FC Zürich
Marco Schönbächler ist bereit für einen neuen Weg

Er gehörte viele Jahre zum Inventar des FCZ und der Super League. Dann lobte ihn Lucien Favre über den grünen Klee und Marco Schönbächler wurde für die A-Nati aufgeboten. Seither lautet die Frage nur noch, wann der 24-Jährige ins Ausland wechselt.

Raphael Biermayr
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Nein, zuviel könne ihm der Rummel nie werden, sagt Marco Schönbächler. Er hat in den vergangenen zwei Wochen erfahren, was es bedeutet, Schweizer Nationalspieler zu sein. Gratulationen hier, Mikrofone da. Und immer wieder «Gefällt mir». Rund 5500 Likes zählt sein Konto auf Facebook. Es gab einen markanten Anstieg in der Nacht von Samstag auf Sonntag vergangene Woche. Kein Wunder: Schönbächler wurde damals in der 83. Minute des EM-Qualifikationsspiels gegen Litauen für Haris Seferovic eingewechselt – sein Länderspieldebüt.

Auf Facebook wurde er gefeiert, besonders für eine technisch hochstehende Ballannahme. «Absolut happy», kommentiert der Spieler selbst später am Abend. 531 Menschen gefällt das. Schönbächler geht neue Wege, in der analogen Welt wie in der digitalen. In letzterer ist seit längerem ein Ausbau der Interaktionen festzustellen. Der im Umgang mit Fremden zurückhaltende Urdorfer hat im weltweiten Netz eine Möglichkeit gefunden, zwanglos mit den Menschen zu
interagieren. Dass seine Beratungsagentur Fairplay Agency einen Einfluss auf diese Entwicklung hat, ist nicht zu übersehen: In Videos wendet Schönbächler sich immer wieder an die Fans, beispielsweise um Tickets für Europa-League-Matches des FC Zürich zu verlosen.

Schönbächler fühlt sich wohl in der Nati

Nun darf sich Marco Schönbächler Nationalspieler nennen. Er ist der erste Limmattaler seit Albert Bunjaku aus der Fahrweid (WM-Fahrer 2006), dem diese Ehre zuteil wird. Verändert hätten ihn die letzten Tage nicht, sagt Schönbächler. Er sei auch nicht nervös gewesen vor seinem Debüt. Schliesslich kannte er dank seiner siebeneinhalb Jahre
in der Super League und seiner Vergangenheit als Nachwuchsnationalspieler schon zahlreiche Teamkollegen. Es gibt Fotos, auf denen er flachsend mit Stephan Lichtsteiner und Valentin Stocker zu sehen ist. Mit Nationaltrainer Vladimir Petkovic habe er nicht lang sprechen müssen, um zu wissen, was der von ihm erwarte.

Es sind Indizien, dass sich Schönbächler wohlfühlte im Kreis der Landesauswahl. Und dass das Aufgebot nach seinem Selbstverständnis keine Überraschung war, dass er bereit war dafür. Das gilt auch für einen Wechsel ins Ausland, den nächsten Schritt in der Entwicklung von Marco Schönbächler als Spieler. Weil er schon so lange zum FCZ gehört, wurden Gerüchte über einen Wechsel in der Vergangenheit nicht wirklich ernst genommen. Es galt immer als eine Art ungeschriebenes Gesetz, dass er nicht zu einem anderen Super-League-Verein wechselt. Und für das Ausland war es immer irgendwie zu früh.

Ausland war schon früher ein Thema

Schönbächlers Berater Dino Lamberti sagte im vergangenen Jahr gegenüber dem «Migros-Magazin» auf die Frage, ob er jemals einem Spieler von einem Wechsel abgeraten hat: «Marco Schönbächler hätte vor zwei Jahren zu Borussia Mönchengladbach wechseln können. Aber wir haben gemeinsam mit der Familie beschlossen, noch zu warten.»

Die Zeit des Wartens ist nun endgültig vorbei. In den letzten Monaten hat sich alles verändert. Vor den Einsätzen für die Nationalmannschaft gegen Litauen und im darauffolgenden Testspiel gegen Polen (13 Minuten Spielzeit) war da das überschwängliche Lob von Mönchengladbach-Trainer Lucien Favre im Vorfeld des Europa-League-Matches gegen den FCZ. Der Romand ist offenkundig noch immer an seinem ehemaligen Schützling aus Zürcher Zeiten interessiert (Schweizer Meister 2007). In den letzten Wochen war in verschiedenen Medien von «weit fortgeschrittenen Verhandlungen» zu lesen.

Ob Mönchenglabdach oder ein anderer Verein: Es steht einzig noch die Frage im Raum, wann Schönbächler wechselt. Der FCZ steckt in einem Dilemma. Einerseits braucht er den flexibel einsetzbaren Flügelspieler, um dem FC Basel im Kampf um die Tabellenspitze Paroli zu bieten. Gestern in Sion war der Urdorfer erneut während 90 Minuten eine feste Grösse im siegreichen Zürcher Team.

Nur im Winter gibt es Geld für «Schönbi»

Andererseits hat der FCZ nur im Winter Anrecht auf eine Ablösesumme, weil Schönbächlers Vertrag im nächsten Sommer auslaufen wird. Sein Marktwert liegt gemäss dem Internportal transfermarkt.de bei 1,25 Millionen Franken, allerdings vor den Länderspielen bewertet. FCZ-Trainer Urs Meier sagte gegenüber dem «Tages-Anzeiger», dass der Urdorfer nicht schon im Winter abgegeben werde. Doch gerade im Fussball kommt es öfter anders, als man denkt. Vielleicht betritt Marco Schönbächler am 11. Dezember bereits sein baldiges Heimstadion: An diesem Tag gastiert der FCZ in der Europa League in Mönchengladbach.

Die Fairplay Agency beteiligt sich auf Anfrage nicht an den Spekulationen, Berater Lamberti weilt gegenwärtig im Ausland und ist nicht zu sprechen. Schönbächler selbst äussert sich zurückhaltend. «Wir schauen im Winter, wie es weitergeht. Moment weiss ich es selbst nicht.» Eines aber weiss er: «Ich bin bereit.» Bereit für einen neuen Weg.