FC Dietikon
Krankheit und Sperre überstanden - Janicijevic greift wieder an

Einst war Milos Janicijevic ein grosses Talent, spielte im Nachwuchs beim FCZ. Eine ernsthafte Krankheit warf ihn zurück, genauso wie eine einjährige Sperre. Nun erhält der 23-Jährige beim FC Dietikon wieder eine Chance, die er unbedingt nutzen will.

Raphael Biermayr
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Vorhang auf für Milos Janicijevic - bei Dietikon will er voll angreifen.

Vorhang auf für Milos Janicijevic - bei Dietikon will er voll angreifen.

Raphael Biermayr

Milos Janicijevic wählt bewusst bedächtige Schritte, als er vom Parkplatz in Richtung Interviewtreffpunkt geht. Hat sich der
23-Jährige etwa an der Modenschau der Mannschaft von letzter Woche verletzt? «Nein, nein», beruhigt Janicijevic, «ich habe etwas kleine Socken und neue Schuhe an und will keine Blasen riskieren.» Seine Unversehrtheit ist eine gute Nachricht für den FC Dietikon.

Denn Janicijevic hat in seinen bisherigen Einsätzen überzeugt. Der Flügelspieler erzielte zwei Tore und bereitete zwei weitere vor. Einmal spielte er durch, fünfmal kam er zu einem Teileinsatz. Sein Wirkungsgrad ist hoch. Im Gegensatz zu den vielen Dribblern im Team ist er einer, der den direkten Weg in die Gefahrenzone sucht, also in den Strafraum eindringt oder an die Grundlinie rennt und flankt.

Vor nicht allzu langer Zeit dachte Janicijevic, dass er vielleicht nie wieder für ein Team rennen und flanken darf. Er war ein Jahr gesperrt gewesen, seit letztem Dezember darf er wieder eingesetzt werden. In einem 2.-Liga-Spiel für Srbija soll er einen Schiedsrichter attackiert haben. Janicijevic ist es noch heute unangenehm, darüber zu sprechen.

Krankheit warf ihn zurück

Es sei anders verlaufen als nach aussen dargestellt. Die Länge der Sperre sei das Resultat «einer Aufrechnung einiger Platzverweise» gewesen, die er im Amateurbereich gesammelt hat. Seine Erklärung dafür: «Als ich zu Srbija kam, war die Last gross, die auf meinen Schultern lag.» Ist er an den Ansprüchen der anderen gescheitert? «Vor allem an meinen eigenen», sagt er offen.

Als ehemaliges Talent des FCZ stand er in der 2. Liga natürlich im Fokus. Er zählt Admir Mehmedi zu seinen Freunden, «ich war nicht schlechter als er bei den Junioren». Nach einer unglücklichen Zeit bei den Grasshoppers zog es Janicijevic nach Winterthur. Dort warf ihn eine ernsthafte Krankheit zurück, die die Entfernung einer Niere nach sich zog. «Ich will nicht sagen, dass die Krankheit schuld daran ist, dass ich nicht Profi geworden bin. Aber sie hat mich psychisch belastet, ich verlor den Anschluss.»

Janicijevic hatte genug vom Leistungsbereich und wechselte zu United Zürich in die 3. Liga, wo er mit seinem Vater Dragoslav zusammenspielte. Der ist eine Legende in der Zürcher Fussballszene, er war unter anderen für YF Juventus und Altstetten aktiv. Vater und Sohn stiegen in die 2. Liga auf, Milos versuchte sich danach nochmals bei Winterthurs U21-Team, bevor die kurze Zeit im FC Srbija begann.

Noch nicht bei 100 Prozent

Im letzten Winter war der Flughafensecurity-Mitarbeiter in Probetrainings in Dietikon und schaffte es ins Team. Seither schaut er auch im sportlichen Bereich wieder nach vorn. «Ich bin froh, dass mir Goran die Chance gibt, wieder in der 1. Liga zu spielen.»

Goran Ivelj ist Dietikons Trainer. Auf Janicijevic angesprochen, sagt er: «Er ist nah an der ersten Elf, aber er kann noch viel mehr.» Das weiss auch der Spieler. «Konditionell bin ich noch nicht bei hundert Prozent. Ich brauche das halbe Jahr bis zum Saisonende, um wieder fit zu werden. Erst dann kann ich dem Team wirklich helfen.»

Die Dietiker haben nach einem vielversprechenden Rückrundenauftakt an Terrain eingebüsst. Der mickrige Punkt aus den letzten beiden Spielen gegen die schwächer klassierten Team Ticino und Thalwil haben zur Folge, dass der Aufsteiger FCD selbst wieder in den Abstiegsstrudel gezogen worden ist. Am kommenden Samstag gastiert Balzers zum nächsten Match in Dietikon. «Wir haben genug Qualität in der Mannschaft, um uns nach vorn zu orientieren», ist Janicijevic überzeugt. Er selbst steht dafür.