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Marco Schönbächler vom FC Zürich hat das «L» endgültig abmontiert

Der Urdorfer Marco Schönbächler ist der grosse Gewinner des Trainerwechsels beim FC Zürich. Mittlerweile unter Urs Meier zum Stammspieler gereift, musste er sich bei Vorgänger Rolf Fringer meist mit der Ersatzbank begnügen.

Rainer Sommerhalder
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Marco Schönbächler, hier im Cup gegen Wils Torhüter Zotti, geht nun auch dorthin, wo es wehtut. EQ Images

Marco Schönbächler, hier im Cup gegen Wils Torhüter Zotti, geht nun auch dorthin, wo es wehtut. EQ Images

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Der grosse Gewinner des Trainerwechsels beim FC Zürich heisst Marco Schönbächler. Der Urdorfer sass bei Rolf Fringer meistens auf der Ersatzbank und ist bei Urs Meier Stammspieler. In allen vier Pflichtspielen in diesem Jahr stand der 23-Jährige in der Startelf. Am Mittwoch im Schweizer Cup durfte er gar 120 Minuten lang ran und schoss nach längerer Durststrecke auch ein Tor. «Ich habe im Trainingslager in der Türkei alles gegeben, um meine Chance zu nutzen», sagt Schönbächler dazu. «Man kann ihm als Trainer den Weg nur zeigen, beschreiten muss er ihn schon selber», sagt Trainer Meier.

Begonnen hat alles im letzten Herbst, als Rolf Fringer seinen talentierten, auf dem Feld oft fragil wirkenden Mittelfeldspieler für ungenügenden Trainingsfleiss mit der Verbannung in die U21-Equipe abstrafte. Dort traf Marco Schönbächler einmal mehr auf Urs Meier. Die beiden kennen sich aus mehreren gemeinsamen Jahren in Zürichs Nachwuchsmannschaften. «Seine Qualitäten sind unbestritten», sagt Meier, «Marco hat eine ausgezeichnete Technik, ist mit dem Ball am Fuss unglaublich schnell. Sein Spiel sieht sehr elegant aus.»

Aber da gab es auch die Kehrseite der Medaille. Typisch für Marco Schönbächler war oft auch die mangelnde Qualität im Spiel ohne Ball. «Da muss viel mehr Widerstand von ihm kommen, wenn der Gegner im Ballbesitz ist», wie es Meier ausdrückt. «Auch ein offensiver Mittelfeldspieler muss defensiv mitarbeiten und auf dem Feld dorthin gehen, wo es wehtut.» Das tat Schönbächler selten, zu selten.

Letztlich war es eine Sache des Kopfes. Schönbächler, der bereits als 16-Jähriger in der Super League debütierte, hatte beim FCZ lange das «L» auf der Stirn. «Wenn du als ehemaliger Lehrling in der gleichen Firma bleibst, musst du an der Wahrnehmung arbeiten, damit du nicht auf ewig der Lehrling bleibst», sagt Meier. «Marco hat auf eine positive Art auf die Verbannung in den Nachwuchs reagiert, es war aber auch seine letzte Chance, es beim FCZ noch zu packen». Der erfahrene Ausbildner hat sich den «Schönspieler» damals im Spätherbst zur Brust genommen. Einen Monat später war Meier Trainer in der Super League, drei Monate später Schönbächler Stammspieler beim FCZ.

«Er hat immer an mich geglaubt», sagt Schönbächler, dem das Vertrauen des Trainers sichtlich gut tut. Er ist auch körperlich in hervorragender Verfassung, staunte zuletzt am Mittwoch selber darüber, dass er 120 Minuten lang Vollgas geben konnte. «Gefehlt hat mir bis zum Spiel in Wil einfach Zählbares. Ein offensiver Mittelfeldspieler muss auch mal etwas Entscheidendes machen», sagt der Urdorfer. Im Schweizer Cup war er sowohl Torschütze wie Passgeber. «Stammspieler zu sein, ist ein grosser Unterschied. Du hast viel mehr Zeit und kannst mehr Risiken eingehen.»

Noch ist Marco Schönbächler als FCZ-Leistungsträger ein zartes Pflänzchen. «Er muss weiter hart an seiner Wahrnehmung arbeiten», fordert Urs Meier, «und nichts als selbstverständlich ansehen.» Es sei für ihn derzeit aber wichtig, einmal auf der positiven Seite zu stehen – zu sehen, was passiert, wenn man mit Leidenschaft spielt, wenn man kämpft, wenn man über seine Grenzen geht. Auf der negativen Seite habe das FCZ-Eigengewächs in den letzten Jahren schliesslich genügend Erfahrungen gesammelt. «Vielleicht ist tatsächlich der Moment gekommen, wo es bei Marco «Klick» gemacht hat. Darauf hofft man auch als Trainer», sagt Urs Meier. Manchmal jahrelang.

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