Der Abstiegskampf
Nette Worte helfen dem FC Zürich im Abstiegskampf nicht

FCZ-Trainer Uli Forte kann in zwei Spielen alles gewinnen, aber auch alles verlieren. Er könnte somit der vierte FCZ-Coach der Saison werden, der scheitert. Aber auch der erste, der triumphiert.

Ruedi Kuhn
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Uli Forte ist an der Medienkonferenz vor dem heutigen Spiel gut aufgelegt.

Uli Forte ist an der Medienkonferenz vor dem heutigen Spiel gut aufgelegt.

KEYSTONE

Vier Trainer hat der FC Zürich in dieser Saison verschlissen. Den Anfang machte Urs Meier, der es auf drei Spiele brachte. Dann verlor FCZ-Präsident Ancillo Canepa die Nerven und entliess Meier. Für Meier kam kurzzeitig Massimo Rizzo. Ein Befehlsempfänger, der für den Job des Assistenten geboren ist. Auf Notnagel Rizzo folgte Sami Hyypiä. Der Finne wurde am 21. August vorgestellt. Er sei der Grösste. Liess Canepa verlauten. Bezüglich Körpergrösse mag das stimmen. Hyypiä misst gefühlte zwei Meter.

Ein grosser Mann ist aber noch lange kein grosser Trainer. Hyypiä scheiterte auf und neben dem Spielfeld. Sein Auftreten in der Öffentlichkeit war leblos, emotionslos, hilflos und damit auch erfolglos. Hyypiäs Auffälligkeiten: Er schüttelte oft den Kopf, legte seine Stirn gerne in Falten und kaute unablässig an den Fingernägeln. Das sind keine positiven Zeichen. Weil Hyypiä die Spieler weder zum Laufen noch zum Kombinieren und schon gar nicht zum Jubeln brachte, wurde die Mannschaft mehr und mehr zum Spiegelbild des Trainers. Sie wissen schon: Leblos, emotionslos, hilflos und damit auch erfolglos.

Ein Fussball-Verrückter

Nach einer 0:4-Pleite gegen Aufsteiger Lugano und dem Sturz ans Tabellenende musste Hyypiä gehen. Und zwar auf Druck der Spieler. Das Groteske an der Sache: Ausgerechnet die Spieler, die Tag für Tag, Woche für Woche und Monat für Monat eine Gurkenpartie nach der andern ablieferten, schickten Sami Hyypiä in die Wüste. Drei Runden vor Schluss übernahm Uli Forte das Zepter. Forte ist Italiener und als Secondo in Brüttisellen aufgewachsen. Der 42-Jährige ist ein kluger Kopf. Nach der Sekundarschule ging er ans Gymnasium in Winterthur und absolvierte an der Universität Zürich ein Wirtschaftsstudium.

Die FCZ-Krise in Bildern:

Die FCZ-Krise in Bildern
12 Bilder
Genug ist genug –Präsident Ancillo Canepa geht.
Posieren für den Club.
Einsam verlässt Sami Hyypiä seinen Arbeitsplatz.
Dem FCZ droht der erste Abstieg seit der Saison 1987/88.
FCZ-Verteidiger Philippe Koch ist nach dem 0:4-Debakel gegen Schlusslicht Lugano am Boden zerstört. keystone
Der FCZ ist am Boden.
Captain Alain Nef ist frustriert.
Rauchende Pfeife, rauchender Kopf: FCZ-Präsident Ancillo Canepa
Sami Hyypiä hat als FCZ-Trainer enttäuscht.
Ex-FCZ-Trainer Hyypiä und Präsident Ancillo Canepa.
Sami Hyypiä ist nicht mehr FCZ-Trainer.

Die FCZ-Krise in Bildern

Keystone

Matura hin, Studium her; Forte ist und bleibt ein Fussball-Verrückter. Als Spieler war er bei Brüttisellen, Red Star und Kriens. Als Trainer stieg er vor zehn Jahren beim FC Wil in den Profifussball ein. Nach St. Gallen, GC und den Young Boys trainiert er jetzt den FC Zürich. Und das gerade mal für drei Partien in der Meisterschaft. Nach dem 0:3 in St. Gallen und dem 2:2 in Sion folgt das Heimspiel gegen Vaduz. Es entscheidet den Abstiegskampf. Für den FCZ und für Forte geht es um Sein oder Nichtsein.

Einen Tag vor dem Spiel sitzt Forte auf dem Scherbenhaufen FCZ! Trotzdem lächelt er an der Medienkonferenz in die TV-Kameras und nimmt das Blitzlichtgewitter der Fotografen mit einem Augenzwinkern zur Kenntnis. Dann plaudert Forte locker vom Hocker über den abstiegsgefährdeten FC Zürich. Phrasen machen die Runde. Ein Beispiel gefällig? Bitte schön! «Natürlich wäre es bitter, wenn der FCZ absteigen würde», sagt Forte. «Schliesslich ister ein Traditionsverein und gehört deshalb in die Super League.»

Nette Worte – mehr nicht! Spricht man Forte auf seine Zukunft an, wehrt er ab. Eines ist klar: Schafft er am Mittwoch den Ligaerhalt und am Sonntag den Cupsieg, wird ihm der Präsident im Hinblick auf die nächste Saison den roten Teppich ausrollen.

Die Realität ist aber eine andere: Forte hat mit dem FCZ nur einen Punkt aus zwei Spielen geholt. Gegen Vaduz muss ein Sieg her. Mehr noch. Es braucht Schützenhilfe von St. Gallen in Lugano. Mit St.-Gallen-Präsident Dölf Früh hat Forte gesprochen. Man kennt sich aus früheren Zeiten. «Ich bin sicher, dass St. Gallen in Lugano punkten wird», sagt Forte. Und macht sich in der fast hoffnungslosen Situation selbst Mut.

Forte unternimmt im Vorfeld der Entscheidung alles Menschenmögliche, um den Fall des FCZ in die Challenge League zu vermeiden. Nach den Geheimtrainings während der vergangenen Tage verbrachte die Mannschaft die Nacht vor dem Spiel in einem Hotel. Da gibt es Video-Studiums vom Gegner. Man spricht miteinander. Und glaubt natürlich felsenfest daran, dass es in der 36. und letzten Runde besser läuft als in den 35 Runden zuvor. Wirklich?

Vaduz ohne Sadiku

Armando Sadiku ist mit sieben Toren der beste Torschütze des FC Vaduz in dieser Saison, obwohl er erst auf die Rückrunde hin zu den Liechtensteinern gestossen ist. Der 24-jährige Albaner ist eine Leihgabe des FC Zürich. In dem für den FCZ alles bedeutenden Match von heute werden sich die Zürcher nicht vor Sadiku in Acht nehmen müssen. Er wird sich das Spiel angeschlagen von der Tribüne anschauen. So zumindest die offizielle Version. (sda)