Fussball
Mauro Fulginei will Präsident in Schlieren werden

Beim FC Schlieren kündigt sich auf dem Präsidentenposten ein Generationenwechsel an. Der 35-jährige Mauro Fulginei stellt sich am kommenden Freitag zur Präsidenten-Wahl. Gleichentags lädt der FC Dietikon zur GV, der FC Urdorf bereits am Donnerstag.

Raphael Biermayr
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Für Mauro Fulginei soll der Stil seiner Präsidentschaft ein Spiegelbild seiner leitenden Funktion in der Privatwirtschaft sein.bier

Für Mauro Fulginei soll der Stil seiner Präsidentschaft ein Spiegelbild seiner leitenden Funktion in der Privatwirtschaft sein.bier

Steven Meier steht für das Extrem. Im Alter von 24 Jahren wurde der kräftige Spieler der zweiten Mannschaft zum Präsidenten des FC Oetwil-Geroldswil gewählt. Meier stand im Jahr 2010 am Anfang einer Entwicklung, die den Limmattaler Fussball erfasst hat: An der Vereinsspitze stehen nicht mehr gesetztere Männer, die im Falle eines Engpasses die Privatschatulle öffnen. Sondern junge Menschen mit einem anderen Blick auf die Dinge. 2012 löst im FC Birmensdorf der damals 35-jährige Roger Gemperle den langjährigen Präsidenten Dieter Müller ab.

Freitag ist der Tag der Wahrheit

Am kommenden Freitag steht der nächste Generationenwechsel bevor: Mauro Fulginei (35) stellt sich den Stimmberechtigten des FC Schlieren zur Wahl als Nachfolger von Hebi Wetzel (58).

Fulginei kehrt damit mit einem Paukenschlag zurück in seinen Stammverein. Diesen hatte der damalige Captain der ersten Mannschaft 2008 nach Auseinandersetzungen mit Trainer Roger Hummel verlassen. In der Folge spielte er bis 2011 in der zweiten Mannschaft für Red Star, woraufhin er seine Aktivkarriere beendete. Nun überlegt sich Fulginei ein Comeback bei den Schlieremer Reserven, wo einige seiner künftigen Vorstands-Mitstreiter spielen (siehe Box).

Mehr Schultern für die Aufgaben

Über all die Jahre war Fulginei dem FCS über den Business Club treu geblieben. Er ist Inhaber eines in Schlieren ansässigen Gebäudebewirtschaftungsunternehmens mit über 100 Mitarbeitern. Fulgineis Art in leitender Funktion in der Privatwirtschaft soll auch in seiner Art als Vereinspräsident zu sehen sein. «Ich bin der Überzeugung, dass ein Vorstand wie ein Betrieb geführt werden soll», sagt er.

Das bedeute vor allem: klare Verantwortlichkeiten, verteilt auf mehrere Schultern. Um den Kernvorstand herum würden deshalb zahlreiche Funktionäre für spezifische Chargen zuständig sein.

«Früher haben wir die belächelt»

Der ledige Fulginei weiss, dass er einen zeitintensiven Posten antritt, den ihm kaum jemand neidet. «Als Spieler haben auch wir die belächelt, die in den Vorstand wollten», erinnert er sich. Heute sieht er die Position als Herausforderung und Ehre: «Man ist hier immerhin Präsident über einen Verein mit 600 Mitgliedern – so eine Chance gibt es nicht oft im Leben.»

Auf die Frage, wie lange er das Amt ausüben will, antwortet der Fan des FC Zürich: «Jemand sagte zu mir: ‹So etwas kaufst du für zehn Jahre.› Ich kann jetzt noch nicht sagen, ob das stimmt.»

Hebi Wetzel spekulierte schon im vergangenen Jahr, seine Aufgaben an Fulginei abzutreten. «Doch es war zu kurzfristig damals», erinnert er sich. So blieb ihm genügend Zeit, den voraussichtlichen Nachfolger (eine Kampfwahl zeichnet sich nicht ab) einzuarbeiten.

Wetzel, der schon von 1986 bis 1990 Präsident des FCS war und dieses Amt seit 2008 wieder bekleidet, kann sich auch in Zukunft keine dritte Amtszeit vorstellen. «Es ist Zeit für Neues», hält er fest. Als OK-Chef für den Auftritt am Schlierefäscht 2015 dürfte ihm nach seinem Rücktritt nicht langweilig werden.

Sandro Agosti bleibt Präsident

In den kommenden Tagen amten neben den Schlieremern auch die Mitglieder des FC Dietikon (am Freitag) und des FC Urdorf (am Donnerstag). Während Thomi Roth (47), der seit 2008 die Geschicke des Vereins im Bezirkshauptort leitet, sich nicht mit Rücktrittsgedanken herumschlägt, sieht das bei den «Stieren» anders aus. Sandro Agosti (46) machte in den letzten Jahren keinen Hehl aus seinem Wunsch, einen Nachfolger zu finden.

Im vergangenen Jahr wollte er eigentlich schon ernst machen. Weil damals aber bereits der langjährige Finanzchef Markus Tanner zurücktrat, wollte Agosti das aus seiner Sicht fragile Gebilde nicht noch zusätzlich schwächen. Und auch dieses Jahr ist nicht Schluss, sagt der dienstälteste Fussballpräsident der Region (seit 2002). Das neue Gremium habe sich zuerst einspielen müssen.

Darüber hinaus war Agosti als Sportchef in der ersten Mannschaft gefordert, die 2013 nach vier 2.-Liga-Saisons abstieg. Der pflichtbewusste Agosti ist letztlich auch nicht der Typ, der sagt: «Morgen bin ich weg, ihr könnt die Unterlagen bei mir abholen.»

Keine Hindernisse ab 2015

2015 dürfe es aber keine Hindernisse mehr geben. «Dann werde ich an meinen Nachfolger übergeben, auf dessen Suche ich meine Konzentration in diesem Jahr legen kann.» Einen wie Mauro Fulginei würde der zweifache Vater mit Handkuss nehmen. «Wir haben bei den Senioren ja auch den einen oder anderen potenziellen Kandidaten», sagt Agosti. Ein Wink mit dem Zaunpfahl.

In den FC Engstringen und Uitikon sind mit Reto Keller (50) beziehungsweise Daniel Wallner (44) die Präsidenten erst seit September 2012 respektive September 2013 im Amt und bleiben das auf weiteres.