Leichtathletik
Mit Spass gegen die Erinnerung: Steven Gugerli vor der Saison

Der morgige Hallenwettkampf in Wettingen ist für die Sprinter der Startschuss zur Vorbereitung auf die erste Freiluftsaison nach den Heim-Europameisterschaften in Zürich.

Raphael Biermayr
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Steven Gugerli (links), Rolf Malcolm Fongue (mitte) und Pin Wanheab (rechts, BTV Aarau LA) 2013 in Wettingen.

Steven Gugerli (links), Rolf Malcolm Fongue (mitte) und Pin Wanheab (rechts, BTV Aarau LA) 2013 in Wettingen.

Christian Boss/ Archiv

Die Europameisterschaften in Zürich vom vergangenen Jahr hielten den Leichtathletikverband und die Athleten über Jahre hinweg in Atem: Das grosse Ziel war stets klar. Einige waren auf den Tag X hin zu Bestleistungen fähig, die meisten jedoch nicht. Das Gute an der Leichtathletik ist die Tatsache, dass es dank des Zwei-Jahres-Rhythmus von WM und EM sowie den Olympischen Spielen bald eine neue Chance gibt, sich an einem Grossereignis zu beweisen. Dieses Jahr sind die Weltmeisterschaften in Peking der Höhepunkt.

Die Welttitelkämpfe sind auch für die vier Limmattaler Topsprinter Amaru Schenkel, Rolf Malcolm Fongué (beide Dietikon), Steven Gugerli (Urdorf) und Suganthan Somasundaram (Unterengstringen) das Ziel. Geht es nach dem Urdorfer Gugerli, sind sie eine von drei grossen Etappen. Der 29-Jährige strebt darüber hinaus die Teilnahme an den Hallen-EM im März an sowie den Start an den Militär-Weltmeisterschaften Anfang Oktober – der 29-Jährige ist zum Sportsoldaten umgeteilt worden.

Kapitel ist abgeschlossen

Für Gugerli hatte die Hallensaison immer eine grössere Bedeutung als für die meisten anderen Schweizer Sprinter. Er steht morgen in Wettingen am Start, um sich am Tägi-Meeting über 50 Meter zu messen. Die Heim-EM im vergangenen Sommer verliefen bitter für Gugerli: Er figurierte im Aufgebot der Staffel über 4 x 100 Meter, musste schliesslich aber infolge Krankheit passen. Trübsal blies die Frohnatur aber nicht lang. Das Kapitel ist abgeschlossen, in den letzten Wochen hat er «neuen Hunger» in sich und seinen Sprintkollegen ausgemacht. Der Urdorfer erwartet von sich selbst «die beste Hallensaison ever». Die braucht er auch, soll es mit der Reise nach Tschechien klappen: Seine Bestzeit von 6,73 Sekunden aus dem Jahr 2013 liegt drei Hundertstelsekunden über der Limite.

Just die geforderten 6,70 Sekunden lief im vergangenen Jahr der Dietiker Amaru Schenkel. Er fehlt heute und ist noch im Unklaren darüber, wie seine Hallensaison aussehen wird. Der 26-Jährige ist infolge einer Leistenoperation später in die Vorbereitung eingestiegen. Er verbesserte – wie auch Suganthan Somasundaram – mit der Staffel an der EM den Schweizer Rekord und lief um eine Medaille.

Im Loch

Dennoch war Schenkel nicht zufrieden, weil er als Einzelstarter bereits nach dem Vorlauf ausgeschieden war. Im Anschluss an die EM deutete er Rücktrittsgedanken an. Heute bestätigt er derlei Überlegungen und wählt zur Schilderung gewohnt starke Bilder: «Ich war in tiefer Dunkelheit, lange Zeit hat kein Lichtschein sie durchdrängt.»

Er habe sich in den vergangenen Monaten von neuem vergegenwärtigt, warum er Leistungssport betreibt. «Der Spass ist ein wesentlicher Punkt», erkannte er, «er soll in dieser Saison wieder im Vordergrund stehen.» Zur Lockerheit soll das Wissen beitragen, dass seine Zukunft nicht mehr allein auf der Bahn und im Kraftraum liegt: Ab Oktober strebt Schenkel den Bachelor-Abschluss in Marketing an.