Interview
Marco Schönbächler, sind Sie ein arroganter Schnösel?

Der 22-jährige Urdorfer Marco Schönbächler spricht über sich und seine ereignisreiche Saison beim FCZ, wo er nach zuerst in den Nachwuchs verbannt wurde und dann als Torschütze zurück in die Startformation kam.

Rainer Sommerhalder
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Fühlt sich wohl in Urdorf: Marco Schönbächler, hier im Schwanen Pub. rs

Fühlt sich wohl in Urdorf: Marco Schönbächler, hier im Schwanen Pub. rs

Marco Schönbächler, wann gelingt Ihnen endlich der grosse Durchbruch?

Marco Schönbächler: Ich hoffe, dass er jetzt gelingt. In den letzten Partien stand ich in der Startformation und ich hoffe, dass es so weitergeht.

Seit Jahren kämpfen Sie beim FCZ um einen Stammplatz.

Es ist für einen Spieler aus dem FCZ-Nachwuchs ein wenig eine andere Situation als für einen Neuzugang, den man als Verstärkung geholt hat. Man sieht mich wohl immer noch als den ehemaligen Junior, als das Talent aus den eigenen Reihen. Ich bin zwar stets dabei und habe insgesamt schon viele Spiele bestritten, es gab jedoch in der Vergangenheit immer auch Dinge, die mich am Durchbruch gehindert haben. Ich bin nun aber älter und reifer geworden. Das ist ein wichtiger Punkt, um mich durchzusetzen.

Marco Schönbächler über ...

Geld: Es ist mir wichtig, möglichst viel auf die Seite zu legen. Jetzt sind die Jahre, in denen ich viel Geld verdiene. Es würde mich später reuen, wenn ich jetzt alles ausgebe. Aber natürlich kaufe ich mir auch ab und zu etwas.

Letzte Anschaffung: Vorhänge aus der Ikea für meine Wohnung, aber ich habe sie immer noch nicht montiert.

FC Urdorf: Mein Jugendverein, wo alles begann. Es war eine schöne Zeit.

Tattoos: Es ist ein wenig eine Sucht. Es kommt bald noch mehr dazu. Zuerst habe ich meinen Spitznamen tätowieren lassen. Vor einem Jahr hat mir ein mexikanischer Tätowierer dann hier am Arm diese grossen Tattoos gestochen. Es waren ziemlich viele Schmerzen dabei. In der Winterpause gehe ich nach Mexiko in die Ferien. Dort will ich mir von ihm noch diesen freien Platz am Oberarm fertig tätowieren lassen.

Arabischer Frühling: Wir haben die Anfänge im FCZ-Trainingslager in Tunesien vor Ort miterlebt. Es ging ziemlich ab. Auf dem Rückweg vom Training ins Hotel waren die Strassen auf einmal voller Leute. Die haben angefangen, Steine gegen unseren Bus zu werfen. Unsere drei tunesischen Spieler haben mit den Leuten gesprochen und sie beruhigt. Zurück im Hotel hörten wir vom Stadtzentrum her Schüsse und später brennende Häuser. Auch der kleine Souvenirladen vor unserem Hotel wurde über Nacht ausgeraubt. Jetzt war klar, dass wir abreisen mussten.

Familie: Mein grosser Rückhalt. Wir haben ein sehr enges Verhältnis. Die Familie ist an beinahe allen Spielen dabei und unterstützt mich sehr.

Rolf Fringer: Ich habe ihn als einen sehr netten Menschen kennen gelernt. Er ist ein sehr guter Kommunikator und sicher auch ein guter Trainer, obwohl bei uns derzeit die Ergebnisse nicht stimmen. Aber wir Spieler stehen auf dem Platz, nicht der Trainer.

Frisur: Meine Schwester ist Coiffeuse und schneidet mir die Haare.

USA: Es war schon lange ein Traum von mir, dorthin in die Ferien zu gehen. Vor Mexiko gehe ich nun einmal für drei Tage nach Miami und vielleicht machen wir im nächsten Sommer einen längeren Trip durch die USA.

Playstation: Die ist beinahe 24 Stunden in Betrieb. Ich spiele viel online mit meinen Kollegen, gerade jetzt im Winter, wenn es draussen kalt ist - eine typische Fussballerkrankheit! Es ist halt eine beliebte Beschäftigung, wenn man ziemlich viel Freizeit hat.

Was werfen Sie sich selbst vor?

Das ist eine schwierige Frage. Wenn ich die Antwort jeweils gewusst hätte, dann hätte ich es ja ändern können. Vielleicht die Erkenntnis, immer 100 Prozent nur für den Fussball zu leben. Es gab in der Vergangenheit wohl zu viele Dinge, die mich abgelenkt haben. Aber da kommen natürlich auch weitere Faktoren dazu, etwa ob der Trainer auf dich setzt oder ob Spieler dazukommen, die auf derselben Position spielen wie du.

Es gibt Fachleute, die zu einem Vereinswechsel raten, weil Sie beim FCZ stets der «kleine Schönbi» bleiben werden.

Das meinte ich mit dem Talent aus den eigenen Reihen. Es kommt sicher der Zeitpunkt für einen Wechsel. Aber es war stets mein Traum, mich beim FCZ durchzusetzen. Das möchte ich zuerst erreichen.

Sie haben turbulente Wochen hinter sich. Zuerst die temporäre Verbannung in den Nachwuchs ...

Das war eine Entscheidung des Trainers und am Anfang sicherlich schwierig nachzuvollziehen für mich. Dann hatte ich aber mehrere gute Gespräche mit Trainer Rolf Fringer. Die Zeit im Nachwuchs hat mir geholfen. Ich kam stärker zurück.

Wie wollten Sie persönlich darauf reagieren?

Ich wollte auf keinen Fall den Kopf hängen lassen oder über den Trainer lästern. Das wäre in diesem Moment total falsch gewesen. Ich wollte das Positive daraus ziehen, noch mehr an mir arbeiten. Und ich konnte mich mit dieser Einstellung in die erste Mannschaft zurückkämpfen.

... danach die Beförderung in die Startformation und die Rolle als Torschütze.

Das zeigt einmal mehr, wie schnell es im Fussball gehen kann. An einem Tag unten, an einem Tag oben. Es war halt wie ein Weckruf an mich, jetzt noch mehr zu geben. Das habe ich gemacht und auf diesem Weg möchte ich dranbleiben.

Es gibt Stimmen, die sagen, Ihnen sei der frühe Erfolg in den Kopf gestiegen.

Das glaube ich nicht. Ich habe ja zu den Erfolgen der Mannschaft nicht viel beigetragen. Ich sehe diese Zeit auch nicht als persönlichen Erfolg an. Es ist ganz eine andere Situation, wenn du in einer Meistermannschaft Stammspieler bist. Deshalb kann ich solche Aussagen nicht verstehen.

Trotzdem die Frage: Marco Schönbächler, sind Sie ein zu Arroganz neigender Schnösel?

Nein, überhaupt nicht. Jeder, der mich auch nur ein wenig kennt, würde dies verneinen.

Wieso gibt es denn Leute, die das behaupten?

Das frage ich mich manchmal auch ...

(Freundin Sina mischt sich ein.) Es kommt wohl daher, dass Marco sehr scheu und verschlossen ist und die Leute daraus etwas interpretieren.

(Marco fährt fort) ... wenn ich jemanden nicht kenne, dann gehe ich nicht aktiv auf ihn zu und spreche viel mit ihm. Umgekehrt komme ich mit Leuten, die auf mich zukommen, schnell ins Gespräch. Die sagen dann wohl eher, ich sei ein «lieber Siech».

Wie würden Sie sich selber beschrieben?

Ich bin eigentlich immer gut drauf. Ich kann auch niemandem etwas Böses wünschen. Ich kann es mit jedem Menschen gut haben. Wenn jemand ein Problem mit mir hat, dann nehme ich Abstand von dieser Person. Ich suche den Konflikt nicht.

Man trifft Sie ab und zu bei Trainings des FC Urdorf. Ist bald einmal ein Wechsel geplant?

Ich habe sicher schon mit den Kollegen darüber nachgedacht, nach meiner Karriere, so mit 35 Jahren, nochmals zusammen mit ihnen für Urdorf zu spielen. Ich hoffe nur, sie sind dann körperlich noch im Saft.

Sie waren auch mit Spielern des FCU in den Ferien in Griechenland: Sie im 5-Sterne-Hotel und die Urdorfer in der Jugi?

Nein, nein. Wir haben ein günstiges Angebot gefunden. Es war auch nicht Hauptsaison. Es sind Kollegen, die ich seit vielen Jahren kenne.

Da gibt es keine Eifersucht, wenn Sie ein Mehrfaches verdienen?

Nein, überhaupt nicht. Ich spendiere ihnen ab und zu eine Runde. Aber es kommt auch zurück, ich werde auch von ihnen eingeladen. Das finde ich schön. Es verlangt niemand, dass ich immer alles bezahle, nur weil ich viel mehr verdiene als sie.

Marco Schönbächler ist 22 Jahre alt und wohnt in Urdorf. Von 1998 bis 2002 spielte er für den FCU, ehe er zum FC Zürich wechselte. Seine Hobbys: Playstation, Kollegen treffen, Basketball.