«Hau ihn rein!», schrie ein GC-Anhänger entnervt an der Seitenlinie. Doch sie hauten den Ball nicht rein, die Spieler der Grasshoppers. Zumindest vorerst nicht. Der haushohe Favorit, der an diesem Dienstagabend zum Jubiläumsspiel auf den Fussballplatz Chlösterli gekommen war, kam in der ersten Hälfte vor über 500 Zuschauern zwar zu vielen guten Chancen, doch entweder trafen die Profis das leere Tor nicht, oder Urdorfs Goalie Sven Gammel parierte die Torschüsse.

«Sven hat in einigen Situationen sehr gut reagiert», sagte Urdorfs Trainer Gianni Musumeci nach dem Spiel. «Aber wir standen defensiv auch sehr gut.» So gut, dass dem Gegner aus der Super League in der ersten Halbzeit kein Treffer gelang. Ein Teilerfolg für die Urdorfer, die von Beginn weg frech aufspielten. «Ich war überrascht, dass wir läuferisch mithalten konnten», sagte Slajdan Peric.

Doch je länger die Partie dauerte, desto deutlicher wurden die Unterschiede. Kurz nach Wiederanpfiff gingen die Gäste, die in der Pause komplett durchgewechselt hatten, durch Albion Avdijaj in Führung. Damit war der Bann gebrochen. Nach einer Stunde sorgte Ridge Munsy mit dem zweiten Tor für den Rekordmeister für die Vorentscheidung. Drei Minuten später traf Gjelbrim Taipi zum 3:0. Und die Grasshoppers hatten noch nicht genug. Zehn Minuten vor dem Ende der Partie schoss Julian Von Moos das 4:0, dann Munsy das 5:0 und nur eine Minute nach Munsys Treffer sorgte Avdijaj mit dem 6:0 für den Schlusspunkt.

Peric machte den Fallrückzieher

Am Ende ein verdienter Sieg gegen den FC Urdorf, der den Rekordmeister aus Anlass seines 50-Jahr-Jubiläums zum Freundschaftsspiel eingeladen hatte. Verdient, weil die Urdorfer in der zweiten Hälfte sehr viel dem Gegner hinterherlaufen mussten. «Nach 70 Minuten habe ich es schon gemerkt», sagte Peric, der als einer der wenigen Urdorfer durchgespielt hatte. «Es ist halt ein Klassenunterschied.»

Und dann kam noch die für die Urdorfer ungewohnt hohe Zuschauerzahl hinzu. Nervös sei die Mannschaft dadurch nicht geworden, und auch während des Spiels sei sie deswegen nicht aus dem Konzept gebracht worden, so Peric. «Ich habe die Zuschauer ehrlich gesagt gar nicht mitbekommen», sagte Peric. Nur, als er beim Stand von 0:1 im Strafraum der Grasshoppers auftauchte und per Fallrückzieher versuchte, das 1:1 zu schiessen, habe er die Anfeuerungsrufe der Zuschauer gehört: «Das hat mich sehr gefreut.»

«Es hat riesigen Spass gemacht»

Zwar hätte Peric wie seine Mannschaftskollegen gerne wenigstens einen Treffer gegen das grosse GC erzielt. Doch man könne trotzdem stolz sein. «Es hat riesigen Spass gemacht», so Peric. «Die Freude ist gross.»

Gianni Musumeci, FC -Urdorf-Trainer

«Das war ein Riesenerlebnis. Ich bin GC dankbar, dass wir diese Möglichkeit bekommen haben.»

Gianni Musumeci, FC -Urdorf-Trainer


Auch Musumeci freute sich über die Leistung seines Teams. «Das war ein Riesenerlebnis», sagte er. «Ich bin GC dankbar, dass wir diese Möglichkeit bekommen haben.» Doch was wurde aus seinem Vorhaben, GC-Trainer Thorsten Fink während des Spiels ein bisschen über die Schulter zu schauen? «Es ist interessant: Fink ist sehr zurückhaltend», sagte Musumeci. «Das ganze Spiel über stand er nie auf, er ist ein ganz anderer Typ als ich – sehr ruhig.»

Vermummte FCZ-Anhänger vor Ort

Ruhig blieb es übrigens auch im Anschluss ans Spiel, obwohl sich rund ein Dutzend vermummte FCZ-Anhänger auf den Weg zum Chlösterli gemacht hatten. Die Polizei hatte die Fans jedoch rechtzeitig abgefangen. Ohnehin war der harte Kern der GC-Fans nicht ins Chlösterli gekommen, es waren vorwiegend Kinder, die sich im GC-Leibchen zeigten.
Und so blieb das GC-Gastspiel bis zum Schluss friedlich. Selbst der GC-Fan, der sich in der ersten Halbzeit so sehr über die Leistung der eigenen Mannschaft echauffiert hatte, lächelte zufrieden. Grund: Er hatte auf ein 6:0 für GC getippt. «Ich hätte Millionär werden können», sagte er.