Oberengstringen

Monika Seps verpasst Grossmeister-Norm knapp

Monika Seps (hier in Oberengstringen) hat ihr Arbeitspensum reduziert, um sich vermehrt dem Schach zu widmen.

Monika Seps (hier in Oberengstringen) hat ihr Arbeitspensum reduziert, um sich vermehrt dem Schach zu widmen.

Die Oberengstringer Schachspielerin Monika Seps gewinnt in Flims ihren fünften Schweizer Meistertitel bei den Frauen. Nach zwei Jahren Vollbeschäftigung arbeitet sie seit diesem Jahr im reduzierten Pensum und setzt verstärkt auf die Karte Schach.

Monika Seps wurde ihrer Favoritenrolle gerecht. An den Schweizer Einzelmeisterschaften in Flims sicherte sich die 26-jährige Oberengstringerin souverän und vorzeitig ihren fünften Schweizer Meistertitel der Frauen. Die studierte Neuroinformatikerin profitierte gleichwohl von der Abwesenheit der besten Schweizer Spielerin, Alexandra Kosteniuk. Die russisch-schweizerische Grossmeisterin und Titelverteidigerin spielte im Titelturnier der Männer mit. «Das stört mich gar nicht», sagt Monika Seps stolz, die Abwesenheit Kosteniuks mindere ihre Freude nicht. Auch wenn sie sich nur gegen zwei weitere Konkurrentinnen habe durchsetzen müssen, sei der fünfte Titel etwas Spezielles. Eine Teilnahme am höchsten Männerturnier würde auch die Limmattalerin reizen, «da ich aber nicht annähernd das Niveau dafür habe, erübrigt sich das Thema für mich», erklärt sie.

Da nur drei Schweizerinnen an der Frauenmeisterschaft teilnahmen, spielten diese ausser Konkurrenz im Hauptturnier mit, also auch gegen Männer. «Ich finde das super», kommentiert Monika Seps, so treffe sie auf starke Gegner und könne hochstehende Partien spielen. Ein gesondertes Frauenturnier gegen nur drei bis fünf Gegnerinnen wäre für sie nicht interessant. Den Grund für die geringe Teilnehmerinnenzahl sieht die Internationale Meisterin gewissermassen als Schweizer Phänomen. «Die Popularität des Schachsports ist in der Schweiz nicht so gross wie in den östlichen Ländern», sagt Seps. So gebe es relativ wenige Schweizerinnen, die Schach spielten und noch weniger auf hohem Niveau. Ausserdem hätten sich wohl einige entschieden, an anderen Turnieren teilzunehmen.»

«Das ist immer dieselbe Frage und es gibt keine richtige Erklärung dafür», antwortet die Unternehmensberaterin auf die Frage, weshalb im Schach überhaupt zwischen Männern und Frauen unterschieden werde. Frauen seien keineswegs limitierter als ihre männlichen Kollegen, «ich denke das liegt einfach an der Masse.» Im Moment befürworte sie die Frauenkategorie, es sei vor allem für die Popularität und Attraktivität des Schachsports gut. «Es ist schön und motivierend, wenn du als Frau ein Ziel ‹Schweizer Meisterin› hast.» Sollte sich die Anzahl Spielerinnen in Zukunft angleichen, so begrüsste Seps ein gemeinsames Turnier und gesteht: «In der Schweiz spiele ich eigentlich sowieso lieber gegen Männer.» Sie fügt an, es hätten auch schon einige Frauen, wie die ungarische Super-Grossmeisterin Judith Polgar, gezeigt, dass sie mit den besten Männern mithalten könnten. «Um vorne mitzumischen, muss sich aber das ganze Leben auf den Schachsport fokussieren», ergänzt Seps.

Nach zwei Jahren in Vollbeschäftigung arbeitet auch die Limmattalerin seit diesem Jahr im reduzierten Pensum und setzt wieder verstärkt auf die Karte Schach. Seither laufe es besser für sie, «ich kann wieder mehr trainieren und häufiger Turniere spielen», sagt Seps, was auch zum Meistertitel beigetragen habe. Ein anderes grosses Ziel hat Seps wegen einer einzigen Niederlage an der mehrtägigen Schweizer Meisterschaft knapp verpasst: «Es ist ärgerlich, ich war auf gutem Weg die Norm für die Frauen-Grossmeisterin zu schaffen», erklärt sie. Dieses Jahr bietet sich der Limmattalerin aber noch eine Möglichkeit, zur Grossmeisterin aufzusteigen. Ende August reist sie nach Istanbul an die 39. Schacholympiade. «Die Norm zu schaffen wäre schön – es wird sich zeigen, ob es klappt», sagt sie entspannt. Wichtig sei ihr, in erster Linie ein gutes Turnier zu spielen.

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