mit dem Bouldern und dem Lead verbinden. Ich nehme nur teil, damit ich in der EMKombinationswertung aller drei Diszipline geführt werde», erklärt sie.

Bessere Karten hat im Speedklettern die Bonstetterin Petra Klingler. Sie hält mit 10.46 Sekunden den Schweizer-Rekord bei den Frauen und wird wie Stotz in beiden Disziplinen an den Start gehen.

Die drei Kletter-Disziplinen

Speed: Bei jedem Wettkampf gilt es, die exakt gleiche Route (15 Meter hoch) möglichst schnell zurückzulegen.

Bouldern: In jedem Wettkampf haben die Teilnehmer fünf Boulder-Probleme (schwierige Passagen) zu meistern. Pro Problem haben sie fünf Minuten Zeit. Dabei ist das Ziel, die Passage in möglichst wenigen Anläufen zu meistern. Die Kletter sind dabei nicht gesichert und befinden sich in Absprunghöhe.

Lead: Die Kletterer nehmen sich eine Route vor und versuchen, innerhalb der vorgegebenen Zeit (6/8 Minuten) möglichst hoch zu klettern. (fba)