Unihockey 1. Liga
Krimi in den Schlussminuten: Limmattaler scheiden im Playoffhalbfinal aus

Unihockey Limmattal verliert die zweite Halbfinalpartie gegen die Zuger Highlands in der Verlängerung mit 8:9 und scheidet damit im Playoffhalbfinal aus. Die Limmattaler dürfen dennoch von einer gelungenen Saison sprechen.

Michel Sutter
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Lukas Wittwer (am Ball) sind zwei Tore gelungen.

Lukas Wittwer (am Ball) sind zwei Tore gelungen.

Nordwestschweiz

Die Partie zwischen Unihockey Limmattal und den Zuger Highlands war längst vorbei an diesem Samstagabend im Sportzentrum Tägi. Doch ein paar Limmattaler Spieler hatten nochmals auf der Spielerbank Platz genommen, die Köpfe gesenkt, die Blicke leer.

Einzig Trainer Michael Hunziker lächelte milde. Es war ein bittersüsses Lächeln. «Ich weiss nicht, was ich tun muss, damit wir bei Spielbeginn bereit sind», meinte er und zuckte mit den Schultern.

Start komplett verschlafen

Hunziker schien sich damit abgefunden zu haben, dass seine Limmattaler in allen Playoffspielen die Startphase verschlafen hatten. Schon in den drei Partien gegen Herisau waren sie jeweils mit 0:1 in Rückstand gegangen.

Und auch in der Serie gegen die Highlands mussten sie zu Beginn unten durch. Vergangene Woche hatten sie sich in den ersten 15 Minuten vier Gegentreffer eingefangen, am Samstagabend lagen sie nach zweieinhalb Minuten mit 0:2 im Rückstand – durch zwei abgelenkte Gegentore, wobei die Gäste gleich mit ihrem ersten Angriff erfolgreich waren.

Viele Eigenfehler

Dabei leisteten die Limmattaler diesmal Schützenhilfe, indem sie viele Abspielfehler im Spielaufbau begingen und so dem Gegner immer wieder hervorragende Konterchancen ermöglichten. Dieser nahm die Geschenke dankbar an und setzte Limmattal-Goalie Jonas Wittwer vor allem in der ersten Spielhälfte unter Druck.

Limmattal-Goalie Jonas Wittwer geriet in dieser Partie einige Male in Bedrängnis, hier kann Yannick Miller vor Highlands Gian Caprez retten.

Limmattal-Goalie Jonas Wittwer geriet in dieser Partie einige Male in Bedrängnis, hier kann Yannick Miller vor Highlands Gian Caprez retten.

Nordwestschweiz

Das führte so weit, dass Hunzikers Mannschaft im zweiten Drittel plötzlich mit vier Toren Differenz zurücklag und Glück hatte, dass Mario Merz von den Highlands drei Minuten vor Drittelsende nur den Pfosten traf. Ein weiteres Tor der Highlands hätte in dieser Phase wohl die Vorentscheidung in dieser spannenden und nervenaufreibenden Partie bedeutet.

Hinten nervös, vorne fahrlässig

Während die Limmattaler defensiv hektisch agierten, gingen sie offensiv zu fahrlässig mit ihren Chancen um. Beispielsweise im letzten Drittel der regulären Spielzeit. Beim Stand von 5:7 aus Limmattaler Sicht schoss erst Nicolas Gitonga den Ball knapp am Tor vorbei. Dann vergab auch Lorenz Kern eine gute Gelegenheit.

Dafür traf dann Sebastian Ladner ziemlich überraschend: Ladner zog vor der Mittellinie einfach mal ab, der Ball sprang vor Highlands-Goalie Janek Kohler unglücklich auf – 6:7. Nun setzte das Heimteam alles daran, den Ausgleich zu erzielen. Wenig später hätte das den Limmattalern gelingen müssen, doch der frei stehende Etienne Benz verfehlte das Tor nur knapp.

Timeout zeigt Wirkung

Dann sorgte Dario Küng, der am Ende der Partie zum Best Player seines Teams ausgezeichnet wurde, doch noch für den Limmattaler Ausgleich – 7:7. Die Limmattaler hatten wie schon so oft in dieser Saison Charakter bewiesen und einen Rückstand aufgeholt, analog zum ersten Spiel in dieser Serie.

Die Gäste hingegen schienen den Faden verloren zu haben und nahmen ein Timeout. Eine gelungene Massnahme: Kurz darauf erzielte Mario Merz das 8:7 für die Zuger, die Limmattaler waren wieder gefordert.

Dann nahm Hunziker sein Timeout, Jonas Wittwer machte einem sechsten Feldspieler Platz. Wenig später stand Benz wieder allein vor dem Tor, wieder kam er zum Abschluss, doch er schaufelte den Ball meterweit über die Querlatte. «So etwas ist eigentlich gar nicht möglich», meinte Hunziker.

Entscheidung in der Verlängerung

Langsam rannte den Limmattalern die Zeit davon. 45 Sekunden blieben noch zu spielen, Wittwer, der in sein Tor zurückgekehrt war, ging wieder raus, in Überzahl versuchten die Limmattaler, den Ausgleich doch noch zu erzielen.

Plötzlich stand Lorenz Kern ungedeckt vor dem Tor, zog ab – und traf zum 8:8 und damit zur Verlängerung. In dieser vergab Anthony Hotz die erste Torchance für die Gäste. Doch keine zwei Minuten waren gespielt, da traf Hotz zum 9:8 für die Highlands und damit zu deren Qualifikation für den Final.

Trotz Saison-Aus: «Es war geil»

«Die Zuger waren in dieser Serie cleverer, wir waren spielerisch besser», fand Hunziker, der das Aus in den Playoffs gelassen nahm. «Ich wollte am Schluss nicht mehr so emotional werden. Man darf nicht vergessen: Wir sind der Aufsteiger und haben das Halbfinale erreicht.»

Womöglich dürften die Ansprüche in der nächsten Saison noch höher sein, sofern die Mannschaft einigermassen zusammenbleibt. So oder so: Hunziker hofft, dass sein Spielsystem auch in der nächsten Saison weiter angewandt wird – selbst wenn er nicht mehr Trainer sein sollte. «Ich weiss noch nicht, ob ich bleibe», sagte er. «Aber es war geil, wie wir diese Saison gespielt haben.»