Hebi Wetzel, wie viele Interviews haben Sie gegeben seit dem Beginn Ihrer Funktionärslaufbahn im Jahr 1985?

Hebi Wetzel: Einige! Ich erinnere mich an einen Artikel mit dem Titel: «Gemetzel mit Wetzel». Der ist aus dem Jahr 1990, als einige Mitglieder unverschämt wurden und wir vom Vorstand fanden, wir schmeissen den Bettel hin. Ein Artikel, den ich natürlich aufbewahrt habe.

Sie traten kurze Zeit nach diesen Vorkommnissen tatsächlich zurück. Seit 2008 sind Sie wieder Präsident. Eigentlich wollten Sie nach zwei Jahren aufhören. Morgen treten Sie wieder zur Wahl an.

Ich sagte mir 2008: maximal fünf Jahre. Wenn jetzt ein Nachfolger da gewesen wäre, hätte ich mein Amt abgegeben. Es wird jetzt aber so oder so mein letztes Jahr sein.

Endgültig?

Definitiv (lächelt). Es braucht junge Leute, die wieder etwas bewegen. Mein Feuer ist zwar noch da, aber ich kann niemanden mehr anstecken. Ausserdem hat sich vieles verändert: Es ist eine Multikulti-Gesellschaft, gerade im Fussball. Auch der Vorstand wird sich mit der Zeit in diese Richtung verändern.

Hinterlassen Sie nicht zu grosse Fussstapfen für Ihren Nachfolger?

Heutzutage hält man sich nicht mehr mit der Vergangenheit auf, das Umfeld verändert sich schnell. Ich glaube deshalb nicht, dass mein Schatten zu lang sein wird.

Erfahrung kann sich auszahlen. Sie haben in einigen Situationen bemerkenswert gelassen reagiert. Zum Beispiel, als Sie sich hinter den Juniorenobmann stellten, der wiederholt betrunken am Steuer erwischt wurde.

Es gibt schon auch Momente, die mich extrem nerven.

Zum Beispiel?

Vom Junior bis zum Veteranen will jeder seine Interessen durchsetzen und nicht zurückstecken zugunsten eines andern. Nach dem Motto: Nur nehmen, nichts geben. Das braucht Nerven.

Das Image des Vereins ist nicht gut. Man nehme nur die Strafpunktelisten des Verbands zur Hand.

Das tut mir weh. Ich sprach kürzlich mit Beat (Studer, Trainer der ersten Mannschaft, Anm. d. Red.) darüber. Er vertritt die Auffassung, die Spieler müssten es manchmal auf die harte Tour lernen, indem sie ein Spiel aussetzen. Ich sehe das anders: Jede rote Karte schadet dem Image. Wir arbeiten intensiv daran, dass sich das ändert.

Was machen Sie konkret zur Verbesserung?

Mit den Funktionären reden. Vor zwei Jahren haben wir einen Fairplay-Kodex ausgearbeitet und mit jedem Trainer besprochen. Die Trainer müssen die Vorbildfunktion wahrnehmen. Die Fälle, bei denen das nichts hilft, behandeln wir in eigenen Sitzungen. Dann kann es Sanktionen geben wie interne Sperren oder Bussen.

War es früher leichter, Präsident zu sein?

Enorm! Es gab keine Mails, kein Handy. Heute habe ich nach dem Aufstarten zehn Mails vom Verein auf dem Computer. Das Besondere und Schwierige bei uns ist, dass wir mit Männern und Frauen zwei erste Mannschaften zu führen haben. Wenn wir nur eine hätten, würde uns das die Hälfte kosten. Glücklicherweise haben wir genügend Sponsoren und Gönner wie den Businessclub, die uns unterstützen. Es war eine Zeit lang ungewiss, ob wir die Frauenmannschaft noch tragen können.

Müsste die Frauenabteilung sich nicht selbst organisieren?

Das wurde auch schon überlegt. Das Problem ist: Es gibt zu wenig Funktionäre, die sich um ein Frauenumfeld kümmern wollen, obwohl der Stellenwert des Frauenfussballs höher ist. Wir versuchten zwei-, dreimal schon, ein neues Umfeld zu schaffen. Zuletzt Anita (Lindegger, Ex-Sportchefin) und Ivana (Kobler, Frauenverantwortliche), die aber an Ort getreten sind. Den Hauptverein braucht es sowieso für die Infrastruktur und den finanziellen Hintergrund.

Sie haben selbst schon viele Funktionen im Verein ausgeübt. Was wollten Sie nie werden?

Eigentlich Trainer. Aber ich betreute dann ja doch mal ein halbes Jahr die erste Mannschaft und einmal ebenso lang die zweite. Mit der ersten bin ich in die vierte Liga abgestiegen (2001), das war ein grosser Frust. Ach ja: Die Aufgabe des Platzwarts fehlt mir noch in der Sammlung (lacht).