Fussball
Rahel Kiwic will das gemachte Nest verlassen

Die Dietikerin hat eine neue Herausforderung gesucht und spielt seit diesem Sommer in der Bundesliga bei MSV Duisburg, wo sie erstmals vom Fussball leben kann.

Fabio Baranzini
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Rahel Kiwic spielt neu in der Bundesliga für den MSV Duisburg.

Rahel Kiwic spielt neu in der Bundesliga für den MSV Duisburg.

Peter Seeger

Fast zehn Jahre hat Rahel Kiwic beim FC Zürich gespielt. In dieser Zeit wurde die Verteidigerin der Schweizer Nationalmannschaft mit den Zürcherinnen sechs Mal Schweizer Meisterin und gewann zwei Mal den Cup. Im Sommer suchte die 23-Jährige nun eine neue Herausforderung.

Sie wollte sich fussballerisch im Hinblick auf die WM 2015 in Kanada, für die sich die Schweizerinnen erstmals überhaupt qualifizieren konnten, noch einmal verbessern. Kiwic sah sich daher nach einem neuen Verein um und absolvierte mehrere Probetrainings in der Bundesliga.

Schliesslich unterschrieb sie beim MSV Duisburg, dem neuntbesten Team des Vorjahres, einen Vertrag für ein Jahr. Dort trifft sie auf eine alte Bekannte: Die ehemalige deutsche Spitzenspielerin Inka Grings spielte einst gemeinsam mit Kiwic beim FCZ und ist jetzt Trainerin in Duisburg.

Weg von zu Hause

Nach der Vertragsunterzeichnung hat Rahel Kiwic im Juli ihr Kommunikationsstudium an der Universität Zürich unterbrochen, ihre Sachen gepackt und ist von Zürich ins gut 600 Kilometer entfernte Duisburg gezogen. «Ich wollte weg von zu Hause, das gemachte Nest einmal verlassen. So werde ich selbstständiger und kann auch in meiner Fussballkarriere nochmals einen Schritt nach vorne machen», sagt Kiwic, die sich in Duisburg gemeinsam mit ihren Schweizer Teamkolleginnen Gaëlle Thalmann und Carmen Pulver eine Wohnung teilt.

Kiwic hat sich gut eingelebt in der Ruhrstadt und könnte sich durchaus vorstellen, länger dort zu bleiben. «Es gefällt mir ganz gut hier, aber mit dem Charme von Zürich kann Duisburg nicht mithalten», meint sie lachend.

Eine andere Dimension

Dafür hat der Frauenfussball in Deutschland einen deutlich grösseren Stellenwert als in der Schweiz. «An unserem ersten Spiel hatten wir mehr als 1000 Zuschauer. Zudem bestreiten wir unsere Matches in kleinen Stadien und nicht mehr auf Trainingsplätzen, wie das in der Schweiz teilweise der Fall war», freut sich Kiwic, die in Duisburg erstmals ausschliesslich vom Fussball leben kann.

Das Spiel gegen Frankfurt wurde gar live auf Eurosport übertragen. Und auch das Niveau in der Bundesliga ist um einiges höher. «Das Spiel ist viel schneller. Du kannst dir keine Fehler erlauben, denn die werden sofort ausgenutzt», so Kiwic.

Die Verteidigerin spricht aus Erfahrung, denn der Saisonstart ist den Duisburgerinnen trotz einer intensiven und -– wie Kiwic sagt – sehr harten Vorbereitung gründlich misslungen. Vier Niederlagen in ebenso vielen Spielen und nur gerade ein erzieltes Tor; dies die magere Ausbeute nach vier gespielten Runden. «Vor allem gegen Essen im Auftaktspiel und zuletzt gegen Hoffenheim hätten wir nicht verlieren dürfen. Wir müssen schleunigst anfangen, Punkte zu gewinnen, denn wir haben uns zum Ziel gesetzt, uns in diesem Jahr möglichst schnell aus dem Abstiegskampf zu verabschieden», so Kiwic, die alle bisherigen Meisterschaftsspiele von Anfang an bestritten hat.

Krasse Aussenseiterinnen

Das mit dem Punktegewinnen dürfte zumindest in der nächsten Runde ein äusserst schwieriges Unterfangen werden: Im heutigen Spiel wartet nämlich Ligakrösus Wolfsburg, der in den letzten beiden Jahren zwei Mal Meister wurde, zwei Mal die Champions League gewann und zudem einmal den Cuppokal in die Höhe stemmen durfte. «Gegen Wolfsburg können wir ohne Druck aufspielen.

Da sie spielerisch sicher bessern sind, müssen wir kämpferisch dagegen halten», blickt Kiwic voraus. Über zu wenig Arbeit wird sich die Verteidigerin indes wohl kaum beklagen können.