Dietikon

Nach seiner Augenoperation: «Ich habe dadurch gelernt, das Spiel anders zu sehen»

Simon Schelling mit Trikots aus seinen vier Stationen im Handball.

Simon Schelling mit Trikots aus seinen vier Stationen im Handball.

Simon Schelling kehrt in die Heimat zurück, aber nur zum Wohnen – mit GC Amicitia will er Meister werden.

Simon Schelling lächelt mit der Sonne um die Wette. Vor dem 21-Jährigen liegen vier Trikots. Sie repräsentieren die Stationen in seiner bisherigen Karriere als Handball-Torhüter: die Junioren-Nationalmannschaft, den HC Dietikon-Urdorf, die Lakers Stäfa und GC Amicitia.

Das älteste ist das rote mit dem alten Logo des HCDU. «Dort habe ich meine ersten Schritte als Handballer unternommen», erinnert sich Schelling.

Er war damals sieben Jahre alt und probierte Handball aus so wie viele andere Sportarten auch, unter anderem Leichtathletik. «Meine Mutter lief Marathons», erinnert sich Schelling. «Dadurch bin ich zur Leichtathletik gekommen und war Mitglied beim STV Dietikon.»

Irgendwann musste er sich entscheiden zwischen Leichtathletik und Handball – und wählte Letzteres. Warum? Schelling überlegt. «Es ist diese Vielseitigkeit», antwortet er. «Ein Kollege hat mal gesagt, Handball sei eine Art moderner Zehnkampf.

Damit hat er recht, denn Handball beinhaltet Beweglichkeit, Schnelligkeit, Kraft, aber auch Cleverness und Taktik.»

Und: Handball ist bekanntlich eine Teamsportart, wobei Schelling als Torhüter eine besondere Rolle innerhalb seiner Mannschaft einnimmt. «Wir, also der Goalietrainer, der zweite Torhüter und ich, sind sozusagen ein Team im Team», erklärt der Dietiker.

Und wie in jeder Sportart können auch im Handball die Torhüter zu Helden avancieren oder zu Buhmännern. Wobei Schelling zu bedenken gibt: «Als Goalie bist du der Letzte auf dem Feld, der ein Tor verhindern kann.»

Wie man das tut, weiss Schelling jedoch sehr gut. Gegen Gossau und Basel, gegen die er mit den Lakers Stäfa im Februar spielte, hatte er eine Abwehrquote von über 50 Prozent – ein sehr guter Wert.

Doch in der vergangenen Partie gegen GC Amicitia, seinen künftigen Verein, konnte er nach eigenen Aussagen nur sieben Paraden zeigen. «Wenn dann der Goalie auf der anderen Seite mit 15 Paraden glänzt», sagt Schelling, «kann das natürlich ein Faktor sein, der das Spiel mitentscheidet.»

Und dieser Faktor übe zusätzlichen Druck auf einen Torhüter aus. «Aber ich mag Druck», meint Schelling. «Denn wenn man Druck hat, hat man auch Verantwortung, und ich übernehme gerne Verantwortung.»

Heikle Augenoperation

Simon Schelling scheint jede Sekunde zu geniessen, die er in der Halle stehen und seinen Sport ausüben kann. Er weiss, dass das nicht selbstverständlich ist. Vor allem nicht nach seinem folgenschweren Unfall vor vier Jahren an der Junioren-Europameisterschaft in Bregenz.

«Mir flog ein Ball ins Gesicht», erinnert er sich. Er habe gemerkt, dass seine Sehleistung nachliess, und ging daraufhin zum Augenarzt. «Der sagte mir dann, ich müsse mich am nächsten Tag operieren lassen», erzählt Schelling. «Ich war völlig überrascht.»

Schellings Netzhaut hatte sich gelöst, zudem hatte sich sein Sehnerv entzündet. «Ich sah zu diesem Zeitpunkt nur noch etwa 15 Prozent», erinnert er sich. «Es wäre also durchaus möglich gewesen, dass ich mit dem Handballspielen hätte aufhören müssen. Da wurde mir erst bewusst, wie viel mir Handball bedeutet.»

Nach der Augenoperation begann Schelling mit einem Augentraining, das er heute noch absolviert. Etwas, das ihm auch für sein Spiel geholfen hat. «Ich habe dadurch gelernt, das Spiel anders zu sehen», sagt Schelling.

Eine Beeinträchtigung spürt der Torhüter nicht mehr.
Und so geht Schelling seinen Weg zum Profi weiter. Nächste Saison will der Hochbauzeichner seinen Beruf aufgeben, die Berufsmittelschule im Selbststudium absolvieren und sich sonst ganz dem Handball zuwenden. «Ich will den nächsten Schritt machen», sagt er.

Dazu spielt er ab nächster Saison für GC Amicitia. Für die Stadtzürcher hat er bereits vor seinem vierjährigen Engagement in Stäfa gespielt. «Ich kenne dort noch einige, unter anderem Torhüter Flavio Wick, der in Glanzenberg wohnt», sagt Schelling.

Vor dem Konkurrenzkampf mit der Nummer 2 im GC-Tor hat Schelling keine Angst, im Gegenteil: «Am Schluss geht es darum, dass wir uns gegenseitig zu Bestleistungen anspornen.»

Vorläufig hat Schelling für ein Jahr mit Option für ein zweites Jahr bei GC Amicitia unterschrieben, was bedeutet, dass er von Oetwil am See wieder zu seinen Eltern nach Dietikon ziehen wird.

Und dann? Schelling lässt sich alle Optionen offen. «Mein Traum wäre es, eines Tages mal in Skandinavien zu spielen», schwärmt er. Und er hat noch mehr Ziele: in den nächsten fünf Jahren unter die Top-3 der Schweizer Goalies zu kommen und um den Schweizer-Meister-Titel zu spielen.

Vorerst aber gilt seine Konzentration den Lakers, die momentan in der Abstiegsrunder der Nationalliga A Letzte sind. Mit ihnen will er den Ligaerhalt doch noch schaffen und sich damit den Abschied aus Stäfa versüssen.

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