Pferdesport
Mit stoischer Ruhe in die Reithalle

Die Unterengstringerin Patricia Mingote kämpfte an den Dressurtagen um Punkte. Am Ende landen sie und Lolano im Mittelfeld auf Platz 18.

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Patricia Mingote mit Losano bei der Aufwärmrunde.

Patricia Mingote mit Losano bei der Aufwärmrunde.

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Plötzlich durchbricht ein lautes Wiehern die Stille. Fünf Pferde befinden sich an diesem Samstagmorgen auf dem Aussenplatz der Reitanlage Vogelsang in Birmensdorf. Sie traben gemächlich vor sich hin, bis sich eines der Pferde aufbäumt und lauthals protestiert. Die Reiterin redet auf den Rebellen ein. Dieses beruhigt sich nach kurzer Zeit wieder und trabt weiter.

Das kurze Intermezzo hat Lolano kalt gelassen. Der Schimmel hat in stoischer Ruhe einfach weiterhin seine Runden gedreht und das wiehernde Pferd gar nicht beachtet. Ob er realisiert, dass er sich für eine Prüfung im Rahmen der Dressurtage aufwärmt? «Er merkt es, sobald er in der Reithalle ist und die Glocke läutet», erklärt Patricia Mingote, Lolanos Reiterin. Die Glocke ist das akustische Startsignal für Pferd und Reiterin bzw. Reiter. Ab dann gilts.

Eine Viertelstunde zuvor. Es ist acht Uhr, eine halbe Stunde vor Wettkampfbeginn. Lolano steht neben seinem Anhänger, von Nervosität keine Spur. «Die Umgebung ist ihm vertraut, daher ist er nicht aufgeregt», erklärt Mingote. «Er spürt höchstens die Nervosität der Reiterin.»

Ganz so entspannt ist Lolano allerdings nicht immer. Auch er habe manchmal keine Lust, sagt Mingote. Und es gäbe Tage, an denen er nicht in Form sei. «Das spürt man als Reiterin», erklärt sie. Doch Mingote nimmt solche Situationen gelassen. Denn der Pferdesport gibt ihr viel zurück. «Es ist toll, wenn man mit dem Tier zusammen etwas erreichen kann», schwärmt sie.

Dann mustert sie Lolano mit einem prüfenden Blick. Vor zwei Stunden hat für beide der Tag begonnen. «Ich habe ihn gefüttert und geputzt», erklärt die Unterengstringerin. Zudem hat Mingote Lolanos Nackenhaare zu Zöpfchen zusammengeknotet. Die Erscheinung des Pferdes ist fast ebenso wichtig wie seine Leistung in der Reithalle.

Doch Mingote hat nicht nur ihr Pferd vorbereitet, sondern auch sich selbst. «Ich bin das ganze Programm mental nochmals durchgegangen», sagt sie. Dann wirft sie einen Blick in den Spiegel und erkundigt sich nach der Uhrzeit.

Es ist kurz nach acht Uhr. Zeit für die Aufwärmphase. Etwa eine halbe Stunde lang kann sich Lolano aufwärmen, bevor er der vierköpfigen Jury in der angrenzenden Reithalle zeigen muss, was er kann. Einfach wird es nicht werden, das ist sich Mingote bewusst. «Der Schwierigkeitsgrad ist etwas höher als das, was er sich gewohnt ist», sagt sie.

Dann gilt es ernst. Mingote und Lolano betreten die Reithalle. Erst präsentieren sich beide der Jury, bevor das Programm startet. Lolano läuft Achterlinien, einmal im Trab, einmal im Galopp. Lolanos Bewegungen sind flüssig, er scheint genau zu wissen, was er zu tun hat. Doch darauf kommt es nicht an. «Entscheidend ist die Haltung», erklärt Sandra Meier, OK-Präsidentin der Dressurtage, die vom Kavallerieverein Limmattal organisiert werden. «Auch die Übergänge vom Trab in den Galopp sind wichtig. Und wenn das Pferd im Rahmen der Prüfung stehenbleiben muss, dann muss es in dieser Position verharren, sonst gibt es Abzug.» So wie bei ihrem Schüler Gerd Maier aus Oetwil an der Limmat. Sein Rappe bewegt sich leicht, als es eigentlich stehen bleiben sollte. Den Rest der nur wenige Minuten dauernden Prüfung absolviert er aber gut. Maier holt sich als bester Limmattaler in der Kategorie GA 5/40 den neunten Rang.

Mingote hingegen hat am Ende der Prüfung ein zwiespältiges Gefühl. «Das war sicher keine Glanzleistung», meint und lacht. «Wir hatten den einen oder anderen Patzer drin.» Sie sollte Recht behalten. Am Ende landen sie und Lolano im Mittelfeld auf Platz 18. Doch Mingote nimmt es gelassen. Und Lolano sowieso.