Natürlich möchte Sead Hajrovic Karriere machen. Aber nicht um jeden Preis. «Die Laufbahn meines Bruders Izet ist mir genauso wichtig wie die eigene», sagt der 20-Jährige. Tatsächlich? «Das sind keine leeren Worte», doppelt er nach. «Izet ist der wichtigste Mensch in meinem Leben. Dass sein Transfer von GC zu Galatasaray Istanbul geklappt hat, ist grossartig. Ich bin überzeugt, dass Izet sich beim türkischen Grossklub durchsetzen wird. Ich werde ihn so bald wie möglich besuchen.»

Sead Hajrovic’ Augen leuchten. Dass er momentan im Schatten seines um zwei Jahre älteren Bruders steht, stört ihn nicht. Im Gegenteil. Bezüglich seiner sportlichen Zukunft übt er sich in Geduld. «Wenn ich weiter hart arbeite, werde ich früher oder später den gleichen Weg wie Izet gehen», schaut er optimistisch in die Zukunft. «Ich habe bei GC einen Vertrag bis 2015. In dieser Zeit will ich möglichst viel Spielpraxis sammeln und besser werden.»

Einfach wirds für den 1.85 Meter grossen und 80 Kilogramm schweren Innenverteidiger in dieser Saison allerdings nicht. Die Konkurrenz bei den Zürchern ist gross: Mit Stéphane Grichting, Michael Dingsdag und dem neu verpflichteten Sanel Jahic hat er im Kampf um die zwei Plätze in der zentralen Abwehrreihe gleich drei Konkurrenten.

Revanche gegen Basel

Am Sonntag im Heimspiel gegen den FC Basel wird er aller Voraussicht nach auf der Ersatzbank Platz nehmen. Nach GCs 5:1-Erfolg in St. Gallen ist die Ausgangslage im Duell der Spitzenklubs offen. «Gegen den Meister müssen wir uns für die bittere 1:2-Niederlage im letzten Heimspiel gegen den FC Aarau rehabilitieren. Die Fans erwarten eine Reaktion», hält Hajrovic fest. «Mit einem Sieg könnten wir bis auf drei Punkte an den Leader herankommen. Diese Chance müssen wir einfach nützen.»

Dass Sead Hajrovic über Talent verfügt, beweist die Tatsache, dass ihn der Premier-League-Klub FC Arsenal als 16-Jähriger unter Vertrag genommen hat. In der Nachwuchsakademie des Londoner Klubs machte der junge Mann Fortschritte.

Keine Wertschätzung des Verbandes

Ab 2008 kam der Verteidiger zu Einsätzen in den Schweizer Juniorenauswahlen. Höhepunkt der bisherigen internationalen Karriere war der WM-Titel 2009 mit der U17 in Nigeria. Nach sechs Einsätzen in der U19 nahmen die Höhenflüge mit den Schweizer Talentteams aber ein abruptes Ende. Zuletzt spielte Sead Hajrovic dreimal für die U21 von Bosnien-Herzegowina. «Das hat einen einfachen Grund», erklärt er. «Ich war während Jahren Stammspieler in den Schweizer Juniorenauswahlen. Von einem Moment auf den andern hörte ich vom Verband nichts mehr. Ich wurde nicht mehr aufgeboten.»

Hajrovic ist über diese Entwicklung sichtlich enttäuscht und fügt hinzu: «Ich hätte gerne die Gründe erfahren. Schliesslich hatte ich mit den Nationalteams schöne Erlebnisse hatte. Und zu dieser Zeit spielte ich bei Arsenal in der zweiten Mannschaft, war Captain und trainierte mit dem Fanionteam unter der Führung von Trainer Arsène Wenger. Diese mangelnde Wertschätzung führte dazu, dass ich nun für Bosnien-Herzegowina spiele.»

Stolze Eltern

Trotz des Sinneswandels bezüglich Nationalmannschaften fühlt sich Sead Hajrovic als Schweizer. Einfach deshalb, weil er im aargauischen Birr aufgewachsen ist und dort die Primar- und Bezirksschule besucht hat. Heute wohnt Sead bei seinen Eltern in Hausen. Vater Safet ist Lastwagen-Chauffeur, Mutter Zilka gelernte Krankenschwester. Sie arbeitet momentan als Kellnerin. Safet und Zilka sind stolz auf ihre Söhne. Für die Zwei ist klar, dass nach Offensivkünstler Izet auch der mehr fürs Grobe zuständige Sead seinen Weg machen und eines Tages mit ein wenig Glück bei einem Grossklub landen wird.