Basketball
Lucas Waldesbühl: Von Zürich übers Tessin, nach Wien und wieder zurück

Nach seinem missglückten Ausflug zu Vacallo in die Nationalliga A spielt der Dietiker Lucas Waldesbühl nun bei Küsnacht-Erlenbach in der zweithöchsten Basketball Liga der Schweiz

Jessica Widmer
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Der Dietiker Lucas Waldesbühl spielt seit dieser Saison für das NLB-Team Küsnacht-Erlenbach.

Der Dietiker Lucas Waldesbühl spielt seit dieser Saison für das NLB-Team Küsnacht-Erlenbach.

mb

Voller Hoffnungen wechselte der damals 21-jährige Lucas Waldesbühl im Sommer 2011 von den Grasshoppers zum Tessiner Verein Vacallo. Der damalige Nationalliga-A-Klub bot ihm das, was er sich wünschte: ein Leben als Halbprofi. Während etwas mehr als einer Saison spielte Waldesbühl in der höchsten Schweizer Liga und verdiente damit seinen – bescheidenen – Lebensunterhalt. «Als ich den Anruf des Vacallo Trainers bekam, ging für mich ein Traum in Erfüllung», blickt Waldesbühl heute zurück.

Verheissungsvoller Start

Im ersten Jahr lief alles nach Plan, und Waldesbühl kam, trotz anfänglicher Bänder-Verletzung, regelmässig zu Einsätzen. Auch die Mannschaftsleistung stimmte. Als nach einer Saison der Vertrag des Dietikers verlängert wurde, begann für ihn und seine Teamkollegen die Leidensgeschichte. «Es fing damit an, dass wir unseren Lohn nicht mehr bekamen», erinnert sich Waldesbühl, «da haben wir uns natürlich gefragt, was los ist. Man versprach uns dann immer wieder, dass das Geld bald ausbezahlt würde.» Die jungen Basketballer glaubten den Klubverantwortlichen und spielten weiter, ohne auch nur einmal zu streiken. «Wir hatten immer die Hoffnung, dass schlussendlich doch noch alles gut wird», sagt Waldesbühl. Nach fünf Monaten ohne Lohnzahlung zog sich Vacallo aber endgültig von der NLA zurück. Die Spieler verloren ihren Arbeitsplatz, und auch der Limmattaler musste sich nach neuen Möglichkeiten umsehen.

Schwierige Entscheidung stand an

Nachdem sich Waldesbühl mit den Spielern von Vacallo einen Anwalt genommen hatte, um die finanzielle Situation zu regeln, begann für den Limmattaler die wichtige Phase der Entscheidungen. Was nun? Sein Teilzeitjob – zu dem ihm Vacallo damals verhalf – ist im Tessin, Familie und Freunde sind in der Deutschschweiz, seine Teamkameraden verteilten sich allmählich über die ganze Welt und einen Klub hatte Waldesbühl auch keinen mehr. «Durch einen amerikanischen Basketballkollegen kam ich dann mit BC Zepter Vienna in Verbindung. Ich fragte dort an, ob ich bis Ende Saison mit der Mannschaft trainieren könne», schildert der Liebhaber der amerikanischen Serie «Breaking Bad» seine damalige Situation.

So kündigte Waldesbühl den Job im Tessin und verlegte seinen Lebensmittelpunkt kurzerhand nach Wien. Als es dann ums Aushandeln eines allfälligen Vertrages für die Saison 2013/2014 ging, hatten beide Parteien unterschiedliche Vorstellungen und so zog Lucas Waldesbühl zurück in die Heimat – zu seinem Vater nach Würenlingen. «Während der achtstündigen Zugfahrt von Wien nach Hause konnte ich mir Gedanken darüber machen, wie es weitergehen sollte», erinnert sich Waldesbühl.

Seine Zukunft ist noch offen

Die NLB-Teams Winterthur, Aarau und Küsnacht wollten sich diesen Sommer die Dienste des Limmattalers sichern. Der Entscheid, in der NLB neu Fuss zu fassen, anstatt bei einem NLA-Klub anzuheuern, fiel dem früheren Junioren-Nationalmannschafts-Spieler nicht einfach. Er wählte Küsnacht-Erlenbach, welches in der laufenden Saison hinter der Alten Kanti Aarau auf dem zweiten Tabellenplatz liegt. Dort kann er bei einer aufstiegsorientierten Mannschaft Spielpraxis sammeln und trotzdem hat er die Möglichkeit, nebenbei 80 Prozent bei der Basler Staatsanwaltschaft als Sachbearbeiter zu arbeiten.

«Wir sind ein junges Team, es macht Spass mit guten Kollegen zu spielen», sagt der Fan des NBA-Teams Brooklyn Nets, «wir wollen in dieser Saison aufsteigen. Es braucht noch etwas Zeit, doch wenn wir uns als Team gefunden haben, können wir jeden schlagen.» Ob Lucas Waldesbühl es irgendwann noch einmal bei einem Nationalliga-A-Team versuchen will, um so voll auf den Sport zu setzen, lässt er offen. «Momentan geniesse ich die Situation. Ich habe einen guten Job und kann trotzdem noch auf einem hohen Niveau Basketball spielen», sagt Waldesbühl. Bei einem allfälligen Aufstieg von Küsnacht-Erlenbach könnte Waldesbühl seinen Traum in der NLA bereits in der nächsten Saison weiterleben.

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