«Bei denen wird häufiger gepokert als bei uns.» Das nannte Roman Pfister im Sommer 2008 scherzhaft als einzigen Grund für einen Wechsel nach Urdorf. Damals träumte der Stürmer mit Konkurrent Birmensdorf noch vom Aufstieg in die 2.Liga. Ein Jahr später lief er dann für Urdorf auf, das zuvor nicht geträumt, sondern die nötigen Punkte für die Promotion geholt hatte.

Heute geht der 31-Jährige in seine dritte Meisterschaftssaison mit den «Stieren». Er erlebt so ein Stück Vereinsgeschichte mit: Nie zuvor hat der FCU drei Spielzeiten in Folge in der 2.Liga bestritten. «Ich bin nicht lange genug dabei, um eine wichtige Figur für den Klub zu sein. Für andere ist das viel bedeutender», sagt Pfister in seiner pragmatischen Art. Die allgemeine Einschätzung besagt, dass die Limmattaler wieder gegen den Abstieg kämpfen. Dem pflichtet Pfister nicht zu. «Wir können die letzte Saison mindestens bestätigen», meint er. Allerdings ist auch ihm gerade in Anbetracht der jüngeren Geschichte des Vereins klar, dass es wahrscheinlich ist, wieder um den Klassenverbleib zu spielen. «Es ist ein zusätzlicher Ansporn, wenn wir unterschätzt werden», sagt er, doch sei er zuversichtlich, «dass wir diesmal früher als sonst nichts mehr mit dem Abstieg zu tun haben».

Dass Roman Pfister nochmals aufläuft, war alles andere als sicher. Nach einer für ihn erfolgreichen Vorrunde (8 Treffer), verfolgte ihn in der Rückrunde der vergangenen Saison das Verletzungspech: Auf hartnäckige Leistenprobleme folgten ein Innenbandriss im Knie sowie gleichzeitig eine Rippenprellung und schliesslich, als er sich wieder gut in Form trainiert gehabt habe, ein Bänderriss im Sprunggelenk. «Das Gute an der letzten Verletzung war, dass ich Gewissheit hatte, dass die Saison vorbei war und ich mich nicht mehr mühsam herankämpfen muss.» Pfisters Körper rebellierte nicht zum ersten Mal. In Birmensdorf fiel er einst rund ein Dreivierteljahr wegen eines Bänderrisses aus. Er begegnet seiner Verletzungsanfälligkeit heute mit Selbstironie: «Ich bin wahrscheinlich kein allzu interessanter Transfer mehr für andere Vereine.» Vor einigen Monaten habe er an der Sitzung zu knabbern gehabt. Ans Aufhören habe er aber nicht gedacht. «So darf es nicht enden», sagte er sich. Und wenn es noch einen Antriebsgrund brauchte, dann erhielt er diesen am letzten Spieltag. Statt das Husarenstück seiner Mannschaftskollegen beim grossartigen 4:0-Erfolg in Dietikon und damit den Klassenverbleib vor Ort mitzuerleben, war er als «Spion» beim Vergleich der Abstiegskampf-Konkurrenten Zürich-Affoltern und Schwamendingen. «Meine Karriere als Zuschauer in Affoltern zu beenden – nein, das kam nicht infrage», stellte er für sich klar.

Der Abschied naht

Pfister will es also noch einmal wissen. Wohl ein letztes Mal. «Es gibt für mich zwei Szenarien für die kommende Saison: Entweder, sie endet mit einem Erfolgserlebnis, oder sie endet wie die letzte. Bei beiden Szenarien wäre das Fazit dasselbe: Das wars dann.» Beim Sieg im Cup gegen Volketswil kam er kurz vor Schluss herein und erfüllte seine Pflicht als Elfmeterschütze souverän. Das ist bezeichnend für ihn, der wohl sensibel ist, nicht aber resignativ. Er ist ein echter Strafraumstürmer, sucht mit seinen kurzen Beinen stets die 1:1-Situation, aus der er sich am liebsten mit ein, zwei Haken vom Gegenspieler löst, um danach abzuschliessen. Der ehemalige Limmattaler Torschützenkönig kreiert so auch mal aus «keiner Chance» eine Möglichkeit.

Einen guten Riecher hat der passionierte Kartenspieler dem Vernehmen nach auch am Pokertisch. Wird denn nun beim FC Urdorf häufiger gezockt als früher in Birmensdorf? «Etwas öfter», sagt Pfister lächelnd, «vor allem aber besser – ich habe bisher deutlich weniger gewonnen als damals.» Heute gehts um Meisterschaftspunkte. Urdorf gastiert zum Start bei Aufsteiger Lachen/Altendorf (18Uhr, Peterswinkel).LiZ-Tipp: 1:1