«Upright Spin, Waltz Jump, Sit Spin», so tönt es in regelmässigen Abständen in den Kopfhörern der drei Preisrichterdamen – und diese müssen die jeweiligen Sprünge und Pirouetten dann benoten. In einer weiteren Box sitzen zwei weitere Richter, die die ausgeführten Elemente benennen und den Preisrichtern in die Kopfhörer diktieren. Die Richter schauen abwechselnd auf das Eis und schreiben ihre Benotungen auf. Eine sehr junge Eiskunstläuferin vollführt mit für ihr Alter unglaublicher Grazie einen Sprung mit Drehung, dem man als Laie sofort die höchst mögliche Punktzahl gegeben hätte. Doch die Preisrichter scheinen nicht der gleichen Meinung zu sein: -2, -1 und -1 steht auf den drei allgemein sehr ähnlich ausgefüllten Papieren. Auf die Frage nach dem Grund der Punktabzüge, heisst es: zu wenig hoch gesprungen und zu viel Rotation.

Nicht ohne Grund müssen die Preisrichter jährlich einen Kurs absolvieren, obwohl die meisten früher selbst Eiskunstläufer waren. Unter anderem müssen sie an diesem Kurs die Regeln des ISU (International Skatin Union)-Systems verinnerlichen, welches auch an der Urdorfer Kürkonkurrenz angewendet wird. Es handelt sich dabei um ein international angewendetes Wertungssystem, bei dem neben der Notengebung für Sprünge und Pirouetten folgende Sparten bewertet werden: die Skills, also die Sicherheit auf dem Eis, die Übergänge zwischen den verschiedenen Elementen, das Auftreten, also der allgemeine Eindruck, die Choreografie und die Interpretation mit der Musik zusammen.

Heikle Angelegenheit

Gar nicht so eine einfache Aufgabe, all diese Bewertungssparten zu berücksichtigen, wenn man stundenlang eine Kür nach der anderen schaut und dabei ständig in der Kälte sitzt. Zum Glück kommen nur ca. fünf Läuferinnen nacheinander und dann gibt es jeweils wieder eine kurze Pause, damit sich die nächsten Eisprinzessinnen einlaufen können. Eine willkommene Auffrischung für die Preisrichter, die während der 2 bis 4 minütigen Küren höchst konzentriert sein müssen, um ja nichts zu verpassen.

Denn falls sich jemand nach Bekanntgabe der Wertungen benachteiligt fühlt und sich bei den Richtern beschweren kommt, müssen diese für ihre Entscheidungen gerade stehen können. Nachträglich geändert wird nichts mehr. «Manchmal kommen sie sogar mit dem i-Pad und zeigen dann die Aufnahmen des zur Sprache stehenden Laufes», erzählt Eiskunstlauf-Preisrichterin Sybil Huber, die auch gestern wieder im Einsatz war. Meist seien es Trainer oder Eltern, die das Gespräch mit den Preisrichtern suchen, weil ihre Schützlinge bei der Wertung benachteiligt worden seien.

Tatsächlich platzt eine besorgte Mutter mitten ins Interview, weil sie «und auch der Trainer» die schlechte Benotung ihrer Eisprinzessin schlicht nicht nachvollziehen könnten. Sybil Huber lässt sich nicht aus der Ruhe bringen und sagt der Mutter freundlich, sie werde es ihr nachher zeigen und wendet sich wieder zu mir: «Natürlich ist es nicht immer ganz fair», sagt Sybil Huber zu dem Wertungssystem im Eiskunstlauf, «doch wer diesen Sport ausübt, ist sich dessen bewusst. Wir sind ja auch nur Menschen». Und da es normal ist, dass die Konzentrationsfähigkeit nach mehreren Stunden nicht mehr so hoch ist wie am Anfang, wird an der Urdorfer Kür darauf geachtet, dass die Werter in zwei Schichten arbeiten. Die einen kommen am Morgen früh und werden um die Mittagszeit von den nächsten Richtern abgelöst.

Einsatz für die Jugend

Sybil Huber macht dieses Jöbli nun schon seit ca. 30 Jahren. Reich wird man durch dieses Hobby nicht. Man wird mit Spesen plus einem kleinem Sackgeld entlöhnt. «Sonst verliert man die Leute», sagt Präsident Luk de Crom. Huber sieht aber eine ganz andere Motivation in ihrer Richterarbeit: «Die Jungen, die Eiskunstlaufen, lernen sich zu präsentieren und ganz alleine aufzutreten. Das ist um einiges besser, als einfach irgendwo am Bahnhof rumzuhängen. Durch meine Arbeit hier kann ich den Sport unterstützen, deshalb mache ich das».

Parteiisch zu bewerten sei der Küsnachterin nie vorgeworfen worden. «Dies ist mit dem neuen Wertungssystem auch fast nicht mehr möglich», fügt Huber an. Dieses ist tatsächlich sehr viel ausgeprägter und es gibt einige technische Richtlinien, die es früher noch nicht gab.

Urdorfer Kürkonkurrenz. 1. Sternli. 1. Saya Morita 11,18. 2. Giulia Man 9,76. 3. Yara Schnyder 9,28. Ferner vom EC Urdorf: 5. Seraina Buchs 8,88. 2. Sternli. 1. Emilie Jouvenat 13,46. 2. Chiara Della Casa 12,90. 3. Lea Meier 12,81. Ferner vom EC Urdorf: 4. Silvie Meyer 12,36. 8. Katya Derungs 10,37. 9. Chiara Blasi 9,87. 14, Noémi Pighin 8,37. 3. Sternli, jüngere: 1. Christina Della Bella 20,23. 2. Noelle Albizzati 19,10. 3. Anna Ledergerber 17,04. 3. Sternli, ältere: 1. Pamina Küssenberger 17,66. 2. Alexandra Rekhovskeya 17,51. 3. Helen Vyskocil (Urdorf) 15,50. Ferner vom EC Urdorf: 8. Vivienne Rimann 14,84. 9. Diellora Abazi 11,43. 3. Sternli Herren: 1. Leonid Ternavskiy 18,42. 2. Daniel Oberhofer 15,87. 4. Sternli: 1. Camilla Ghezzi 20,98. 2. Chiara Todisco 20,88. Melanie Birrer (Urdorf) 19,43. Ferner vom EC Urdorf: 7. Luzia Hemmeler 18,07. 9. Nadine Weidmann 17,12. 11. Yasmin Gräub 15,08. Interbronze, jüngere: 1. Giada Borin 20,47. 2. Michaelle Dorty 19,87. 3. Nina Bertaggia 19,63. Interbronze, ältere: 1. Lucie Manon Schweizer 20,54. 2. Lara Del Curto (Urdorf) 19,64. 3. Esperanza Marx 18,42. Ferner vom EC Urdorf: 10. Rebecca Piazza 16,12. 11. Julia Penalby 15,63. 13. Stefanie Müller 15,47. 15. Lara Morciano 12,67. Bronze: 1. Nastja Meier 34,46. 2. Carmen Angelina Bühler 31,78. 3. Melanie Walker 30,49. Ferner vom EC Urdorf: 5. Allegra Milesi 28,23. Bronze Herren: 1. Cristian Murer 27,08. Bronze Erwachsene: 1. Sarina Collet 22,72. 2. Amira El Bahi 18,11. Intersilber: 1. Joana Pani 35,50. 2. Marica Carnuccio 32,87. 3. Carina Felder 29,32. Silber. 1. Chiara Guerini 34,39. Intergold: 1. Sinja De Crom (Urdorf) 57,62.

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