Motorsport
Nach Bruno Weibels grossem Triumph: Party in Birmensdorf

Gross war der Andrang am vergangenen Samstagabend im Birmensdorfer Industriequartier. Über 100 Gäste waren gekommen, um in der Schaffner-Racing-Garage Bruno Weibel und dessen Europameistertitel zu feiern, den er Ende Oktober gewonnen hat.

Michel Sutter
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Bruno Weibel mit seinem Lotus 20.

Bruno Weibel mit seinem Lotus 20.

Michel Sutter

„Mittlerweile habe ich realisiert, dass ich Europameister bin“, sagte Weibel. „Der heutige Abend wird ein schöner Abschluss der Saison sein.“ Einer Saison, die für Weibel eine Premiere war. Zum ersten Mal überhaupt war er in der Lurani Trophy des internationalen Automobilverbandes FIA mitgefahren und konnte gleich seinen ersten Europameistertitel feiern. Die FIA Lurani Trophy ist die offizielle Europameisterschaft der Formel Junior, in der die Fahrer in einsitzigen, offenen Rennwagen aus den 50er- und 60er-Jahren unterwegs sind.

Links Bruno Weibel und rechts Philippe Siffert.

Links Bruno Weibel und rechts Philippe Siffert.

Michel Sutter

Der Lotus 20, mit dem Weibel seine Rennen bestreitet, stammt ebenfalls aus den frühen 60er-Jahren. Und in ihm fährt auch ein Stück Schweizer Motorsportgeschichte mit. Denn mit exakt diesem Gefährt jagte einst Jo Siffert um die Kurven. Doch wie kam Weibel zu diesem legendären Auto? „Ein Kunde unseres Garagenbetriebs kam auf mich zu und sagte mir, er habe den Lotus 20 von Jo Siffert in Deutschland gefunden“, erzählte er. „Er bot mir an, mir den Wagen zu überlassen. Er stellte allerdings die Bedingung, dass das Auto an Rennen gefahren werden müsse.“ Weibel, der zuletzt vor fünf Jahren Rennen gefahren war und unbedingt wieder auf die Rennstrecke zurückkehren wollte, brauchte nicht lange, um zu überlegen: „So eine Gelegenheit muss man beim Schopf packen.“ Also nahm er das Angebot an und machte sich daran, den Wagen zu restaurieren. Drei Tage vor dem ersten Rennen wurde er fertig.

Was dann folgte, war Weibels triumphale Rückkehr in den Rennsport. Am ersten Rennwochenende in Hockenheim wurde er Zweiter, dann gewann er in Pau bereits erstmals in seiner Kategorie. Weitere Siege folgten – bis zum letzten Rennwochenende in Portimao in Portugal, das Weibel als Führender in der Wertung in Angriff nahm. Doch im ersten Rennen fiel er drei Runden vor Schluss aus und musste beim zweiten Rennen zusehen. „Ich hatte in der Nacht zuvor kaum geschlafen“, gab er zu. „Von der Tribüne aus zusehen zu müssen, war eine Vollkatastrophe, eine Achterbahnfahrt der Gefühle.“ Doch das Glück stand auf Weibels Seite: Sein ärgster Konkurrent erwischte einen schwachen Tag, und so konnte der Urdorfer am Ende ganz knapp die Serie für sich entscheiden – mit demselben Wagen, mit dem Jo Siffert seinerseits 1961 die Formel Junior gewonnen hatte.

Sohn von Jo Siffert in Birmensdorf

Mit seinem geschichtsträchtigen Fahrzeug sorgte Weibel aber nicht nur auf, sondern auch neben der Rennpiste für Aufsehen. In Pau wurde Philippe Siffert, Jo Sifferts Sohn, auf den Urdorfer und seinen Rennwagen aufmerksam. „Ich habe das Auto damals erstmals in roter Farbe gesehen“, sagte Siffert. „Und ich war überrascht, dass der Wagen in der Schweiz gelandet war.“ Siffert, der am Samstagabend ebenfalls in Birmensdorf mitfeierte, freute sich ganz besonders über Weibels Titel: „Es ist schön, dass Bruno damit Europameister geworden ist.“

Trotz des Titels: Ganz abgeschlossen ist die Saison für Weibel noch nicht. Im Februar wird ihm in Paris von der FIA nämlich offiziell der Pokal für seinen Triumph übergeben. „Und wenn ich den in den Händen halte“, sagt Weibel, „ist es endgültig vollbracht!“