Trotz seines jungen Alters wirkt es, als sei der Limmattaler schon seit geraumer Zeit ein Thema in interessierten Eishockeykreisen. Nicht zu Unrecht. Phil Baltisberger hat bereits zwei NLB-Saisons bei den GCK Lions bestritten und bewegte sich schon im Dunstkreis der ZSC Lions. Zu Einsätzen in der NLA hat es erst sporadisch gereicht. Umso bemerkenswerter ist seine Bilanz auf internationaler Ebene. Der Verteidiger bestritt als 17-jähriger schon jeweils zwei U18- und U20-Weltmeisterschaften. Kein Wunder, ist er bei den NHL-Talentspähern hoch im Kurs. Kein Wunder auch, erfolgt der Schritt nach Nordamerika zum jetzigen Zeitpunkt. Im kommenden Sommer gehört Baltisberger zu jenem Spielerkreis, der von den NHL-Teams gedraftet werden kann. Eine starke Saison vor der Haustüre der meisten NHL-Scouts kann deshalb Gold wert sein.

Vorerst in eine Gastfamilie

Vorerst geht es für den Bruder von ZSC-Stürmer Chris aber erst einmal darum, in einer neuen Umgebung Fuss zu fassen und sich zurecht zu finden. Am 17. August wird Phil Baltisberger zusammen mit dem im Juni anlässlich des sogenannten CHL-Import-Draft ebenfalls von den Guelph Storm ausgewählten Pius Suter (17) nach Kanada fliegen. Die Stadt mit 120 000 Einwohnern liegt etwa 100 Kilometer südwestlich von Toronto inmitten der Provinz Ontario. Wie bei den europäischen Junioren-Gastabeitern üblich wird Baltisberger bei einer Gastfamilie wohnen. Sein Leben wird sich vornehmlich ums Eishockey drehen. Jedes der 20 OHL-Teams bestreitet 68 Qualifikationsspiele, danach folgen die Playoffs.

Grösserer Konkurrenzkampf

Phil Baltisberger erhofft sich von seinem Aufbruch zu neuen Ufern «neue Erfahrungen im sportlichen und menschlichen Bereich.» Nach den zwei Jahren in der NLB fühlt er sich bereit für einen weiteren Karriereschritt. «Ich möchte mal eine andere Mentalität erleben und auch eine andere Art Eishockey.» Der 1,84 Meter grosse und 95 Kilogramm schwere Verteidiger fühlt sich auf den kleineren Eisfeldern nach eigener Aussage wohl. Auch die physischere Spielweise komme ihm entgegen. «Und der Konkurrenzkampf wird grösser sein als in der Schweiz.»

Der Wechsel hängt indirekt auch damit zusammen, dass Baltisbergers Perspektiven beim ZSC momentan nicht allzu gut waren. «Die Lions sind auf NLA-Stufe kein Ausbildungsklub. Das Kader ist gross, es wäre für mich sehr schwierig gewesen, mir einen Platz in der Mannschaft zu erkämpfen. Und ich weiss auch nicht, ob ich schon reif gewesen wäre für die NLA», gibt der Unterengstringer zu bedenken. An Angeboten anderer NLA-Teams hat es ebenfalls nicht gemangelt. «Doch auch dort hätte ich keine Garantie auf einen Stammplatz gehabt. Und dann wäre das Risiko gross gewesen, dass ich bei den Elite-Junioren hätte spielen müssen.»

Keine Angst vor Heimweh

Die Vorfreude auf das kanadische Abenteuer ist bei Phil Baltisberger riesig. Der Gedanke daran, dass man sich von seinen Kollegen verabschiedet und sie dann fast ein Jahr lang nicht sieht, sei zwar komisch, «aber ich war schon immer sehr selbstständig. Deshalb habe ich auch keine Angst, dass mich das Heimweh plagen wird», sagt Baltisberger. Und dann ist da ja noch der Vorteil, mit Suter einen Landsmann und guten Kollegen in derselben Mannschaft zu wissen: «Es ist sicher einfacher, wenn man sich am Anfang zusammen orientieren kann.»

Bleibt noch das Thema NHL-Draft: Die kanadische Juniorenliga hat sich für einige Schweizer Verteidiger (z.B. Luca Sbisa oder Yannick Weber) als ideales Schaufenster erwiesen und den Weg zu einer NHL-Karriere geebnet. Für Baltisberger sind solche Gedankenspiele allerdings noch in weiter Ferne. «Ich gehe Schritt für Schritt», betont er. «Mein Ziel ist es, dass ich in fünf Jahren ein besserer Eishockeyspieler bin.» Gut möglich jedoch, dass er Guelph im Sturm erobern und damit dem Teamnamen alle Ehre machen wird.