Dietikon
Martina Mader als einzige Frau im Team: «Wasserball ist eine Kampfsportart»

Martina Mader, die einzige Frau im Team des Wassersportclubs Dietikon, hat gelernt, sich durchzusetzen.

Michel Sutter
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Martina Mader setzt sich mit dem Ball gegen Christian Fritschi durch.

Martina Mader setzt sich mit dem Ball gegen Christian Fritschi durch.

Michel Sutter

«Konzentriert euch!», ruft Christian Fritschi energisch. Er leitet die Trainingseinheit der Wasserballer vom Wassersportclub Dietikon an diesem Abend im Hallenbad Fondli und ist sichtlich erbost darüber, dass die eine Hälfte des Teams, die eigentlich im Angriff ist und ein Tor erzielen sollte, den Ball minutenlang schlicht nicht im Netz unterbringen kann. Alle schwimmen zurück auf ihre angestammte Position. Dann wird der Spielzug nochmals geübt.
Mit dabei ist auch Martina Mader. Die Spreitenbacherin, die ursprünglich aus Wien stammt, ist die einzige Frau in der Mannschaft. «Ich habe schon in Damenligen in Österreich gespielt», erzählt sie. «Aber ich spiele lieber mit Jungs. Es ist anders, gegen Männer zu spielen. Nicht fairer oder unfairer, einfach anders.» Zudem findet sie gemischte Mannschaften spannender.

Zum Wasserball ist Mader, die seit fünfeinhalb Jahren für Dietikon spielt, bei einem Universitätsaufenthalt in den USA gekommen. Damals war sie 24 Jahre alt. «Dort habe ich zuerst die Swimming Class besucht», erinnert sie sich. «Doch es gab dort auch Wasserball,
also habe ich damit angefangen.» Wasserball, sagt Mader unumwunden, sei eine Kampfsportart. «Klar, es ist auch eine sehr taktische Sportart, aber man ist sehr nahe beieinander und kämpft um den Ball.» Schlimme Verletzungen gäbe es aber keine.

Gerade Maders Position als Center Defense, also als zentrale Verteidigerin vor dem Tor, erfordert körperliche Präsenz. Ist sie als filigrane Frau den teilweise sehr robusten männlichen Spielern körperlich nicht unterlegen? «Das kommt drauf an», meint sie. «Ich spiele eher meine Länge und meine Schnelligkeit aus.» Nehmen denn die Männer Rücksicht, wenn sie gegen eine Frau spielen? «Nein, überhaupt nicht», sagt Mader. «Aber es gibt halt überall dreckige Spieler, sagen wir es mal so.» Manche Gegenspieler würden auch den einen oder anderen Machospruch von sich geben. Doch Mader hat gelernt, damit umzugehen. «So etwas motiviert mich nur zusätzlich», sagt sie und lächelt.

Grosses Altersspektrum

Mader ist mit ihren 39 Jahren eine der Älteren beim Wassersportclub Dietikon und gibt jungen Spielern schon mal den einen oder anderen Tipp. Doch auch jüngere Spieler verfügen über viel Erfahrung. Zum Beispiel der Schlieremer Roberto Barbieri. Der 23-Jährige spielt Wasserball, seit er 15 ist, und zwar fast immer für Dietikon. Zuvor war er begeisterter Schwimmer. «Aber das wurde mir dann zu monoton», erklärt er. «Und Wasserball ist halt spannender, als nur zu schwimmen. Zudem ist es eine Teamsportart, und man muss taktisch spielen.»
Barbieri, der auf der Flügelposition spielt, mag beim Wasserball vor allem, dass es um Tempo geht. «Man muss schnell schwimmen, um den Gegner abzuhängen», sagt er. Erst recht, wenn es um einen Angriff geht. Denn die Wasserballer haben gerade mal 30 Sekunden Zeit, den Ball im Tor unterzubringen.

Tore erzielt die Dietiker Wasserballmannschaft in dieser Saison leider noch zu wenige. Bisher hat sie noch kein Spiel gewinnen können. «Aber wir haben gegen starke Gegner gut gespielt», gibt Barbieri zu bedenken. «So gesehen können wir mit dem Saisonverlauf zufrieden sein.» Zudem dürfe man nicht vergessen, dass einige Leistungsträger auf die neue Saison hin gegangen seien. «Ja, diejenigen mit höheren Ambitionen haben den Verein verlassen», bestätigt Mader. «Bei uns ist halt die Möglichkeit, in der Nationalliga B zu spielen, bei zwei Trainings pro Woche nicht gegeben.» Aber das sei auch gar nicht das Ziel des Vereins. «Wir wollen einfach in der 1. Liga bleiben», sagt Barbieri.

Wie gross der Wille für den Ligaerhalt ist, können Barbieri, Mader und ihre Teamkollegen am 30. Mai beweisen. Dann spielen sie im Hallenbad Fondli gegen Schaffhausen.