Die 38. Minute im Testspiel zwischen dem FC Dietikon und dem FC Zürich dürfte Marjan Jelec wohl noch lange in Erinnerung behalten. Der FC-Dietikon-Spieler stand bei der linken Aussenlinie ein paar Meter weit in der gegnerischen Hälfte, als er den Ball in Richtung Tor schlenzte. Ein netter Versuch, der aus dieser Distanz zum Scheitern verurteilt war – so schien es.

Doch dann wurde der Ball immer länger und konnte auch von FCZ-Goalie Yannick Brecher nicht abgefangen werden. Jelecs Ball senkte sich hinter Brecher genau ins Lattenkreuz, die Dietiker hatten ein Tor erzielt gegen diesen übermächtigen Gegner, und Jelec rannte strahlend zur anderen Aussenlinie, um sich feiern zu lassen.

Mehrheit fieberte mit Dietikon mit

1:4 stand es zu diesem Zeitpunkt aus Dietiker Sicht in der Partie, die am Mittwochabend in Zürich-Schwamendingen stattfand. «Auf unseren Plätzen in Dietikon hatte es zu stark geregnet», erklärte Dietikons Vizepräsident Peter Ardielli, «daher mussten wir aufs Heerenschürli ausweichen.» Dort regnete es allerdings auch – fast während des ganzen Spiels. Das Wetter mag ein Grund dafür gewesen sein, dass sich am Spielfeldrand gerade mal zwei Dutzend Zuschauer eingefunden haben, von denen die Mehrheit Dietikon die Daumen drückte.
Ein anderer war wohl, dass das Testspiel sehr kurzfristig anberaumt worden war. Der FCZ hatte einen Gegner gesucht, um den Spielern, die noch wenig oder gar nicht zum Einsatz gekommen waren, Spielpraxis zu geben. «Und diese Gelegenheit wollten wir uns nicht entgehen lassen», sagte Dietikons Trainer Goran Ivelj.

Entsprechend gross war die Vorfreude bei den Dietikern, die in der 2. Liga interregional spielen, auf den Kräftevergleich mit dem Challenge-League-Leader. Dieser war unter anderem mit Davide Chiumiento, Kay Voser, Adrian Winter oder auch Moussa Koné angetreten. «Unser Motto war, dieses Spiel zu geniessen», erklärte Ivelj hinterher. Und so spielten die Dietiker, von denen die meisten direkt von der Arbeit zur Partie gekommen waren, in der Anfangsphase frech auf und kamen durch Fabio Capone sogar zu einer richtig guten Torchance.

Je länger die Begegnung jedoch dauerte, desto mehr setzte sich die Klasse des Favoriten durch. Nach knapp einer Viertelstunde sorgte Koné für das 1:0 für die Stadtzürcher, kurz darauf schoss Winter das 2:0. Trotz des Doppelschlags war der FCZ nicht auf Ergebnisverwaltung aus, sondern stürmte weiterhin. Die Dietiker wehrten sich tapfer und bekamen bei gelungenen Abwehraktionen zwar Szenenapplaus, mussten sich am Ende dann aber doch deutlich geschlagen geben.

Eine spürbar andere Liga

Trotz der Kanterniederlage war Ivelj nach der Partie zufrieden. «Wir haben in den ersten 20 Minuten gut gespielt», befand er, «danach war der FCZ jedoch sehr effizient.» Immerhin war Iveljs Team der schönste Treffer des Abends gelungen: Jelecs Traumtor von der Seitenlinie. «Ein Kunstschuss», fand Ivelj. «Aber er hat die Technik, er kann so was.»
Und welche Schlüsse konnten Ivelj und seine Spieler aus dieser Partie ziehen? «Dass der Weg von unserer Liga zu den Profis sehr weit ist», sagte der Dietiker Trainer mit einem Augenzwinkern.