Limmattal
Nachwuchsprobleme beim Zürcher Skiverband

Es mutet ironisch an. Die Schweiz ist weltweit bekannt für ihre Schneelandschaften, in der Schweiz selber sind immer weniger damit vertraut. Das spürt der Schneesport. Der Zürcher Regionalverband kämpft wie alle anderen mit Nachwuchsproblemen.

Raphael Biermayr
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Einer, der das ändern will, ist ausgerechnet ein Österreicher: Helmut Schulz, Präsident des Zürcher Skiverbands und des Ski-Clubs Schlieren und wohnhaft in Dietikon. An den vom nationalen Skiverband initiierten «Schneespasstagen» sollen Schulkinder aus grösseren Städten mit Skis oder Snowboard vertraut werden. Aus Zürich waren es an zwei Tagen je 100, die mehrere Stunden unter Anleitung von Ski- und Snowboardlehrern in Hoch-Ybrig verbrachten.

«Versäumt, die Secondos anzusprechen»

Ein Thema im Zusammenhang mit der schwindenden Basis im Schweizer Skisport ist der gestiegene Migrantenanteil. «Der Bezug zum Schnee ist bei Secondos nicht von Anfang an gegeben; man hat es versäumt, sie anzusprechen, jetzt erhält man dafür die Quittung», erklärt der 68-jährige Regionalverbandspräsident, der in den erwähnten Zürcher Schulklassen einen Ausländeranteil von «über achtzig Prozent» ausgemacht hat.

Das weiterführende Argument, dass Schneesport besonders teuer ist, lässt Schulz nicht als Erklärung gelten. «Wenn man seinem Kind etwas Gutes tun will, kriegt man das hin», ist er überzeugt. Darüber hinaus wehre er sich gegen «den Eindruck, Migranten hätten generell weniger Geld als Schweizer zur Verfügung». Schulz macht deutlich: «Es ist unverschämt zu glauben, Secondos würden alle als Handlanger arbeiten.»

Momentan bietet sich für Schulz und seine Kollegen der anderen elf Regionalverbände eine gute Gelegenheit, den Skisport ins Gedächtnis der Eltern zu rufen. Denn dank der Krise interessiert sich die Öffentlichkeit auch für die Basis. Der Wiener, der seit 30 Jahren im Schweizer Schneesport tätig ist, ist sich dessen bewusst. «Wenn ich im Lotto gewinnen würde, würde ich selbst mehr tun», sagt Schulz überzeugt. Weil auch er sich nicht darauf verlassen kann, benennt er einen anderen Weg: «Die Schulen müssen mehr machen, sonst werden alle Bemühungen der Regionalverbände und Skiklubs nichts bringen.»