Tennis
Limmattaler Tennis-Talent muss seinen Traum vom Profileben beerdigen

Drei Jahre lang hat Nathan Schmid täglich auf dem Tennisplatz geschuftet, um den Traum des Tennisprofis zu verwirklichen. Jetzt muss sich der 18-jährige Aescher eingestehen, dass es nicht gereicht hat.

Fabio Baranzini
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Bei Nathan Schmid steht jetzt die Ausbildung und nicht mehr das Tennis im Vordergrund. Fabio Baranzini

Bei Nathan Schmid steht jetzt die Ausbildung und nicht mehr das Tennis im Vordergrund. Fabio Baranzini

Fabio Baranzini

Ein Jahr lang hat die Limmattaler Zeitung die Karriere von Nathan Schmid genau beobachtet, hat über die verschiedenen Seiten des Profisportler-Daseins berichtet. Es war ein Jahr mit vielen Hochs und Tiefs. Und es war ein Jahr, das ein überraschendes Ende nahm.

Nach einem resultatmässig äusserst durchzogenen Sommer schien sich der 18-jährige Limmattaler im Herbst wieder gefangen zu haben.

Schmid spielte besser, reihte 14 Siege in Folge aneinander und gewann drei Turniere. Im Dezember dann aber das Ende: Das Match in der ersten Qualifikationsrunde der Schweizer Meisterschaft gegen Adam Moundir war vorläufig das Letzte.

Nathan Schmid beendete daraufhin seine Karriere als Tennisprofi und begrub damit alle Hoffnungen, seinen grossen Traum zu verwirklichen.

Seit dem 1. Dezember hat er sein Racket nicht mehr angefasst. Es wurde über eine hartnäckige Verletzung und über psychische Probleme spekuliert.

Schmid selbst wollte sich dazu nicht äussern. Er zog sich zurück, brauchte Zeit, um sich neu zu orientieren. Jetzt, fast drei Monate später, spricht er im letzten Teil der LiZ-Serie «Auf dem Weg nach oben» über die vergangenen Wochen und seine Entscheidung, die Profikarriere zu beenden.

Ausreden gelten nicht. Nathan Schmid sitzt auf dem weissen Ledersofa im Wohnzimmer seines Vaters.

Der 18-Jährige wirkt gelöst, lacht viel und erkundigt sich nach den neusten Entwicklungen im regionalen Tennisgeschehen.

Als sich das Gespräch dann aber um die Beweggründe für das Ende seiner Profikarriere dreht, wird er ernst. Die Sache geht ihm auch mit einigen Wochen Abstand noch nahe. Schmid braucht mehr Zeit, um seine Antworten zu formulieren, sucht nach den richtigen Worten.

Trotzdem nimmt er kein Blatt vor den Mund und versucht nicht, sich hinter Ausreden zu verstecken. Die Knorpelverletzung in der Brust, die ihn seit Wochen ausser Gefecht setzt, lässt er nicht als Grund gelten.

«Die Verletzung spielt keine Rolle. Ich muss ehrlich zu mir selbst sein. Ich war schlicht nicht gut genug. Die Ziele, die ich mir gesteckt habe, konnte ich nicht erreichen. Ich war dem Druck nicht gewachsen», sagt Schmid. Er hat auf dem Tennisplatz keine Befriedigung mehr verspürt – weder im Training noch im Match. Selbst dann nicht, wenn er bessere Kontrahenten bezwungen hat.

Für Schmid war klar, dass er so nicht weitermachen kann. Dennoch tat er sich schwer, den endgültigen Schlussstrich zu ziehen. «Mein Umfeld hat mich immer perfekt unterstützt und alles für mich getan. Und dann komm ich und sage: ‚So, ich hab jetzt keinen Bock mehr.’ Ich habe echt nicht gewusst, wie ich das meinen Eltern sagen soll.» Getan hat er es trotzdem und gemeinsam mit ihnen hat er nach einer Lösung gesucht. Schnell war klar, dass der Abschluss des Gymnasiums die einzig sinnvolle Alternative ist.

Zurzeit bereitet sich Nathan Schmid auf die Aufnahmeprüfungen Ende März vor und besucht dafür einen Mathematik- und einen Französischkurs. Doch wie geht er damit um, dass er plötzlich keine Trainings mehr hat, die seinen Alltag strukturieren? Dass er sich mit Zahlen und Vokabeln auseinandersetzen muss statt mit Vorhand, Aufschlag und Volley?

«Am Anfang hatte ich grosse Mühe, denn ich machte ja weniger als zuvor. Ich hatte aber in den letzten Monaten als Profi bereits das Gefühl, dass das, was ich mache, zu wenig ist und nirgendwo hinführt. Mittlerweile habe ich mich jedoch daran gewöhnt und ich muss sagen, mein Programm ist voller als zu meiner Zeit als Tennisprofi.»

Neben dem Lernen für die Aufnahmeprüfung ist Schmid daran, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen. Dabei wird er stetig mit neuen Dingen konfrontiert: Autoprüfung, Steuererklärung, Bankangelegenheiten und ein Praktikum im Spital, das er im Verlauf des Monats März in Angriff nehmen wird.

Schmid ist überzeugt, dass ihm die drei Jahre als Tennisprofi helfen werden, im neuen Lebensabschnitt den Tritt zu finden.

«Als Sportler habe ich einen Ehrgeiz und eine Kompromisslosigkeit entwickelt, die mir jetzt zugutekommen. Genauso die Disziplin und die Fähigkeit, Dinge im Voraus zu planen. Allein schon deswegen kann ich rückblickend sagen, dass sich der Versuch als Profisportler gelohnt hat. Auch wenn ich anfangs das Gefühl hatte, ich hätte drei Jahre meines Lebens in den Sand gesetzt.»

Obwohl ab sofort die Ausbildung den Alltag von Nathan Schmid prägen wird, kann er den Tennissport nicht vollständig hinter sich lassen.

«Ich habe zehn Jahre Tennis gespielt, da kann ich nicht einfach aufhören oder plötzlich eine andere Sportart ausüben», sagt er. Wenn seine Verletzung auskuriert ist, will er wieder regelmässig auf dem Platz stehen.

Auch im Interclub wird er antreten, allerdings eine Liga tiefer als noch im Vorjahr. «Ich spiele nur noch zum Spass und werde daher sicher lockerer sein. Das kann aber durchaus positiv sein. Schliesslich muss ich dann nicht mehr vor jedem Schlag Angst haben, dass ein Fehler meine Profikarriere beenden könnte», meint Schmid mit einem Augenzwinkern.