Unterwasser-Rugby
Mit Taktik coacht die Schlieremerin Elisa Mosler den USZ Zürich zum Erfolg

An der Trinations League in Zürich mischt mit Elisa Mosler eine Limmattalerin mit. Der Zürcher Unterwasser-Rugby-Klub brilliert bei der aussergewöhnlichen Sportart als Serienmeister.

Michel Sutter
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Unterwasser-Rugby
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Nicht ganz einfach, ein Tor in fünf Meter Tiefe zu erzielen.
Die Spielerinnen und Spieler sind professionell ausgerüstet.

Unterwasser-Rugby

Michel Sutter

Samstagmorgen, Hallenbad Oerlikon. Im Sprungbrettbecken sind die beiden Schiedsrichter mit ihren Sauerstoffflaschen abgetaucht, die Partie zwischen USZ Zürich und UWR Luzern kann beginnen. Die jeweils sechs Teammitglieder schwimmen einander entgegen und treffen sich in der Mitte des Beckens. Um den Ball, der im Gegensatz zum herkömmlichen Rugbyball rundlich und mit einer Salzlösung gefüllt ist, wird an der Wasseroberfläche gekämpft.

«Bei so was gibt es bei den Junioren zur Strafe Klimmzüge», ärgert sich Elisa Mosler. Die Schlieremerin, welche die Mannschaft des USZ sonst trainiert, sitzt einige Meter vom Geschehen entfernt bei den Zuschauern. Normalerweise wäre sie jetzt am Beckenrand, aber da sie schwanger ist, hat sie das Szepter ihren Co-Trainern übergeben und eine Pause eingelegt. Eigentlich beobachtet sie das Geschehen ganz entspannt, doch der Fight über Wasser bringt sie in Rage. «Es kostet extrem viel Energie und Luft, an der Wasseroberfläche um den Ball zu kämpfen», führt sie aus. «Mit solchen Aktionen zerstörst du die ganze Taktik eines Teams.»

Strategisch vorgehen

Taktik – diesen Begriff nimmt Mosler an diesem Morgen sehr oft in den Mund. Die Schlieremerin, die seit 18 Jahren Unterwasser-Rugby spielt und das USZ seit einem Jahr trainiert, legt grossen Wert darauf, dass ihre Schützlinge mit Strategie vorgehen. «Sonst kann man international nicht mithalten.» Da man den Ball ins das Tor auf dem fünf Meter tiefen Beckengrund bringen müsse, nutze reine Kraft nicht viel: «Man sollte nicht wie Arnold Schwarzenegger aussehen, denn wer mehr Muskeln hat, braucht auch mehr Luft», erklärt Mosler, was dann zu mehr Wechseln führt – im Unterwasser-Rugby wird fliegend gewechselt. «Es kommt auch auf die Schnelligkeit an, die Fähigkeit, unter Wasser bleiben zu können, und das Körpergewicht.»

Die Mischung machts, und das widerspiegelt sich auch bei den Spielerinnen und Spielern, die an diesem Tag für das USZ starten: dünne und eher korpulente, junge und ältere, kleine und grosse. Voraussetzungen bezüglich Körperbau gibt es beim Unterwasser-Rugby nicht. Und: Die Teams sind gemischt, Frauen und Männer spielen gemeinsam.

Was macht den Unterschied zwischen Mann und Frau im Unterwasser-Rugby aus? «Männer können sich bei Durchschnittsteams eher auf ihren körperlichen Voraussetzungen ausruhen», sagt Mosler, «während Frauen von Anfang an ein Interesse an Taktik haben müssen.» Im Kampf um den Ball nehmen sie jedoch keine Rücksicht aufeinander. «Körperkontakt – und das ist die einzige Gemeinsamkeit mit dem Rugby auf dem Feld – ist erlaubt», sagt Mosler. Die Spuren dieses Körperkontakts sind bei jenen Spielern, die aus dem Becken steigen, deutlich zu sehen. Da erstrecken sich zentimeterlange Striemen über den Rücken. Einige haben auch blaue Flecken. «Man kann auch ohne blaue Flecken auskommen», meint Mosler, «aber dann geht man nicht voll rein.» Trotz der deutlichen Kampfspuren: Ernste Verletzungen gäbe es so gut wie nie. «Ich kenne Spieler, die seit zehn Jahren verletzungsfrei spielen und in dieser Zeit Schweizermeister geworden sind», sagt Mosler.

Seit über 30 Jahren immer Meister geworden

Beim USZ Zürich gehört der Schweizermeistertitel fast schon zur Pflicht. Die Zürcher haben die Meisterschaft seit 1984 ununterbrochen gewonnen. Es gibt nur eine Liga in der Schweiz, und in dieser Liga spielen gerade mal drei Teams: neben Zürich auch Luzern und Basel, die ebenfalls an der Trinations League teilnehmen. Die Trinations League ist für die Schweizer Teams ein doppelter Wettbewerb: Einerseits konkurrenzieren sie mit Mannschaften aus Italien und Spanien, andererseits auch untereinander. Denn die Trinations League ist gleichzeitig auch die Schweizermeisterschaft.

Der USZ Zürich gewinnt gegen Luzern am Ende mit 9:3. Aber was noch wichtiger ist: Zürich schlägt auch Basel, wird wie erwartet Schweizermeister und darf im November nach Berlin an den Champions Cup reisen. In der Trinations League haben die Zürcher an diesem Wochenende den dritten Rang erreicht.