Ironman
Nach dem Triumph in Zürich folgt Hawaii: «Einen solchen Knaller habe ich noch nie erlebt»

Der Ironman in Zürich sollte für den Urdorfer Jürg Mallepell als Standortbestimmung dienen. Nach dem Triumph wartet als Belohnung der Auftritt in Hawaii.

Michel Sutter
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Jürg Mallepell (rotes Shirt) triumphierte am Ironman in Zürich – als Belohnung geht es im Oktober nach Hawaii.

Jürg Mallepell (rotes Shirt) triumphierte am Ironman in Zürich – als Belohnung geht es im Oktober nach Hawaii.

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Gerade mal etwas mehr als eine Woche liegt der Zürcher Ironman zurück. Während sich andere Athletinnen und Athleten von den Strapazen des Triathlons erholen, beginnt einer schon wieder mit dem Training: Jürg Mallepell. Der Urdorfer bereitet sich auf das Abenteuer Ironman-Weltmeisterschaft auf Hawaii vor. «In den nächsten zwei Wochen werde ich längere Einheiten auf dem Rad und zu Fuss absolvieren, sozusagen lang und langsam», kündigt er an. «Dann beginne ich das Tempo zu steigern und die Distanzen zu verkürzen.» Dazwischen stehen noch Krafttraining und Schwimmen auf dem Trainingsplan.

Dass Mallepell sich dieses Jahr für die Ironman-Weltmeisterschaft qualifiziert hat, ist in Anbetracht der Umstände schon fast eine kleine Sensation. Denn der Athlet vom Tri Team Limmattal hat eine schwierige Zeit hinter sich. Nach einer Erkältung ist die Saison für ihn nicht nach Wunsch gelaufen. Und so hat sich der 62-Jährige, der den Ironman in Zürich eigentlich auslassen wollte, erst im letzten Moment für den Triathlon in der Limmatstadt angemeldet, um diesen sozusagen als Standortbestimmung zu nutzen.

«Ich hatte beim Ironman in Frankfurt, bei dem ich von der Erkältung immer noch handicapiert war, Probleme mit der Verpflegung», sagt Mallepell. «Nach dem Wechsel vom Rad auf die Laufstrecke fühlte ich mich unwohl, und ich hatte Mühe, mir die benötigten Kalorien zuzufügen.» Ein Umstand, der ihm nach dem Wettkampf zu denken gab und ihn seine Ernährung umstellen liess. «Ich wollte ein neues Ernährungskonzept unter Wettkampfbedingungen testen», sagt er. «Und Zürich bot sich dafür an: kurzer Anfahrtsweg, dazu noch eine neue Schwimm- und Laufstrecke und das 20-Jahre-Jubiläum – damit waren für mich genügend Anreize vorhanden, um teilzunehmen.»

Drei Mal der Schnellste

Einen Tag vor dem Wettkampf wusste der Urdorfer auch, wie er den Zürcher Triathlon bezüglich Ernährung in Angriff nehmen würde. «Nachdem ich mich ausführlich hatte beraten lassen, habe ich mich für fast nur noch flüssig entschieden», verrät er. «Auf dem Rad hatte ich noch Riegel und Gels bei mir, auf der Laufstrecke griff ich dann auf Salztabletten und eiskalte Coladrinks zurück.»

Eine solche Umstellung bedeutet natürlich ein Risiko. Doch es hat sich für Mallepell ausgezahlt. Schon bei der ersten Disziplin Schwimmen schaffte der Urdorfer die schnellste Zeit in seiner Alterskategorie M60-64. Auf dem Fahrrad geriet er in der ersten Runde zwar unter Druck, fand in der zweiten aber seinen Rhythmus und fuhr auch in dieser Disziplin als Erster seiner Alterskategorie durchs Ziel. Und da aller guten Dinge drei sind: Auch im Marathon wurde er Schnellster seiner Alterskategorie. Am Schluss hatte er den Triathlon in nicht mal elf Stunden geschafft. «Als ich durchs Ziel lief, sagte man mir, dass ich unter den ersten Drei sei», verrät er. «Ich erfuhr aber erst eine Stunde später, dass ich gewonnen hatte – meinen ersten echten Ironman, und das ausgerechnet in Zürich.» Und dann sei noch die Option Hawaii hinzugekommen: «Ich war echt überfordert.»

Auf Hawaii möchte Mallepell natürlich auch überzeugen. Zeit genug, um sich optimal vorzubereiten, hat er allemal. Der Ironman auf Hawaii findet erst im Oktober statt. Vorher wird Mallepell noch zwei Short-Wettkämpfe in Uster und Murten und einen halben Ironman in Locarno absolvieren. Und seinen Erfolg in Zürich auskosten, von dem er selbst jetzt noch verblüfft ist. «Unverhofft kommt zwar oft», sagt er. «Aber einen solchen Knaller im positiven Sinn habe ich noch nie erlebt. Aloha Hawaii, wir kommen.»