Basketball

Lucas Waldesbühl: «Den ersten und letzten Lohn erhielt ich im August»

Das Profibasket ist für den Limmattaler Lucas Waldesbühl (links) momentan ausser Reichweite. Keystone

Das Profibasket ist für den Limmattaler Lucas Waldesbühl (links) momentan ausser Reichweite. Keystone

Der Dietiker Lucas Waldesbühl ist seit dem Rückzug des NLA-Teams Vacallo vereinslos. Für den 24-Jährigen eine bittere Erfahrung, in Anbetracht der anstehenden Finalspiele in Cup und Liga-Cup.

In der vergangenen Woche zog der Tessiner Verein Vacallo sein Team aufgrund von finanziellen Zwängen vom Spielbetrieb der Nationalliga A zurück. Dies, obwohl der Meister und Cupsieger von 2009 dieses Jahr eine weitere erfolgreiche Saison spielte: Die Qualifikation für den Cupfinal sowie den Halbfinal des Liga-Cups stand fest. Auch der 24-jährige Dietiker Lucas Waldesbühl muss künftig anderswo spielen und erklärt in einem schriftlich geführten Interview seine Situation.

Lucas Waldesbühl, Ihr Arbeitgeber SAV Vacallo Basket zieht sich per sofort zurück, wie plötzlich kam diese Nachricht für Sie?

Lucas Waldesbühl:Wir erhielten am Abend vor der Verkündigung eine E-Mail vom General Manager für ein Meeting am 15. Februar. Ich denke es war dann schon allen klar, um was es ging. Es ist sehr schade, man hat bis zum Schluss gehofft, dass es noch gut gehen wird.

Wann erhielten Sie die letzte Lohnauszahlung?

Meine letzte und einzige Lohnauszahlung erhielt ich im August 2012.

Sie sagten im vergangenen Sommer, dass Sie mit dem Basketball knapp überleben konnten. Wie verdienen Sie jetzt ihr Geld?

Als ich bei Vacallo unterschrieben habe, haben wir mündlich vereinbart, dass der Verein mir hilft einen Teilzeitjob zu finden. Durch Hilfe habe ich im Juli eine Stelle bei der DSV Logistics SA erhalten. Ich arbeite dort in der Buchhaltungsabteilung und es gefällt mir sehr. Ich darf mein Arbeitspensum jetzt auch erhöhen.

Wie geht man als Sportler damit um, wenn der Verein sich zurückzieht?

Man lässt den Kopf nicht hängen. Ich kriege auch Unterstützung von meiner Familie und meinen Freunden. Und man macht sich auf die Suche nach einem neuen Arbeitgeber. So ist es, nehme ich an, in jedem Business.

Wie bitter ist es, dass ausgerechnet vor dem anstehenden Cup-Final und Liga-Cup Halbfinale das Team zurückgezogen wird?

Sehr bitter! Wir hatten eine ausgezeichnete Mannschaft. Und dass alle bis zum letzten Moment noch dabei waren, zeigt einen hervorragenden Teamgeist! Wir hatten uns sehr auf die Finals gefreut und hätten gute Chancen gehabt, diese auch zu gewinnen.

Sie haben Ihr Leben in Zürich aufgeben, setzten auf die Basketball-Karriere, wie schwer war das für Sie?

Ganz aufgegeben habe ich mein Leben in Zürich nicht. Ich fahre noch ab und zu nach Zürich, um meine Familie und Freunde zu besuchen. Sind ja nur drei Stunden Zugfahrt.

Wie geht es mit Ihrer Karriere weiter?

What doesn’t kill me, makes me stronger. Ich werde weiter trainieren. Eventuell kann ich bei einem Verein in der Umgebung mittrainieren oder erhalte einen Anruf von einem anderen NLA-Klub. Ich werde aber voraussichtlich bis im Sommer noch hier in der Sonnenstube bleiben.

Ist das Ausland, eine Option?

Ja, da ich die österreichische Staatsbürgerschaft dank meiner Mutter habe, könnte ich dort als Einheimischer spielen und zähle nicht zu den Ausländern. Dies ist sicherlich ein Vorteil.

Bereuen Sie den Wechsel ins Tessin im Nachhinein?

Auf keinen Fall! Die ganzen Momente und Erfahrungen, die man erlebt und macht, sind unbeschreiblich. Man lernt immer wieder Leute kennen, die einen unterstützen und motivieren. Man kann nicht immer gewinnen, auch Niederlagen gehören zum Profisport.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1