Fussball
Oliver Buff will nicht länger der ewige Lehrling bleiben

Seit zehn Jahren spielt der Limmattaler Oliver Buff für den FCZ. Er ist 2014 Cupsieger geworden, mit der Nati 2009 U17-Weltmeister und 2012 Olympiateilnehmer. Doch der ehrgeizige Aufbauer will mehr.

Markus Brütsch
Drucken
Teilen
Oliver Buff will beim FCZ endlich durchstarten.

Oliver Buff will beim FCZ endlich durchstarten.

Keystone

Mittendrin im Gespräch sagt Oliver Buff plötzlich: «Bitte vergesst nicht, dass ich erst 22 Jahre alt bin!» Wo er recht hat, hat er recht. Die Krux ist: Wer schon über hundert Mal in der Super League aufgelaufen ist und in den vergangenen vier Spielzeiten jeweils über zwanzig Partien bestritten hat, wird nun mal mehr als gestandener Profi denn hoffnungsvolles Talent wahrgenommen.

Deshalb ist es vielleicht tatsächlich ungerecht, dem Mittelfeldspieler des FC Zürich vorzuwerfen, er habe in seiner Entwicklung stagniert. Denn es gibt nicht viele seines Alters, die einen vergleichbaren Leistungsausweis haben: U17-Weltmeister 2009, Olympiateilnehmer 2012, Cupsieger 2014 und eben, jede Menge Pflichtspiele für den FCZ.

Doch die Statistik sagt auch: 20, 22, 19 und 17. Das sind der Reihe nach die Startelfeinsätze in der Liga in den vergangenen vier Saisons. Nicht weniger als zwölf Mal ist Buff 14/15 lediglich als Einwechselspieler zum Zug gekommen. «Es wurmt mich, wenn ich nicht spiele», sagt der Limmattaler, «ich bin ehrgeizig.»

Ist Buff zu brav?

Aber vielleicht auch noch ein bisschen zu brav. «Wie wir Schweizer nun mal sind. Die Deutschen zum Beispiel können schon als Kind ellbögeln, wir nicht», sagt Buff. Er selber kann sich ein Urteil erlauben, schliesslich hat er über 70 Länderspiele für Schweizer Nachwuchsauswahlen bestritten. «Vielleicht bin ich zu ruhig, muss mehr Ecken und Kanten zeigen», sagt Buff.

Sein Trainer, der auch schon sein Juniorentrainer war, attestiert ihm allerdings, einen grossen Schritt in der Persönlichkeitsentwicklung gemacht zu haben. «Er ist auf dem richtigen Weg, ein Leader zu werden», sagt Meier, «er hat in den letzten Spielen der Rückrunde eine gute Form gehabt und scheint diese nun in die neue Saison mizunehmen.» Dass Buff nicht mehr recht vom Fleck gekommen sei, habe mit den vielen kleinen Verletzungen zu tun, welche den Spieler immer wieder im dümmsten Moment zurückgeworfen hätten, sagt Meier.

Jetzt aber wähnt sich Buff in einer guten Verfassung. Angesichts von nur zwei Wochen Ferien war es vielleicht auch etwas einfacher, die gute Form zu halten. Dennoch hätte er nichts dagegen, wäre die Sommerpause etwas länger. «In 14 Tagen ist es kaum möglich, die Batterien aufzuladen», sagt Buff. Er hatte die freie Zeit auf der griechischen Insel Mykonos verbracht und ab und zu mal eine Tennispartie eingestreut.

Buff will Meister werden

Jetzt ist er gespannt, was der FC Zürich zu bieten hat in der neuen Saison. Eigentlich könne es ja nur ein Ziel geben: Meister werden! «Wenn ich als FCZ-Spieler nicht diese Zielsetzung habe, dann bin ich hier am falschen Platz.» Buff räumt allerdings ein, dass man angesichts der gegenüber dem FCB und YB finanziell ungleich langen Spiesse nicht gleich von einer Sch...saison sprechen müsste, sollte es am Ende nicht zum Titel reichen.

«Schliesslich sind wir nicht der FC Barcelona.» Buff gibt zu, dass die Rückrunde – einen Teil davon hat er wegen eines Nasenbeinbruchs verpasst – katastrophal verlaufen sei. «Aber», sagt Buff, «am Ende sind wir dennoch auf dem dritten Platz gelandet und wir haben, inklusive Cup, alle fünf Derbys gegen die Grasshoppers gewonnen. Das sollte man nicht vergessen.»

Kein Torjäger

Und auch nicht, dass es Buff auf sieben Assists gebracht hat. Nur Captain Yassine Chikhaoui hat denselben Wert erreicht. Zu schaffen macht ihm indes, dass er kein Tor geschossen hat. Überhaupt: Fünf Tore in 116 Meisterschaftsspielen sind selbst für einen defensiven Aufbauer eine verbesserungswürdige Bilanz. Hätte er so viele Treffer markiert wie gelbe Karten gesehen, dann stünde er bei 27. Gelbe Karten sind so etwas wie sein Markenzeichen geworden. «Als junger Spieler begeht man halt dumme Fouls», sagt Buff, «aber es stimmt, ein Torjäger bin ich definitiv noch nicht geworden.»

Dabei war ihm schon im dritten Spiel in der Super League als 17-Jährigem im Derby gegen GC der erste Treffer gelungen. Debütiert in der Liga hatte er am 21. März 2010 beim 2:0 gegen Bellinzona. Nachdem er vier Monate zuvor in Nigeria als Stammspieler U17-Weltmeister geworden war und danach von einem italienischen Verein eine Offerte erhalten hatte.

Buff hält den Sprung ins Ausland für den interessanteren Schritt

Buff will nicht direkt sagen, er bedaure es, damalsnicht den Sprung ins Ausland gewagt zu haben. Aber er würde schon gern wissen, wo er heute stünde, hätte er sich anders entschieden, als in Zürich die KV-Lehre abzuschliessen und sich in der Super League zu etablieren. Er verstehe, dass die jungen Teamkollegen Nico Elvedi (18) und Dimitri Oberlin (17) nun ihre Chance beim Schopf gepackt hätten und zu Mönchengladbach und Red Bull Salzburg gegangen seien. «Wenn Gladbach anklopft, kann man nicht Nein sagen», sagt Buff, «und Oberlin hat angesichts der Konkurrenz im Sturm keine Möglichkeit gesehen, beim FCZ zu spielen.»

Ihm, Buff, habe man seinerzeit gesagt, es sei besser, sich vor einem Transfer ins Ausland zuerst in der Super League zu behaupten. Heute finde er aber, Elvedi und Oberlin würden den interessanteren Weg gehen. «Sie haben den richtigen Schritt gemacht.»

Vorerst aber will er sich endlich einmal festbeissen in der Zürcher Startformation, obwohl mit Cabral auf seiner Position im zentralen defensiven Mittelfeld neben Burim Kukeli und dem aufs Comeback hinarbeitenden Gilles Yapi die Konkurrenz noch grösser geworden ist. Trainer Meier macht Buff, dessen Vertrag beim FCZ noch zwei Jahre läuft, Mut, wenn er sagt: «Oli hat gelernt, diesen Kampf anzunehmen und nur auf seine Leistung zu schauen.»

Er bescheinigt ihm erhebliche technische und taktische Qualitäten und eine grosse Variabilität. «In Gladbach hat er in einer Viererabwehr in der Innenverteidigung gespielt, gegen Vaduz in einer Dreierabwehr und im Mittelfeld kann er auf vielen Positionen spielen», sagt Meier. Buff selber sieht seine Polyvalenz nicht nur als Vorteil. In der Cupfinalsaison habe er gedacht, seinen Platz als Sechser vor der Dreierabwehr gefunden zu haben. Der damalige Technische Direktor Marco Bernet hatte in ihm gar einen Strategen gesehen. Als es dann im Sommer 2014 wieder losging, sass Buff ... auf der Bank.

Guter Konditionstest

Neue Saison, neues Glück. Im Konditionstest hat Buff vergangene Woche die drittbesten Werte erreicht. «Ich bin bereit für die neue Saison», sagt der in Wollerau wohnende Buff. Auch er träumt davon, einmal im Ausland Erfahrungen zu sammeln, von der Champions League und der A-Nationalmannschaft.

Die Gegenwart heisst aber FCZ. Er hofft, mit dem 4:3 gegen GC im letzten Saisonspiel sei der unsägliche Heimfluch nach elf Partien ohne Sieg gebannt. «Und wir dürfen nicht mehr so viele Punkte verlieren gegen die vermeintlich kleinen Teams», sagt Buff und erinnert an die Meistersaison 2009, als der FCZ gegen Basel in vier Partien nur einen Punkt geholt hatte, sich aber sonst kaum Blössen gab.

Zehn Jahre sind es her, seit Buff vom FC Geroldswil zum FCZ gekommen ist. Und doch fühlt er sich hier manchmal wie der ewige Lehrling. «Aus dieser Schublade rauszukommen ist nicht einfach», sagt Buff. Aber genau das hat er sich vorgenommen. Schliesslich ist er schon 22.