Immerhin den Ehrentreffer durften sie sich noch gutschreiben lassen. Wenige Minuten vor dem Schlusspfiff traf Marco Brandenberger per Foulpenalty zum 1:5. Zu mehr reichte es Oetwil-Geroldswil aber nicht mehr im Limmattaler Derby gegen Urdorf, in dem die Hausherren vor allem in der ersten Halbzeit unter die Räder kamen und diese mit 0:5 verloren.

«Wir waren einfach nicht bereit gewesen», sagte Oetwil-Geroldswils Torhüter Simon Wendelspiess. «Zwar wollten wir vorne Druck machen, aber wir verloren zu viele Zweikämpfe, ja wir kamen teilweise nicht mal in die Zweikämpfe rein.»

Das fand auch Oetwil-Geroldswils Trainer Jean Marie Broggi. «Unser Zweikampfverhalten war sehr schlecht», kritisierte er. «Die erste Halbzeit war diesbezüglich nicht akzeptabel. Ich glaube, wir haben in dieser Saison noch nie eine solche Hälfte gespielt.» Allerdings sei Urdorf auch sehr effizient gewesen. «Vor allem Felicetti war in Eins-gegen-eins-Situationen sehr stark», meinte Broggi und fügte hinzu: «Für mich ist das ein Stürmer für die 2. Liga.»

Eine Klasse für sich

Der angesprochene Alessandro Felicetti war am Sonntag tatsächlich eine Klasse für sich. Drei Tore schoss er gleich selbst, wobei das 3:0 aus Urdorfer Sicht der schönste Treffer war: Felicetti hob den Ball aus der Distanz gekonnt unter die Querlatte und liess Wendelspiess keine Chance.

Dazu bereitete Urdorfs Goalgetter noch das zwischenzeitliche 4:0 von Samir Kozarac mit einem herrlichen Querpass im Strafraum vor. «Wir hätten nicht erwartet, dass die Partie so laufen würde», meinte Felicetti. «Aber wir hatten einen guten Start und zogen dann unser Spiel durch, wobei bei uns auch praktisch jeder Torschuss reinging.»

Urdorfs Samir Kozarac gerät hier zwar gegen Oetwil-Geroldswils Sandro Marti (am Boen) ins Straucheln, ansonsten können die Urdorfer aber ihr Spiel durchziehen.

Urdorfs Samir Kozarac gerät hier zwar gegen Oetwil-Geroldswils Sandro Marti (am Boen) ins Straucheln, ansonsten können die Urdorfer aber ihr Spiel durchziehen.

«Wir waren sehr effizient», befand auch Urdorfs Trainer Gianni Musumeci. «Im Spielaufbau nach vorn waren wir sehr stark, und defensiv standen wir sehr gut.» Dass es für die Urdorfer so gut laufen würde, damit hatte auch Musumeci nicht gerechnet. «Wir hatten in der Vorrunde gegen Oetwil-Geroldswil Mühe bekundet», sagte er. «Und sie stehen ja nicht umsonst auf Rang 5.»

Aufstieg ist noch kein Thema

Mit ihrem Auswärtserfolg haben die Urdorfer weiterhin sieben Punkte Vorsprung auf den Tabellenzweiten Birmensdorf, das im anderen Limmattaler Derby gegen Schlieren II gar mit 10:3 gewinnen konnte. Doch die Birmensdorfer könnten den Rückstand auf vier Punkte verkürzen, da sie noch eine Partie weniger ausgetragen haben.

Bei Urdorf hütet man sich deshalb davor, an den möglichen Aufstieg zu denken. «Es ist noch ein langer Weg bis dorthin», meinte Felicetti. «Wir befassen uns erst mit dem Aufstieg, wenn er uns auch rechnerisch nicht mehr zu nehmen ist.»

Auch für Musumeci ist die 2. Liga noch kein Thema. «Wir müssen in den nächsten beiden Partien gegen Schlieren II und Engstringen spielen, und die befinden sich voll im Abstiegskampf. Das wird alles andere als einfach», warnte der Urdorfer Trainer. «Aber wir haben gegen Oetwil-Geroldswil einen Riesenschritt gemacht.»

Charakter gezeigt

Bei Oetwil-Geroldswil hingegen rätselte man, wie es zu dieser klaren Niederlage kommen konnte. «Wir haben offensiv gespielt und hatten auch mehr Ballbesitz, aber Urdorf hat uns mit seinen Kontern bestraft», stellte Broggi fest.

«Aber wir lernen daraus. Und immerhin haben wir in der zweiten Hälfte Charakter gezeigt und dagegengehalten, obwohl wir schon mit fünf Toren in Rückstand lagen.» Klar sei jedoch auch, dass man solche individuellen Fehler nicht mehr begehen dürfe. «Vor allem nicht gegen eine qualitativ so gute Mannschaft wie Urdorf.»