Die Qwan-Ki-Do-Schüler tragen schwarze Trainingsanzüge namens «Vo-Phuc», weil Schwarz die traditionellen Kleidung des vietnamesischen Volkes ist. Es wird schnell klar, welch hohen Stellenwert die alten Traditionen aus China und Vietnam im Qwan Ki Do einnehmen. Qwan Ki Do ist eine Kampfkunstmethode, die auf diversen alten asiatischen Kampfkünsten basiert, welche der Vietnamese Pham Xuan Tong, genannt Grossmeister, 1981 mit seinen Kenntnissen entwickelte.

Am Freitag finden in Wettingen (Tägerhard, ab 9 Uhr) die Qwan-Ki-Do-Europameisterschaften der Nationalteams statt und am Samstag die Klubeuropameisterschaften. Die Limmattaler Urs Wehrli und Sabrina Caretti starten als Athleten, Carettis Vater Nazzareno ist unter anderem auch als verantwortlicher des Schiedsrichterwesens an diesem Grossereignis tätig. Michel Berger ist aus Limmattaler Sicht ebenfalls Teil der EM. Alle vier rechnen fest damit, dass das Schweizer Nationalteam um die Medaillen mitkämpfen wird. «Wir sind zwar eine kleine Gemeinschaft und haben nicht sehr viele Mitglieder. Doch das technische Niveau ist wirklich gut hier in der Schweiz», beurteilt der schweizweit höchste technische Leiter dieser Kampfkunst, Nazzareno Caretti, seine Schützlinge. Ebenfalls zu den favorisierten Nationen gehören Rumänien und Italien, aber auch Deutschland hat in den letzten Jahren grosse Fortschritte erzielt.

Teamwork zählt

An den Europameisterschaften werden neben den Mannschaftskämpfen Disziplinen ausgetragen, die die Schüler zu zweit absolvieren. Dabei kämpfen die zwei Schüler jeweils alleine gegen einen Gegner. Zur Auswertung werden dann die erreichten Punktzahlen zusammengezählt. Urs Wehrli und Sabrina Caretti holten vor zwei Jahren an den Weltmeisterschaften in Marokko in ihrer Disziplin jeweils die Bronzemedaille zusammen mit ihren Partnern. Somit zählen die Studentin und der Tontechniker auch am kommenden Event zum engen Favoritenkreis.

Wenn es jedoch um das Thema der Favoriten geht, winken die beiden schnell ab. «Bei der Kampfkunst des Qwan Ki Do geht es nicht um den Einzelnen, nicht einmal so sehr ums Gewinnen. Wichtig ist die Zusammenarbeit in der Gruppe», stellt Sabrina Caretti klar, «Der Wettkampf erlaubt den Schülern, im Duell ihren eigenen Fortschritt zu messen. Wir üben die Kampfkunst aus, um unseren Alltag besser bewältigen zu können.» Um ein Beispiel aus dem Alltag anschaulich zu machen, erklärt Urs Wehrli, dass das Rauchen ein absolutes Tabu darstellt. Denn die asiatischen Kampfkünste besagen, dass die wichtigste Energiequelle aus der Luft kommt. Die Schadstoffe einer Zigarette würden diese essenzielle Energiequelle vergiften.

Zwei in eins

Wehrli figuriert an der anstehenden EM als Teilnehmer wie auch als Mitglied des Organisationskomitees. Beides unter einen Hut zu bringen, nehme viel Zeit in Anspruch, sei aber definitiv machbar, sagt Wehrli. «Die sportliche Vorbereitung hat schon vor langer Zeit begonnen. Im Qwan Ki Do planen wir langfristig. Somit kam die Organisation des Events ab einem gewissen Zeitpunkt einfach hinzu», erklärt Wehrli. Der 39-Jährige gibt zusätzlich zu den Jugendlichen und Erwachsenen auch Qwan-Ki-Do-Unterricht für Kinder. Dabei erfreut es ihn besonders, wenn er erfährt, dass seine Arbeit mit den Kindern positive Nebeneffekte in deren Alltag hervorruft, wie die Leistungs- und Konzentrationssteigerung in der Schule. So könne er seine Kenntnisse weitergeben und anderen den Alltag erleichtern.