Pünktlich fährt er in seinem Auto vor. Er stellt den Wagen auf dem Parkplatz der Sportanlage Sürenloh ab. «Er kommt, der Nationalcoach ist da!» Das emotionale Chaos ist perfekt. Ottmar Hitzfeld entsteigt zusammen mit Assistent Michel Pont und Torwarttrainer Patrick Foletti seiner Limousine. Wie gewohnt adrett gekleidet. Minuten später steht das Trio im Trainingsanzug bereit.

Das Warten für die 16 auserwählten Junioren des Uitikon ist endlich vorbei. Sie scharen sich um die prominenten Gäste und streifen allmählich ihre Nervosität ab. Die letzten Tage hatten es in sich. «Es gab einige schlaflose Nächte vor lauter Aufregung», weiss Martin Cincera.

Der Trainer der Da-Junioren war nicht nur für das Seelenheil seiner jungen Ballkünstler zuständig, Cincera gehörte auch dem Team an, welches den Event in den letzten zwei Wochen auf die Beine gestellt hatte. Jetzt steht er mit Hitzfeld an der Linie und unterhält sich mit ihm. «Ich bin der Ottmar.» Auch Cincera atmet tief durch.

Ottmar Hitzfeld leitet das Training der FC Uitikon Junioren

Die Frau des Finanzchefs

Im wahrsten Sinn eingebrockt hat das Jahrhundertereignis Cincera und dem FC Uitikon Karin Wallner. Die Ehefrau von Finanzchef Daniel Wallner schickte in Eigenregie den Wettbewerbstalon für ein Training mit «Hitzfeld & Staff» ab. Das Team wurde unter 1900 Mannschaft ausgelost. «Unglaublich, was der Anlass für ein Echo erzeugt hat», sagt Wallner.

Das Training ist im vollen Gang. Die Rollenverteilung ähnelt jener im Nationalteam. Michel Pont gestikuliert, gibt Anweisungen, temperamentvoll wie immer. Patrick Foletti nimmt sich die Spieler einzeln vor. Hitzfeld beobachtet, die Hände am Rücken. Er lacht und sucht immer wieder den Kontakt zu den Leuten.

Er fühlt sich sichtlich wohl, unter den immer zahlreicher erscheinenden Zaungästen. Die Vertrautheit ist nicht zufällig. Für den 64-Jährigen ist es eine Rückkehr in eine bekannte Umgebung. Hitzfeld wohnte zwischen 1989 und 1991, als er die Grasshoppers erfolgreich trainierte, nur einen Steinwurf vom Fussballplatz Sürenloh entfernt. «Auf dem Weg habe ich noch kurz an der alten Adresse vorbeigeschaut. Er ist alles in Ordnung», sagt er mit einem Augenzwinkern.

Hoffen auf einen Impuls

Beim FC Uitikon hofft man mit dem gestrigen Anlass nicht nur Werbung in eigener Sache betrieben zu haben, sondern dem Thema zweiter Rasenplatz neuen Schwung zu verleihen. Der Souverän hatte im Frühling das Kunstrasen-Projekt verworfen und den Verein in eine schwierige Situation manövriert. «Die Kapazitätsgrenze ist längst erreicht», sagt Klub-Präsident Peter Haussmann.

Insgesamt teilen sich 11 Mannschaften den einzigen Platz. «Mittelfristig muss etwas geschehen», sagt auch Juniorenobmann Sergio Pulitano. Er nimmt das Wort Existenz nicht in den Mund. «Aber wir müssten sicher Abstriche machen, sollten wir in absehbarer Zeit keinen zusätzlichen Platz erhalten.» An der Generalversammlung in einer Woche wird das weitere Vorgehen festgelegt.

Inzwischen ist das Training beendet. Die Junioren sind begeistert von ihrem Lehrmeister. «Das war genial», sagt Moreno Cincera. Dann ist er weg und in die Menge untergetaucht Der 11-jährige Sohn des Trainers will sich noch ein Autogramm vom Nati-Coach ergattern. Wahrlich eine Sternstunde.