Kunstturnen
Käslin weg – nun ist sie das Mami

Die Urdorferin Linda Stämpfli startet am Samstag in Tokio zu ihrer vierten WM. Mit ihren 23 Jahren ist Stämpfli nach dem Rücktritt der Weltklasse-Turnerin Ariella Käslin nun die Älteste im Schweizer Team.

Melanie Wirz
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Linda Stämpfli weiss, wie der Hase läuft. Nach 2005, 2006 und 2010 bestreitet sie dieses Jahr in Tokio bereits ihre vierte WM. «Ich freue mich riesig, mit der Schweizer Delegation nach Japan zu reisen», sagte die Urdorferin wenige Stunden vor dem Take-off im Flughafen Zürich. Bereits im Vorfeld wurden klare Erwartungen an die Schweizer Turnerinnen gestellt. In der Mannschafts-Wertung wird mit Rang 16 ein hohes Ziel angestrebt.

Was ihre Einzelergebnisse anbelangt, bleibt Stämpfli bescheiden: «Ich möchte mich nicht selber unter Druck setzen. Mit einem sturzfreien Wettkampf und verhältnismässig guten Noten bin ich schon zufrieden.» Die Urdorferin hat eine problemlose Vorbereitung hinter sich. «Ich fühle mich vollkommen fit. Keine Verletzungen, die mich plagen oder sich wieder bemerkbar machen. Die Vorbereitung war hart, aber effizient.»

Grund zur Nervosität?

Als nervös würde sich die Handelsschülerin vor dem Grossanlass nicht bezeichnen. «Die Vorfreude überwiegt ganz klar.» Auch nicht, wenn das Thema Ariella Käslin angesprochen wird. Mit ihren 23 Jahren ist Stämpfli nach dem Rücktritt der Weltklasse-Turnerin nun nämlich die Älteste im Team. «Der Rücktritt von Ariella hat unser Team schwer getroffen, doch es gibt auch eine Ära nach Käslin – das werden wir nun beweisen», so die Limmattalerin selbstbewusst. «Ich fühle mich nicht als Mami des Teams und muss nicht mehr Verantwortung übernehmen. Alle Mädchen sind sehr selbstständig und verantwortungsbewusst. Sie wissen, worum es geht», sagt die Urdorferin und lacht.

Falls die Schweizer Turnerinnen nämlich ihr Ziel erreichen und an der WM den 16. Platz einnehmen, bekommen sie am olympischen Testevent im Januar 2012 in London eine zweite Möglichkeit, sich für die Olympischen Sommerspiele zu qualifizieren. Und diese Chance will auch Stämpfli nutzen: «Worauf wir wirklich setzen, ist die Teamwertung. Denn die könnte uns eher ein kleines Stück näher an Olympia bringen» – ein kleines Stück näher also an ihren bisher unerfüllten Kindheitstraum.

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