Aleksandar Petrovic muss sich wie im falschen Film vorgekommen sein: In der Saison 2011/2012 hatte er vor dem letzten Spieltag der 3. Liga als führender der Torjäger-Liste drei Tore mehr auf dem Konto als sein erster Verfolger, Schlieren-Stürmer Emanuele Preite.

Nach zwei weiteren Treffern in der Schlussrunde schien Petrovic im Rennen um die Limmattaler Torschützenkrone wie der sichere Sieger. Doch Preite netzte parallel gegen Oetwil-Geroldswil beim 8:0-Heimsieg gleich sechs mal ein, und überholte seinen Widersacher buchstäblich in letzter Sekunde.

Zweieinhalb Jahre später blickt der damalige Pechvogel mehr belustigt als frustriert auf den 17. Juni 2012 zurück. «Als mir unser Präsident gesagt hat, dass Preite sechs Tore erzielt hat, konnte ich es im ersten Moment nicht so richtig glauben», so Petrovic und zeigt sich postwendend als fairen Sportsmann: «Aber Emanuele ist ein super Stürmer, er hat sich diesen Preis auf jeden Fall verdient.» Sowieso glaubt man es dem Torjäger, wenn er sagt: «Ich habe es damals gesagt und bleibe weiterhin dabei: Mir ist egal, wer die Tore schiesst, wichtig ist einzig und allein der Sieg.»

Unerhofft schwerer Start für Birmensdorf

Demzufolge ist der in Engstringen wohnhafte Serbe, auch wenn er mit 15 «Buden» wieder Leader in der regionalen Torschützenwertung ist, mit der Hinrunde alles andere als zufrieden: «Weil wir als haushoher Favorit galten, haben alle Gegner gegen uns 200 Prozent Einsatz gegeben. Ausserdem hatten wir einige Wechsel im Kader, weshalb wir uns wieder etwas mehr einspielen mussten.» Petrovic glaubt aber trotz des Sechs-Punkte-Rückstandes auf Leader Oetwil-Geroldswil weiterhin an den angepeilten Aufstieg. Allgemein entwickle sich der Verein in eine positive Richtung, wie er findet.

Den Aufstieg hätte sich mittlerweile kaum ein Spieler mehr verdient als Petrovic. 2007 migrierte der heute 29-Jährige zu seiner Familie in die Schweiz. Obwohl er sein Leben lang immer Fussball gespielt hat, kümmerte sich der Neuankömmling zuerst darum, sich in seiner neuen Heimat zurecht zu finden und lernte schnell Deutsch. Zwei Jahren nach seinem Umzug und zwei kurzen Abstechern in der 4. Liga wechselte Petrovic zum FC Birmensdorf, wo er nun seine sechste Saison bestreitet.

Kein offenes Ohr für Angebote

Auf den Verein ist der mittlerweile dienstälteste Spieler der Limmattaler durch zwei Kollegen aufmerksam geworden. Seither hat Petrovic zwei Trainer- und unzählige Spielerwechsel mitgemacht. Dennoch gab es für ihn nie einen Grund, den Verein zu verlassen. «Mit Dani Margreth, Antonio Caputo und jetzt Fabio Stiz hatten wir immer super Trainer. Dazu bin ich mit allen Mitspielern immer gut ausgekommen», nennt der Logistiker die Hauptgründe.

So lehnte der Stürmer vor zwei Jahren unter anderem ein Angebot des FC Dietikon - damals noch 2. Liga inter - ab, ohne es sich überhaupt anzuhören. «Bei Birmensdorf habe ich alles, was ich brauche. Wieso sollte ich mir ein anderes Angebot anhören?», meint Petrovic dazu achselzuckend.

Eine Ansicht, die natürlich auch sein Trainer freut: «Aleksandar ist mit seinen Qualitäten unglaublich wichtig für die Mannschaft. Er ist ein stetiger Unruheherd für den Gegner.» Stiz wäre aber nicht Stiz, wenn er nicht noch anfügen würde: «Wäre Aleks aber etwas kaltblütiger vor dem Tor, hätte er 30 statt 15 Treffer auf seinem Konto.»

Dieser Aussage pflichtet Stiz’ bescheidener Schützling fast schon demütig bei, was die gegnerischen Abwehrreihen kaum beruhigen dürfte und Petrovic auch persönlich für seine Treue belohnen würde.

Der anfängliche Favorit kämpft sich durch

Nach dem epischen Aufstiegsrennen gegen Schlieren in der Vorsaison ist Birmensdorf als klarer Favorit in die Meisterschaft gestartet. Platz vier zur Winterpause und sechs Punkte Rückstand auf Leader Oetwil-Geroldswil ist somit klar unter den Erwartungen der Limmattaler. Nach 11 gespielten Partien wurden bereits mehr Punkte abgegeben, als in der kompletten vergangenen Spielzeit.

Für Coach Fabio Stiz liegt dies – neben der fast schon obligaten, langen Verletztenliste – auch an der höheren Qualität der Gegner. Trotzdem glaubt der Birmensdorfer Übungsleiter weiterhin an eine Promotion. Dabei weiss Stiz noch nicht, ob er das Team auf die Rückrunde hin verstärken will. «Wenn alle Spieler fit sind, haben wir eigentlich bei weitem genug Qualität für den Aufstieg», so der ehrgeizige Trainer des FC Birmensdorf.