An der Delegiertenversammlung des Swisscurlings wurde der 65-jährige Schlieremer Philipp Locher für seinen über 40 jahrelangen Einsatz für die Popularisierung und Nachwuchsförderung des Curlings im Limmattal zum Ehrenmitglied ernannt. «Ich freue mich sehr über diese Ehrung. Die Ehrenmitgliedschaft ist also keine Alterserscheinung, sondern eine Anerkennung für meine Verdienste», sagte Locher.

Von 1976 bis 1982 war er im Vorstand des Curling Clubs Schlieren. Anschliessend präsidierte er 34 Jahre lang den Verein, der 1999 mit dem Urdorfer Club zum Curling Club Limmattal zusammenschloss. Locher war sowohl Regionalpräsident und Zentralpräsident bei Swiss- curling, als auch Vertreter im Weltcurling Verband.

Zwar sei die Karriere Lochers aus sportlicher Sicht mit einigen Schweizer Meister-Medaillen und diversen Erfolgen an Breitensportturnieren eher bescheiden, doch aus Sicht eines Herzblut-Curlers suche man seinesgleichen, sagte der neue Exekutivrat Mario Freiberger in seiner Ansprache anlässlich der Ehrung. Das Limmattal gehöre neben Davos und Flims zu den Hochburgen des Curlings in der Schweiz, nicht zuletzt dank einer eigenen Halle in Urdorf, aber auch dank Lochers unermüdlichem Engagement für diese Randsportart trotz schwieriger Gesamtverhältnisse. Die Schweiz zählt im Moment knapp 8000 lizenzierte Curler. Der Curling Club Limmattal hat rund 200 aktive Mitglieder.

Philipp Locher als Curler im Jahr 1985.

Philipp Locher als Curler im Jahr 1985.

Viele namhafte Schweizer Curler wie etwa Carmen Müller-Schäfer, Janine Greiner oder die Geschwister Alina und Claudio Pätz starteten ihre Karriere als Cherry-Rocker in der Urdorfer Curlinghalle. Cherry-Rocker ist die Kategorie für Kindercurling, bei dem die Steine und der Besen etwas kleiner sind. An der diesjährigen Winterolympiade im südkoreanischen Pyeongchang gewann Claudio Pätz im Curling die Bronzemedaille.

In seiner Siegesrede erwähnte er seine Urdorfer Anfänge als Cherry-Rocker im Unterricht bei Evelyne Locher, der Ehefrau von Philipp. Sie leitete damals die Cherry-Rocker und gab so ihre Begeisterung und Freude am Curling auch den Nachwuchstalenten weiter.

«Liebe auf den ersten Rutsch»

Philipp Locher hat sein Leben eng mit dem Curling verbunden. Ein schöner Zufall sei, dass an seinem Geburtstag am 21. Juli 1992 Curling zur olympischen Disziplin erklärt wurde, erzählte Locher, der zusammen mit seiner Frau auch für seine Drogeriegeschäfte im Limmattal bekannt ist. Zwar sei er schon in jungen Jahren von dieser Randsportart fasziniert, doch wirklich dazu gefunden habe er 1976 anlässlich einer Gewerbeschau in Schlieren, wo er von den anderen OK-Mitgliedern zu einem Schnupperkurs mitgenommen wurde: «Es war Liebe auf den ersten Rutsch», erinnerte sich der Limmattaler Drogist.

In seinem Laden in Geroldswil hat er einen kleinen Raum, in dem er Curling-Zubehör vom Schuh bis zum Besen verkauft. Als nämlich Bally in den 1980er- Jahren aufhörte, Curlingschuhe zu produzieren, ergab sich für die Schweizer Curler ein Schuhbedarfsproblem. Locher reiste zusammen mit Jürg Tanner, der Weltmeister im Curling war, nach Kanada, um Kontakte zu knüpfen.

Philipp Locher als Präsident des Schlieremer Curling Clubs im Jahr 1981.

Philipp Locher als Präsident des Schlieremer Curling Clubs im Jahr 1981.

Zuerst kauften sie vor allem Zubehör für den eigenen Clubbedarf, avancierten aber schnell zu Pionieren in diesem Geschäft in der Schweiz. Mittlerweile beliefert Locher die ganze Schweiz mit Curlingzubehör. Einzig in Langenthal gibt es einen Konkurrenzladen.

Der Gewinn aus diesem Zubehörgeschäft sponsert Locher zu einem grossen Teil an rund 20 Nachwuchs- und Eliteteams im Curling. Sein Einsatz wird mit unvergesslichen Erlebnissen belohnt. Zum Schmunzeln bringe ihn immer noch eine Geschichte, die sich vor 20 Jahren ereignete, als er dem Prager Club Savona 16 Steine à 20 Kilo spendete, um den Curlingsport in der Tschechischen Republik zu unterstützen.

Die Prager kamen mit einem Skoda-Personenwagen statt einem kleinem Lieferwagen. Weil sie finanziell knapp waren, hatten sie auch Benzin bei sich. «Es war ein Glück, dass ihr Auto nicht zusammenkrachte und nach elfstündiger Fahrt waren die 320 Kilo schweren Steine in Tschechien».

Geschmolzene Kanonenkugeln

Locher ist mit Haut und Haar Curler. In seinem Drogeriegeschäft hängen beispielsweise zwei Kupferstiche aus dem Jahr 1896, die Curlingszenen zeigen. In einem Antiquariat hat er zudem ein über 150 Jahre altes Sachbuch zum Curling erstanden. Die Geschichten rund um die Entstehung seien ebenfalls bemerkenswert.

Über die genauen Anfänge gebe es keine eindeutigen Belege, so Locher. In einem Gemälde von 1560 aus Holland wurde eine Curling-ähnliche Szene abgebildet. Erste schriftliche Belege zum Curling kommen aber aus Schottland, in welchem in einem Nachruf des Arztes George Ruthven dessen «zünftigen Hang zum Curlen» genannt wurde.

Die Verbreitung des Curlingsports sei auch Soldaten zu verdanken. In Kanada etwa, wo der Sport boomt, haben die Alliierten den Sport mitgebracht. Da man damals keine Steine hatte, schmolz man Kanonenkugeln für das Spiel ein. «Nur schade, dass nicht noch mehr Kanonenkugeln für Spielsteine eingeschmolzen wurden», sagt Locher.

Überhaupt gefalle ihm der Gedanke des Fairplays an dieser Sportart. Es gibt keine Schiedsrichter, und die Skips, also Team-Captains, jeder vierköpfigen Mannschaft machen das Spiel jeweils unter sich aus. «Im Curling muss man zuerst verlieren lernen, damit man nicht zu verbissen spielt und gewinnen kann», sagte Locher. Das sei eine wahre Lebensschule.