Fussball
Orhan Mustafi: «Ich hatte nie nur Scheisse im Kopf»

Fussball Orhan Mustafi hat bei GC sein Glück gefunden. Nach einem Gastspiel bei Arminia Bielefeld in der zweiten Bundesliga, kehrte Mustafi im Sommer in die Schweiz zurück. Bei GC gehört er nun mit seinen 21 Jahren schon zu den Routiniers.

Andreas Fretz
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Orhan Mustafi fühlt sich bei GC wohl. (Keystone)

Orhan Mustafi fühlt sich bei GC wohl. (Keystone)

Limmattaler Zeitung

Der erste Interview-Termin platzt. Am Tag nach dem Cupsieg gegen Wil (3:5 n.P.) hat Orhan Mustafi keine Zeit für Kaffee, Kuchen und Klatsch. Mustafi muss zur MRI-Untersuchung. Es zwickt im linken Knie. Eine negative Diagnose wäre verheerend, denn nach vielen Hochs und noch mehr Tiefs hat sich der 21-Jährige wieder zurück ins Rampenlicht gespielt. Bei GC zählt der Stürmer mit mazedonischen Wurzeln wieder zur Stammelf und trifft.

Befürchtung nach dem Spiel gegen Wil

Gestern die Entwarnung. Mustafi ist fit und hat auch Zeit für ein Gespräch. Die Erleichterung ist ihm anzuhören. Als er gegen Wil in der 97. Minute ausgewechselt wurde, wusste er, dass etwas nicht stimmt. Schon zweimal wurde er am Meniskus operiert. «Ich kenne mein Knie», sagt Mustafi, allzu grosse Sorgen habe er sich zwar nicht gemacht, erleichtert sei er trotzdem; jetzt, da er wisse, dass es nur eine leichte Entzündung ist.

Das Vertrauen von GC

Bei GC hat der Mann aus der Fahrweid nach einigen Irrungen und Wirrungen wieder tritt gefasst. Einst gewann Mustafi mit den FCZ-Junioren den Blue Stars/Fifa Youth Cup. Es ging steil bergauf. Er wechselte zum FC Basel, wurde dann aber an Aarau und Arminia Bielefeld ausgeliehen. In der Zweiten Bundesliga lief es gar nicht rund. Mustafi wurde in die zweite Mannschaft abgeschoben und kehrte nach einem Jahr ohne Torerfolg diesen Sommer in die Schweiz zurück. «Im Fussball kann es schnell aufwärts, aber auch schnell abwärtsgehen», sagt Mustafi, «um wieder hochzukommen, muss man doppelt so hart arbeiten.»

Bei GC, wo er mit einem Dreijahresvertrag ausgestattet wurde, spürt Mustafi das Vertrauen: «Der Verein und der Trainer zählen auf mich. Ich habe gespürt, dass Ciriaco Sforza mich wirklich will.» Mustafi ist froh, dass er eine neue Chance erhalten hat. Er spricht von einem Neuanfang, davon, dass er dem Verein etwas zurückgeben will. Denn: «Ich hätte ebenso gut in der Challenge League landen können.»

Nähe zu den Eltern

Seit seiner Rückkehr aus Bielefeld wohnt Mustafi wieder bei seinen Eltern und den beiden jüngeren Brüdern in der Fahrweid. «Das tut mir gut, die Familie gibt mir Kraft», sagt er. Mit 18 Jahren zog er aus, um die Fussballwelt zu erobern. Nun ist er wieder zu Hause angekommen und startet den nächsten Angriff, sich im Spitzenfussball zu etablieren. Während seines Jahrs in Bielefeld hat Mustafi die Familie nur einmal gesehen. Heute sagt er: «Ich habe kein Problem damit, länger bei den Eltern zu bleiben. Ein, zwei, vielleicht auch drei Jahre.»

Mustafi galt nicht immer als pflegeleicht. «Vielleicht war ich früher eher wild, aber ich hatte nie nur Scheisse im Kopf. Ich habe dazugelernt, bin seriös geworden», sagt Mustafi. Vielleicht hilft es auch, dass er trotz seiner 21 Jahre bei GC zu den älteren, erfahrenen Spielern zählt. «Das ist eine neue Rolle», sagt Mustafi, «vorher war ich fast immer der Jüngste.»