Motorsport
Lorenz Sennhauser ist durch und durch ein Pilot

Der Birmensdorfer Motorradfahrer sichert sich in der Superstock-1000-Meisterschaft seinen ersten Schweizer-Meister-Titel. in den letzten acht Rennen fuhr Sennhauser mit seiner BMW S1000 fünfmal auf den ersten und dreimal auf den zweiten Rang.

Fabian Kleeb
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Startklar, den Titel im nächsten Jahr zu verteidigen: Lorenz Sennhauser. fkl

Startklar, den Titel im nächsten Jahr zu verteidigen: Lorenz Sennhauser. fkl

Seit jeher ist Töff-Fahren die grosse Leidenschaft von Lorenz Sennhauser. Am Tag seines 18. Geburtstages stand er vor dem Strassenverkehrsamt, um das Lernfahrbillett abzuholen. Mit 20 Jahren machte der Birmensdorfer unverzüglich den Ausweis für das «grosse» Motorrad. Doch beruflich war und ist der heute 35-Jährige anderweitig unterwegs, wenn auch nicht immer langsamer.

Sieben Wochen lang absolvierte er in der Armee die Kampfpiloten-Ausbildung, bei der allerletzten Selektion reichte es ihm knapp nicht. Sennhauser begann anschliessend zu studieren, flog jedoch privat weiter. Dann schaffte er die Qualifikation zum Swissair-Piloten, aber wollte bis zum Stellenantritt das Studium zuerst vorsorglich abschliessen. Dann kam das allseits bekannte «Grounding» dazwischen und der Birmensdorfer hatte sich glücklicherweise für das Studium und gegen den Traumjob entschieden. Seither arbeitet er als diplomierter Software-Ingenieur.

Dann halt der «andere» Pilot

Da der Piloten-Traum platzte, suchte Sennhauser dringend nach einer neuen Herausforderung und entschied sich erst mit 26 Jahren für eine Rennsport-Karriere. «Beim Motorradfahren wird man permanent und sofort reflektiert, jeder kleinste Fehler wird bestraft», beschreibt er seine Faszination für den Motorsport. Dazu kommen die Begeisterung für die Geschwindigkeit, die Motoren, die Freiheit und die äusserst angenehme Zusammenarbeit mit dem Team.

Wer ständig mit dermassen hohen Geschwindigkeiten auf den Rennstrecken Europas unterwegs ist, braucht unbedingt einen Ausgleich dazu. «Diesen finde ich beim Wandern mit meiner Frau und im Badminton», erklärt der Software-Ingenieur. Badminton betreibt er bereits seit über 25 Jahren und hat auch schon in der NLB Spiele bestritten. Aktuell spielt er mit dem BC Adliswil in der 1. Liga.

Nach mässigem Saisonstart in die Superstock 1000 Schweizer-Meisterschaft, entschied sich der im ASR BMW Team fahrende Sennhauser auf unübliche Mittel zurückzugreifen: Er liess sich, nach Vorbild der Eishockey-Spieler, einen «Schweizer-Meister-Bart» wachsen. Dies war optisch zu erkennen, aber auch innerlich änderte sich seine Einstellung drastisch und er setzte alles daran, von nun an jedes Rennen zu gewinnen.

Mit langem Bart zum SM-Titel

In der Folge wendeten sich auch die Resultate zum Guten. Bei den letzten acht Rennen landete er mit seiner BMW S1000 RR fünfmal auf dem ersten Rang und wurde dreimal Zweiter. Eine eindrückliche Bilanz also. Nach dem dritten Schlussrang im Vorjahr und dem Vizetitel vor zwei Jahren darf Sennhauser somit seinen ersten Schweizermeister-Titel feiern. «Mein Team bildete die Grundlage für meinen Erfolg», sagt Sennhauser. Zudem möchte er sich auf diesem Wege bei Teamchef Adi Schwegler für seine langjährige Unterstützung bedanken.

Langstrecken-WM im Hinterkopf

«Titelverteidigung lautet das Ziel für die nahe Zukunft», beschreibt der Birmensdorfer seine Absichten. Sein Traum ist es zudem, einmal an der Langstrecken-WM zu fahren. Es bleibt zu hoffen, dass Pilot Lorenz Sennhauser weiterhin ohne Turbulenzen auskommt und auch in der nächsten Saison erneut voll durchstarten kann.