Nach 75 Minuten ist sein Arbeitstag zu Ende. Cabral hat im Trikot des FC Zürich ein ordentliches Debüt gegeben und die Bälle im Mittelfeld gut verteilt. Am Ende siegt sein neues Team im Testspiel in Volketswil gegen Aarau 3:0 und Cabral denkt: So kann es ruhig weitergehen.

Zwei Tage zuvor ist er noch mässig guter Laune gewesen. «Geht das Interview lang?», hat er nach dem Morgentraining geraunzt. «Ich bin müde.» Das intensive Lauftraining hatte dem 26-Jährigen zugesetzt.

Kein Wunder: In den letzten zwei Jahren war er ziemlich aussen vor gewesen, hatte es beim AFC Sunderland und beim FC Genua gerade mal auf neun Pflichtspieleinsätze gebracht und war in den vergangenen sechs Monaten nach der Vertragsauflösung in England gar ohne Verein dagestanden. Er hatte in diesem Frühjahr zwar ein paar Wochen bei den Young Boys mittrainiert und auch sonst versucht, sich fitzuhalten, doch ein bisschen Zeit wird er ohne Zweifel noch brauchen, um wieder der «alte» Cabral aus Basler Zeiten zu werden.

«Niemand liebt diese harten Einheiten während der Vorbereitungsphase», sagt Cabral, «aber gleichwohl bin ich natürlich froh, wieder einen Klub zu haben.» Er habe Offerten aus der englischen Championship, aus der Bundesliga und aus Frankreich gehabt, sagt Cabral. «Im Gespräch mit dem FC Zürich spürte ich aber am meisten heraus, dass ich gebraucht werde und man mich unbedingt haben will.» Auch Cousin Gelson Fernandes sei zufrieden gewesen, dass er sich für den FCZ entschieden habe.

Der Einfluss Strellers

Obwohl Gilles Yapis Genesung nach der schweren Verletzung erfreulich zügig voranschreitet und der Aufbauer auch schon in Teile des Mannschaftstrainings integriert ist, bleibt offen, wann er in die Super League zurückkehrt. Cabral soll im zentralen defensiven Mittelfeld für die Stabilität sorgen, die nach Yapis Ausfall gefehlt hat. Er will dies aber auch dann noch tun, wenn der Ivorer wieder auf dem Platz steht. «Beim FC Basel haben wir gut miteinander harmoniert und alles gewonnen, was man gewinnen kann», sagt Cabral.

Mit Gilles habe er sich im Vorfeld des Transfers ausführlich über den FCZ unterhalten. Und? «Wir wissen, dass wir viele gute Spieler haben, müssen dies aber auf dem Rasen auch zeigen, um die Fans wieder in den Letzigrund zu locken», sagt Cabral. Klar gehe der FC Basel wie immer als Favorit in die neue Saison, doch es könne für andere Mannschaften eine Chance sein, dass Marco Streller nicht mehr dabei ist. «Ein FCB ohne Streller ist nicht mehr derselbe FCB», sagt Cabral. «Ich habe es ja selbst erlebt, wie viel Einfluss er gehabt hat.»

Cabral sagt, dass er es nie bereut habe, den FCB vor zwei Jahren verlassen zu haben. «Ich hatte sechs super Jahre und konnte meine Erfahrung einbringen, die ich in Spanien während meiner Ausleihe mit Sevilla B gesammelt hatte. Der Sieg gegen Manchester United war natürlich das ganz grosse Highlight», sagt Cabral. «Alles, was ich bin, verdanke ich dem FCB.»

obwohl er es danach bei Sunderland nicht gepackt hat, will Cabral nichts davon wissen, er sei auf der Insel gescheitert. «Trainer Paolo Di Canio hatte mich nach England geholt, und unter ihm habe ich auch gespielt, doch leider ist er fünf Spiele nach dem Saisonstart entlassen worden», sagt Cabral.

Lehrreiche Zeit auf der Insel

«Der neue Trainer Gustavo Poyet hat dann auf andere Spieler gesetzt. So ist das eben im Fussball.» Dass er dem horrenden Tempo der Premier League möglicherweise nicht gewachsen gewesen sei, will Cabral nicht zugeben. «Es stimmt, es wird in keiner anderen Liga so schnell gespielt wie in England, aber ich hatte einfach das Pech, dass mich der Trainer nicht wollte.»

Dennoch möchte Cabral die Zeit im Nordosten Englands nicht missen. «Die Menschen in Sunderland leben für den Fussball, sie haben sonst ja nichts. Ihnen eine Freude zu machen, dafür lohnt es sich, täglich zu schuften. Denn auch trainiert wird in einem unglaublichen Tempo», sagt Cabral.

Er habe vieles gelernt auf der Insel, aber auch bei seinem halbjährigen Engagement in der Serie A beim FC Genua. «In Italien habe ich vor allem im taktischen Bereich viel profitiert.» All dies will er nun in der Super League zeigen. «Jetzt möchte ich aber vor allem eines: Spielen, spielen, spielen.»

Cabral war in Praia auf den Kapverden geboren worden und bald danach mit seinen Eltern in die Schweiz gekommen. Zehn Jahre, nachdem er bei Lausanne-Sport Profi geworden war, ist nun der FCZ sein sechster Arbeitgeber. Auf die Frage, ob er hier seine Karriere neu lancieren wolle, reagiert er mit Unverständnis: «In der Schweiz muss ich niemandem mehr etwas beweisen.»