Eishockey
Raphael Studer und der EHC Urdorf: Eine Achterbahnfahrt wie beim Euro

Im letzten Qualifikations-Heimspiel der 2. Liga gehts für Urdorf am Samstag um viel. Die Limmattaler haben die schlechtesten Karten, weil es in den Direktbegegnungen mit Bellinzona und Küssnacht am Rigi jeweils negativ dasteht.

Raphael Biermayr
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Tore von Raphael Studer können die Urdorfer heute dringend gebrauchen.

Tore von Raphael Studer können die Urdorfer heute dringend gebrauchen.

Raphael Biermayr

Grafiken und Daten zu studieren, war für Raphael Studer in der letzten Zeit selten erfreulich. Zuerst fiel sein Team, der EHC Urdorf, wieder ans Tabellenende, dann stürzte auch der Euro-Kurs ab. Studer ist Händler in der Giessereibranche, Kursschwankungen können drastische Folgen haben. Dass sich die europäische Leitwährung langsam erholt, stimmt den 30-Jährigen aber wieder zuversichtlich.

Das gleiche Gefühl nochmals erleben

Auch Studer und der EHC Urdorf zeigen eine aufsteigende Tendenz nach dem Überraschungserfolg am vergangenen Wochenende beim Spitzenteam Schaffhausen. Zum 4:3-Sieg nach Penaltys steuerte Studer zwei Treffer bei. Es war der erste Doppelschlag für den kampfstarken Flügelstürmer seit über drei Jahren. Sein langjähriger Center Thomas Wigger und er hätten bei der Fahrt zum Match besprochen, dass sie «wieder etwas mehr probieren und mehr Risiko nehmen» wollten. Es ging auf. «Das war ein schönes Gefühl», sagt Studer. Ein Gefühl, dass sie im letzten Qualifikationsspiel auf der heimischen Weihermatt am Samstag gegen Chiasso (ab 17.30 Uhr) wieder erleben möchten.

Studer und Wigger, seit 2003 zusammen im Team, stellten – mit einem wechselnden weiteren Flügel – viele Jahre die Urdorfer Paradelinie. Doch das Alter ist nicht spurlos an ihnen vorbeigegangen. Mittlerweile ist ihre Primäraufgabe, die gegnerische Toplinie aus dem Spiel zu nehmen. Doch wenn es sie braucht, treten sie auch als Skorer in Erscheinung. Das war schon in der vergangenen Saison so, als in der Abstiegsrunde Führungsspieler verlangt waren, die Verantwortung übernahmen.

Der Biss ist noch da

Seither hat in Studers privatem Umfeld eine aufregende Änderung stattgefunden: Seine Frau und er wurden erstmals Eltern. Tochter Leonie Thea hält die junge Familie auf Trab und lässt anderes in den Hintergrund treten, wie zum Beispiel den Sport. «Die Euphorie ist nicht mehr ganz so stark ist wie früher», hat Studer festgestellt, «doch ich bin nach wie vor ein verbissener Spieler.» Deshalb tat er sich Mitte der Qualifikation schwer, sich einzugestehen, dass er von Mitspielern im Training und Gegnern in der Meisterschaft mehr und mehr abgehängt wird. «Ich sah ein, dass ich härter trainieren muss, um mehr aus mir herauszuholen.» Studer war mit einem Trainingsrückstand in die Saison gestiegen, einerseits wegen eines längeren beruflichen Aufenthalts in China, andererseits wegen Adduktorenproblemen.

Sein Biss offenbarte sich auch nach dem Sieg gegen Schaffhausen. «Das hat mich extrem gepusht. Seither war ich jeden Tag im Internet und studierte die Tabelle, den Spielplan und die Skorerliste.» Es gibt tatsächlich einiges zu studieren, die Konstellation mit drei nach Punkten gleichauf liegenden Teams am Tabellenende ist aussergewöhnlich. Urdorf hat die schlechtesten Karten, weil es in den Direktbegegnungen mit Bellinzona und Küssnacht am Rigi jeweils negativ dasteht. Das heisst: Die «Stiere» brauchen nach den letzten beiden Matches einen Zähler mehr als einer der beiden Konkurrenten, um nicht in die Abstiegsrunde zu müssen. Folglich kann heute aus Urdorfer Sicht nur eine negative Entscheidung fallen: Gewinnen die Kontrahenten und verlieren die Limmattaler jeweils nach 60 Minuten, muss der EHCU in den sauren Apfel beissen. Damit würde sich für die Limmattaler die Saison verlängern. Nicht nur Raphael Studers Tochter würde sich freuen, wäre das nicht der Fall. LiZ-Tipp: 5:3