Jubiläum
Prügeleien, hohe Schulden und ein Skandal: Das hat der EHC Urdorf in 75 Jahren durchlebt

Mit seinem Draufgängertum erlangte der EHC Urdorf grossen Ruhm. Auch Prügeleien, hohe Schulden und ein Beruhigungspillen-Skandal säumen den Weg des 3.-Liga-Vereins, der im Zweiten Weltkrieg gegründet wurde.

David Egger
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EHC Urdorf 75 Jahre
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Gegründet wurde der EHCU im Jahr 1941 als HC Blitz Urdorf. Kari Müller war der erste Goalie.
Bis 1951 nahm der HC Blitz nicht an der Meisterschaft teilt, gewann aber Turniere wie den Albis-Cup.
Dieses originale Stück Papier ist nun 75 Jahre alt: die ersten Statuten des HC Blitz Urdorf.
1991 spielte Davos in der 1. Liga. Er sorgte für einen Zuschauerrekord in der Weihermatt. 1299 Gäste wurden gezählt. Noch vor der zweiten Drittelspause waren die Bratwürste alle.
Thomas Leimgruber debütierte 1988 als EHCU-Goalie, mit 16 Jahren. Heute ist er Vereinspräsident.
Zack und drin: Hier netzt Aussenseiter Urdorf im Dezember 1983 zum 4:2-Sieg gegen den Tabellenführer EHC Basel ein.
Einer der grössten Siege: Gegen den legendären EHC Arosa gewinnt Urdorf im Februar 1988 auswärts mit 7:5.
Auch so kann man die Vereinskasse füllen: In den 80ern verkaufte der EHCU eigene Club-Weine.
Anfang der 90er-Jahre nannte sich die zweite EHCU-Mannschaft "Urdorf Bulls". Auch die Shirts lassen sich sehen.
Auch Fanartikel gab es in den 80er-Jahren zuhauf: Einen Aschenbecher mit EHC-Urdorf-Logo gabs bereits für einen Fünfliber.
Um die Jahrtausendwende kam dann der grosse Rückschritt: Der Präsi, der die grossen Schulden seiner Vorgänger ausbadete, trat zurück, die erste Mannschaft wurde aus der Liga zurückgezogen.
Nach dem Neubeginn in der 4. Liga pendelte der EHCU zwischen 2. und 3. Liga hin und her. In den Nullerjahren kam es auch zu den legendären Derbys mit Dietikon. Der heutige EHCU-Präsident Thomas Leimgruber, damals Goalie in Dietikon, rief im Speakerhäuschen aus, weil die Gegner seine Beinschoner als nicht regelkonform bemängelten.
Als Lift-Team lässt es sich immer wieder über Aufstiege in die 2. Liga jubeln: zum Beispiel 2007...
...oder wie hier 2003.
2003 fand auch das "Schneespiel" gegen St. Gallen statt, das in einer 0:4-Pleite endete. Seit 2011 hat die Weihermatt-Kunsteisbahn zum Glück ein Dach.
Vor ziemlich genau 6 Jahren, am 7. November 2010, gewann Urdorf gegen Glarus mit 6:1. Am Sonntag 13. November kommt es zu einer weiteren Neuauflage des Duells - angesichts der grossen Jubiläumsparty hoffentlich vor vielen Zuschauern.

EHC Urdorf 75 Jahre

Eric W. Zeller/EHCU

Im Osten tobt der deutsche Angriffskrieg auf Russland, Schweizer Soldaten harren im Réduit aus und die Urdorfer Sperrstelle steht bereit, um den Gegner an einem Vorstoss Richtung Innerschweiz zu hindern. Es ist der 9. August 1941.

Neun Mitglieder des Urdorfer Turnvereins treffen sich im Restaurant Pappel an der Birmensdorferstrasse, um den Hockey-Club Blitz Urdorf zu gründen. Hinter dem Namen steckt das «Blitz»-Hühneraugenpflaster, das die Urdorferin Martha Ineichen verkauft. Sie rüstet das Team mit Pullovern aus, im Gegenzug wird die Marke «Blitz» Teil des Klubnamens.

Abgesehen von den modischen Pullovern ist die Ausrüstung aber behelfsmässig: Die Beinschoner des ersten Urdorfer Goalies Kari Müller bestehen aus zusammengenähten Jutesäcken, die mit Heu gefüllt sind. Die Feldspieler stopfen sich zusammengelegte Zeitungen in die Hosen. Auch die beiden Tore stellen die Eishockeyaner selber her, aus Draht und Rohr, im Schopf der «Pappel». Die Zeit dafür haben die jungen Männer nur, weil sie als Unter-20-Jährige nicht in den Aktivdienst einrücken müssen. Aber sie haben Lust auf Sport, auch dann, wenn Schnee liegt. Unweit ihrer Stammbeiz, auf dem zugefrorenen Lips-Weiher, frönen sie ihrem Hobby.

Programm am Wochenende

Freitag, 11. November 2016

19.00 - 23.30 Uhr EHC-Feier im Festzelt

Samstag, 12. November 2016

09.00 - 10.30 Uhr Hockey nur für Anfänger unter Anleitung

10.45 - 12.00 Uhr Eislauf nur für Anfänger unter Anleitung

13.00 - 15.00 Uhr Spiel ohne Grenzen

15.15 - 16.40 Uhr Small Games

16.45 - 17.00 Uhr Ansprache durch Liegenschaftsvorstand Roland Stämpfli

17.00 - 17.30 Uhr Vorführung Eislaufclub

17.30 - 18.00 Uhr Final Small-Games

18.15 - 21.15 Uhr Veranstaltungen von TANZ-FABRIK

21.00 - 04.00 Uhr Barbetrieb mit DJ Outside

Sonntag, 13. November 2016

08.30 - 10.30 Uhr EHC-Skateathon mit Brunch

10.00 - 16.00 Uhr Kinderspass mit Familienverein

10.45 - 16.00 Uhr Öffentlicher Eislauf

14.00 - 15.00 Uhr Autogrammstunde mit Spielern der ZSC Lions und des EHC Kloten

16.00 - 16.30 Uhr Stiereschränzer Urdorf

17.00 - 19.00 Uhr Match 1. Mannschaft

Ganzes Wochenende freier Eintritt

Den Weiher am Schäflibach gibt es heute nicht mehr; an besagter Stelle stehen nun die Urdorfer Schrebergärten. Denn als der Schäflibach 1948 über die Ufer trat und die Birmensdorferstrasse zerstörte, wurde der Lips-Weiher zugeschüttet – mit Aushub, der bei der Tieferlegung des Schäflibachs anfiel. So war Urdorf zwar besser vor Hochwasser geschützt. Aber der HC Blitz stand ohne Eisfeld da; es drohte das Ende.

Der Stern von Heinz Leu geht auf

Doch es folgte der Weg nach oben: 1951 trat der Verein dem Schweizerischen Eishockey-Verband bei. Ab 1952 präparierten die Eishockeyaner auf dem Platz beim neuen Schulhaus Bahnhofstrasse immer wieder von neuem ein Eisfeld, um in der Meisterschaft mitspielen zu können. Und Goalie Kari Müller gewann den Urdorfer Heinz Leu als neuen Teamkameraden. Als Internatsschüler in Zuoz trainierte Leu oft und hatte den Kollegen viel voraus – sie machten ihn zum Trainer, er machte den ersten Aufstieg möglich, von der Serie C in die Serie B, die spätere 2. Liga. An der Generalversammlung vom 26. Mai 1956 wurde der HC Blitz schliesslich in Eishockey-Club Urdorf umbenannt. Mit einem 5:1-Sieg gegen die zweite GCZ-Eishockey-Mannschaft folgte am 22. Februar 1958 der Aufstieg in die 1. Liga. Dank der Kontakte von Heinz Leu spielte der EHCU fortan in Kloten, später in Küsnacht – bis Urdorf 1966 schliesslich in der Weihermatt eine endgültige Heimat fand. Weil aber im Sommer ein Trainingsplatz fehlte, hielten sich die Hockey-Cracks unter anderem mit Fussball fit und gewannen gleich mehrfach das Dietiker Grümpelturnier.

Nur in Sachen Eishockey waren die Stiere zu Beginn der Saison nie in Form. Das verstärkte aber den Kampfgeist, mit dem der EHCU spielerische Mankos kompensierte. Auch Sportreporter Jean-Pierre Gerwig wusste davon, wie er bei einem dürftigen Nati-Spiel zwischen der Schweiz und Norwegen offenbarte: «Da schicken wir das nächste Mal lieber den EHC Urdorf, die kämpfen wenigstens», knisterte es durch die Lautsprecher der Deutschschweizer Radioapparate.

Polizeischutz nach Sieg in Luzern

Diesen Kampfgeist zeigten die Stiere beispielsweise am Saisonende 1960. Als Letzte traten sie in Luzern gegen die Leader an. Mit einem 2:10-Sieg fegten sie die Zentralschweizer vom Platz. Deren Fans waren so erbost, dass die Urdorfer nach Spielende Polizeischutz erhielten.
Mit der Kunsteisbahn etablierten sich auch die Junioren: So holten sie sich 1970 und 1972 den Züri-Leu-Cup, 1976 stiegen sie in die Elitekategorie auf.

Nationalliga B rückt in Griffnähe

Die Steigerung der Junioren hing auch mit dem Elend der 1. Mannschaft zusammen: Nachdem diese 1970 gegen den EV Zug den Aufstieg in die Nationalliga B verpasste, kam es zu Streitereien zwischen Trainer und Spielern. An ihrer statt trugen nun die Junioren die 1.-Liga-Spiele aus. Derweil verbannte der Verein Spieler aus dem Hauptteam, diese legten Rekurs ein, Gemeindepräsident Jakob Lips versuchte zu vermitteln, Vizepräsident Heinz Leu trat zurück, der Vorstand wurde fast aufgelöst. Nach all den Querelen folgten ab 1976 schliesslich zwei Abstiege in die 2. Liga und zwei direkte Wiederaufstiege. Ab 1979 krallte sich der EHCU wieder in der 1. Liga fest. Nun war in der Weihermatt stets Prominenz zu sehen. Ein Beispiel: 1981 stieg der Davoser Peter Schmid als Trainer ein, der lange für den ZSC spielte (auch als Captain).

1986 hätte der EHCU als Drittplatzierter wieder um den Aufstieg in die Nationalliga B spielen können, da der Zweitplatzierte St. Moritz nicht wollte. Aber Urdorf blieb besonnen und verzichtete, auch um die Vereinsfinanzen nicht zu gefährden. Gleichwohl berichteten die «Luzerner Neuste Nachrichten» im Januar 1984, der EHCU habe sich zum freiwilligen Abstieg entschlossen, wenn er nicht noch 30 000 Franken auftreiben könne. Das habe dem schlechter platzierten SC Luzern zum Ligaerhalt verholfen. In der Limmattaler Zeitung dementierte der Präsident die Meldung. Die 80er-Jahre sind bis heute die goldene Ära des EHCU geblieben, auch dank vollen Zuschauerrängen: Der Fanclub zählte fast hundert Mitglieder und pilgerte jeweils mit dem Car an die Auswärtsspiele der Stiere.

Neben dem Platz sorgte der EHCU immer wieder für Schlagzeilen, auch im November 1983: Schlecht in die Saison gestartet, offenbarte ein Vereinsvertreter dem «Tages-Anzeiger», dass ein Spieler wegen des Erfolgsdrucks derart gestresst war, dass er Beruhigungspillen schlucken musste. «Solche unüberlegten Äusserungen schaden unserem Verein», heisst es noch heute in einer dem Artikel angefügten Notiz im Vereinsarchiv.

Die goldene Ära ging 1994 zu Ende: Urdorf stieg in die 2. Liga ab und wurde zum Lift-Team, das zwischen 2. und 1. Liga pendelte. Auch die finanzielle Sorgfalt liess nach: In der Saison 1996/1997 musste der neue Vorstand 250 000 Franken Schulden abbauen. Das Ende nahte einmal mehr. Im April 1999 zog sich Urdorf aus der Meisterschaft zurück, es folgte der Gang in die 4. Liga und man konzentrierte sich auf den Nachwuchs, der im Rahmen einer Partnerschaft immer wieder Spieler für den ZSC hervorbrachte. Seither pendelt der EHCU zwischen 2. und 3. Liga.

In diese Zeit fielen auch die Prügel-Derbys gegen den EHC Dietikon vor Hunderten Zuschauern. Die Weihermatt wurde zum Tollhaus. Beispiel: Am 23. Januar 2005 resultierten total 49 Strafminuten. Mittendrin: der Dietikon-Goalie Thomas Leimgruber aus Urdorf. Die Urdorfer monierten, seine Beinschoner seien fünf Zentimeter zu lang. Was folgte, ist legendär: Leimgruber stürmte ins Speakerhäuschen und rief laut aus. Heute ist er EHCU-Präsident und wünscht sich ein zweites Eisfeld in der Weihermatt, auch dem Nachwuchs zuliebe. Denn stolze Stiere, so viel ist klar, geben nie auf – allen Wirren zum Trotz.

Lese-Tipp: Am 11. November erscheint die neue Vereinschronik des EHC Urdorf. Sie hat 96 Seiten, kostet 25 Franken und ist am Jubiläumsfest erhältlich.

Das Stadion ist auch schon 50 Jahre alt

Am 27. November 1966 fand auf der Kunsteisbahn Weihermatt das allererste Spiel statt: Vor gut 1000 Zuschauern verlor Urdorf mit 3:4 gegen Ascona. Die Geschichte der Kunsteisbahn (KEB) geht aber zurück bis ins Jahr 1954. Damals stimmte die Gemeindeversammlung einem 700 000-Franken-Kredit zu, um 91 067 Quadratmeter Land in der Weihermatt zu kaufen, wo sich bisher nur ein Weiher und Äcker befanden. An dieser Gemeindeversammlung nannte Gemeindepräsident Jakob Schälchli erstmals in einem Atemzug die Worte Sportanlage und Weihermatt.

Da das damals prognostizierte Wachstum auf 30 000 Einwohner mindestens eine Badi nötig machte, wurde vorerst nur an diese gedacht. Der EHC prüfte derweil verschiedene neue Natureisfeld-Varianten. Erst 1960, sechs Jahre nach dem Landkauf, bat er darum, den Schwimmbad-Bau mit dem Bau einer Eisbahn zu verbinden. Daraufhin änderte der Berner Architekt Hans Beyeler (der auch die Dietiker Fondli-Badi gebaut hatte) seine Projektstudie und die Gemeinde berief eine Sportanlagen-Kommission ein. 1961 wurde dann der Schwimmbadfonds offiziell in Fonds für Sportanlagen umbenannt. Urdorf bemühte sich vergebens darum, dass sich auch Schlieren und Dietikon an der Finanzierung beteiligten.

Im Mai 1963 war das Ausführungsprojekt des Urdorfer Architekten Hans Müller fertig. An der Gemeindeversammlung vom 10. Juli 1963 genehmigten 324 Bürger (ein Rekordwert!) den 3,3-Millionen-Franken-Kredit für den Sportanlagenbau. Die Bauarbeiten begannen im Spätsommer 1965. Auch die Eishockeyaner halfen mit und erledigten im Sommer 1966 diverse Handlangerarbeiten.

Der Wunsch nach dem zweiten Feld

Für die offizielle Eröffnung am 26. November 1966 mussten dann noch mitten in der Nacht die Eisflächen vom Schnee befreit werden. Solche Wettersorgen vergingen erst im Herbst 2011, als die Eisbahn ein Dach erhielt. Das Sanierungsprojekt mit Überdachung hatte es politisch schwer: Zuerst lehnte das Volk am 5. Juni 2005 gegen den Willen des Gemeinderats den 5,2-Millionen-Kredit für die Weihermatt ab, der 875 000 Franken für die Sanierung der Badi und 4,325 Millionen Franken für die KEB vorsah. Die Eishockeyaner selbst weibelten gegen das Projekt, weil sie sich mehr wünschten – namentlich ein zweites Eisfeld. Dazu kam es nie. Im Oktober 2007, wiederum gegen den Willen des Gemeinderats, sprach das Volk dann einen Kredit über 4,5 Millionen Franken für die Eisbahn-Sanierung und lehnte gleichzeitig einen Kunstrasen für den FC Urdorf ab. Am 29. November 2009 wurde ein Nachtragskredit von 2,1 Millionen Franken gesprochen, wiederum gegen den Willen des Gemeinderats – dieser wollte wegen der schlechten Finanzlage die Eisbahn ganz stilllegen.

Seit 2013 nutzt der FC Urdorf die KEB als Sommer-Trainingsplatz, nachdem die Gemeinde für 70 000 Franken einen Kunstrasen kaufte, der sich innert weniger Tage auf- und abbauen lässt. Als Nächstes gilt es, die Kompressoren der Kälteerzeugungsanlage der Eisbahn auszutauschen. Dafür sind 300 000 Franken im Budget 2017 eingeplant, das am 23. November vor die Gemeindeversammlung kommt.

Die ZSC Lions und Kloten feiern mit

Am nächsten Freitag startet das Jubiläumsfest um 19 Uhr mit Spaghettiplausch und Barbetrieb. Danach wird bis Sonntagabend praktisch durchgefeiert. Am Sonntag um 14 Uhr werden je zwei Spieler der NLA-Clubs ZSC, Kloten und EV Zug Autogramme geben. Um 16 Uhr tritt die Urdorfer Guggemusig Stiereschränzer auf. Und um 17 Uhr spielt dann Urdorf vor hoffentlich vielen Zuschauern gegen Glarus.