Oberengstringen
Philippe Schelling wagt den Neustart nachdem Fast-Kollaps

Der Oberengstringer Philippe Schelling fiebert nach turbulenten Monaten mit den Kloten Flyersdem dem ersten Eistraining entgegen. In der Zwischenzeit besucht er seine Schwester in Kanada, die das Tor der Schweizer Nati hütet.

Fabio Baranzini
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Philippe Schelling und die Kloten Flyers wollen baldmöglichst wieder auf die Beine kommen.keystone

Philippe Schelling und die Kloten Flyers wollen baldmöglichst wieder auf die Beine kommen.keystone

Der Oberengstringer Philippe Schelling verbringt derzeit die letzten Tage seines dreiwöchigen Urlaubs in Montreal. Die Millionenstadt in der Provinz Quebec ist kein zufälliges Reiseziel. Schelling besucht dort seine Schwester Florence, die in der kommenden Saison für die Montreal Stars Eishockey spielen wird. Die 23-Jährige hütet das Tor der Schweizer Nationalmannschaft und war mit ihren Leistungen massgeblich am überraschenden Gewinn der WM-Bronzemedaille in diesem Jahr beteiligt.

«Leider sehe ich Florence nicht allzu oft, aber ich bin natürlich sehr stolz auf ihre Erfolge», sagt der ältere Bruder. Der 27-Jährige ist jedoch nicht ganz unbeteiligt am Erfolg seiner Schwester. Als Kinder brauchten sein Bruder und er für die Schussübungen einen Torhüter und stellten kurzerhand ihre jüngere Schwester zwischen die Pfosten, die so zum Eishockey kam.

«Eine schwierige Zeit»

Philippe Schelling nutzt die Ferien nicht nur, um seine Schwester zu besuchen, sondern vor allem auch, um abzuschalten und sich zu erholen. Verständlich, denn der Limmattaler hat ein turbulentes erstes Jahr bei den Kloten Flyers hinter sich. Sein Transfer von den ZSC Lions zum Kantonsrivalen Kloten stiess nicht überall auf Begeisterung. Was wollen die Flyers mit einem Spieler, der beim ZSC auf der Bank sass? Doch nach einiger Angewöhnungszeit strafte der Verteidiger seine Kritiker Lügen. «Ich spielte gut und konnte mich kontinuierlich steigerte», sagt Schelling, der im Verlauf der Saison immer mehr Eiszeit bekam.

Als die Saison nach dem Aus in den Playoff-Viertelfinals vorbei war, machten sich die finanziellen Probleme der Kloten Flyers bemerkbar. «Angefangen hat es damit, dass der Lohn nicht mehr ausgezahlt wurde», erzählt Schelling. Daraufhin tauchte der Verwaltungsrat in der Garderobe auf und erklärte, alles werde gut, doch der Lohn liess weiter auf sich warten. «Es war eine schwierige Zeit. Eine schlimme Meldung kam nach der anderen», schildert Schelling.

Die Spieler beschlossen trotzdem, dass sie nicht bei anderen Clubs anheuern werden. «Informiert hat man sich aber trotzdem, denn in dieser Situation fragt man sich schon, wo man nächste Saison spielt», erzählt der 27-Jährige. Die Sorgen um seine Existenz raubten ihm in manchen Nächten den Schlaf. Umso erleichterter war er, als feststand, dass die Flyers gerettet waren: «Ich bin für uns und für die ganze Hockeyschweiz sehr froh, dass die Geschichte ein gutes Ende fand.»

Unsichere sportliche Situation

Jetzt heisst es, nach vorn zu schauen. Am kommenden Montag beginnen die Klotener unter der Leitung des neuen Trainers Tomas Tamfal mit der Vorbereitung auf die neue Saison. Mehrere Spieler haben das Team verlassen und wurden durch Nachwuchsakteure ersetzt. Philippe Schelling gehört daher in dieser Saison bereits zu den routinierteren Spielern. «Ich werde versuchen, eine Führungsrolle zu übernehmen und den jungen Spielern zu helfen», beschreibt der Verteidiger seine Aufgabe innerhalb der Mannschaft.

Angesprochen auf die Chancen der Flyers in dieser Saison gibt Schelling, der an der Universität Zürich Wirtschaftsinformatik studiert, keine klare Antwort. «Wenn wir den guten Zusammenhalt im Team, der sich durch die Turbulenzen der letzten Wochen entwickelt hat, umsetzen können, dann ist alles möglich. Es kann aber auch völlig in die Hosen gehen.»