Motorsport
Limmattaler wird Europameister der FIA Formel Junior

Der Limmattaler Bruno Weibel tritt in Jo Siffert’s Fussstapfen: Bruno Weibel feiert seinen ersten Europameister-Titel in seiner ersten Saison. Dies trotz Rennausfall infolge eines technischem Defekts.

Merken
Drucken
Teilen
Der Urdorfer Bruno Weibel gewinnt die FIA Formel Junior.

Der Urdorfer Bruno Weibel gewinnt die FIA Formel Junior.

Nicolas Nogue

Was für ein letztes Rennwochenende in Portugal. Am Freitag holte sich Bruno Weibel den sensationellen fünften Startplatz auf der Rennstrecke von Portimão. Als beim ersten Rennen vom Samstag die Rennstrecke nass war, freute sich keiner mehr wie Weibel. Genau so hatte er sich das gewünscht. Liebt er doch Regen. Zumindest auf der Rennstrecke. Wo andere wortwörtlich ins Schleudern geraten, tanzt Weibel geradezu mit seinem Sportgerät. Wo viele Mitstreiter sich an die Ideallinie hielten, mied Weibel diese bewusst und führte so bereits in der zweiten Runde das gesamte Rennfeld an.

Trotz wesentlich schwächer motorisiertem Auto. Nicht nur der Traum vom ersten Gesamtsieg schien greifbar nah, auch jener vom Europameister-Titel. Bis drei Runden vor Schluss die Differenzial-Ausgangswelle am Getriebe brach. Nicht nur, dass dies der erste technische Ausfall für Bruno Weibel in dieser Saison war, auch der Europameister-Titel schien ihm zu entgleiten. Schliesslich war er mit nur vier Punkten Vorsprung nach Portugal gereist, immer im Hinterkopf die Rennsaison 2007, wo er mit seinem Lotus Elise den Schweizermeister-Titel in der Tourenwagen-Meisterschaft um ein Haar verpasste.

Weibel in der Zuschauerrolle

Schnell wurde klar, das Rennwochenende war verloren. Zumindest das Resultat, denn durch den Ausfall im ersten Rennen belegte Weibel den Schlussrang in der Wertung und das Ergebnis war kaum noch aufzubessern. Trotzdem versuchte Bruno Weibel die passenden Ersatzteile für sein Getriebe aufzutreiben, um wenigstens das zweite Rennen, aus Freude am Fahren, doch noch zu bestreiten. Leider erfolglos.

So blieb ihm nichts anderes übrig, als das Rennen am Sonntag von der Zuschauertribüne aus zu verfolgen. Die Anspannung war riesig. 25 Minuten fühlten sich an wie eine Ewigkeit. Immer hoffend, dass die richtigen Fahrer in der richtigen Reihenfolge ins Ziel kommen. Die Erleichterung bei Bruno Weibel war riesig, als einige Minuten nach Zieldurchfahrt aller Rennwagen klar war, dass er Europameister ist.

Die FIA Lurani Trophy ist eine offizielle Rennserie des Motorsportweltverbands FIA und damit die offizielle Europameisterschaft für die so genannte Formel Junior, welche 1957 in Italien als Rennserie für Nachwuchspiloten ins Leben gerufen wurde. Die einsitzigen, offenen Rennwagen, die heute im Einsatz sind, sind allesamt Originalfahrzeuge aus den 50er und 60er Jahren. Der von Bruno Weibel pilotierte Lotus 20 ist das Original-Auto, mit welchem die Schweizer Rennfahrer-Legende Jo Siffert 1961 ebenfalls in seiner ersten Formel Junior-Saison den Europameister-Titel gewann.