Handball
Karsten Hackel und der HC Dietikon-Urdorf vor der entscheidenden Phase

Es ist möglich, dass schon am Samstag das 1200. Tor in der laufenden Meisterschaft in einem Match mit Beteiligung des HC Dietikon-Urdorf fällt. Spätestens aber in der übernächsten Partie, der 21. der Spielzeit, wird das der Fall sein.

Raphael Biermayr
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«Jedes dieser Spiele ist ein Endspiel», sagt Karsten Hackel.

«Jedes dieser Spiele ist ein Endspiel», sagt Karsten Hackel.

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1200 – eine ungeheure Zahl. Das Torverhältnis von 520:596 nach 19 Partien steht für den Paradigmawechsel bei den Limmattalern. Nach dem erneuten Abstieg aus der NLB im Jahr 2009 gaben die Trainer jeweils die Devise «Safety First» aus. Jahrelang lautete das Rezept, aus einer möglichst stabilen Deckung heraus und einem überdurchschnittlichen Torhüter zu agieren. Und vorn hoffte man auf den lieben Gott und Daniel Imhof.

Unter Karsten Hackel heisst es in dieser Saison: Egal, wie viele Tore der Gegner schiesst – wir müssen eins mehr erzielen. Es ist nach vielen Jahren eine Rückkehr zum schnellen Gegenstoss. In der von Hackel verordneten Kompromisslosigkeit ist diese Taktik allerdings noch nie da gewesen in der jüngeren Vergangenheit. Nach Abschluss der Qualifikation wird der HCDU mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sowohl am meisten Tore erzielt als auch am meisten erhalten haben in den fünf Spielzeiten seit dem letzten NLB-Auftritt.

Schonungslose Einschätzung

Karsten Hackel ist wie sein Vorgänger Claude Bruggmann ein Mann der klaren Worte. Der Deutsche benennt die Limiten der Mannschaft schonungslos. «Ich habe von Beginn weg den Schwerpunkt auf das Tempospiel gelegt. Ganz einfach, weil wir keine anderen Möglichkeiten haben. Physisch und technisch sind die meisten zu wenig gut, um konstant gut zu decken. Und in der Offensive haben wir zu wenig Qualität, um Auslösungen einzustudieren, deshalb habe ich ganz darauf verzichtet.»

Die Abhängigkeit von Einzelspielern und der Tagesform sei enorm hoch. «Wenn, wie geschehen, Spieler wie Burla oder Imhof verletzt ausfallen, oder Tiefenauer einen schlechten Tag einzieht, schwächt uns das extrem. Das können wir nicht so einfach kompensieren.»

Deshalb sieht Hackel die bisherige Ausbeute von 13 Punkten – gleich viele wie nach 19 Partien der Vorsaison – als überraschend an. «Ich hätte ehrlich gesagt nicht gedacht, dass wir so lange eine Chance haben, der Abstiegsrunde zu entgehen», führt er aus.

Kampf gegen die Relegation

Der elftplatzierte HCDU trifft in den letzten drei Matches ausnahmslos auf direkte Kontrahenten im Kampf gegen die Relegation. Der samstägliche Gegner Arbon (18 Uhr, Zentrum, Urdorf) ist zwar Fünfter, hat aber nur vier Punkte mehr auf dem Konto und darüber hinaus ein Match mehr ausgetragen. Danach folgen die Auswärtspartien gegen GC Amicitia und Romanshorn.

Die extreme Ausgeglichenheit der Gruppe 1 ist nach Hackels Argumentation ein Segen für sein Team. Der 32-Jährige ist deshalb enttäuscht von Stimmen aus dem Vereinsumfeld, die die seiner Ansicht nach über Erwarten gute Leistung der Mannschaft nicht honorieren. «Vor der Saison gab es Leute, die sagten, wir würden keinen Punkt holen. Mittlerweile haben sich die Ansprüche verschoben. Es heisst, wir sollten mehr Wert auf die Defensive legen. Das würde aber nicht dem entsprechen, was wir die ganze Saison über trainiert haben.» Kommt dazu, dass mit Fabian Beltrami der Leader am eigenen Kreis verletzt ausfällt.

Hackels Erwachen

Apropos Training: Auch Karsten Hackel sind die Realitäten im HCDU mittlerweile vor Augen geführt worden. Der Trainingsbesuch kollidiert traditionell mit den Ansprüchen des Trainers. Diesem sind die Hände gebunden: Die Spieler sind im Ermangelung von Konkurrenzdruck und finanzieller Handhabe nicht zu mehr Zeit zu bewegen, die sie von sich aus für ihr Hobby investieren wollen. In den vergangenen Wochen habe sich der Schlendrian eingeschlichen. Der überaus engagierte Hackel fühlt sich in seiner Hingabe allein gelassen. Der Vertrag für die kommende Spielzeit ist von ihm noch immer nicht unterschrieben. «Ich habe der Mannschaft mitgeteilt, was ich von ihr verlange», sagt der Trainer, und fügt vielsagend hinzu: «Ich für meinen Teil gebe alles, um den Ligaerhalt zu schaffen.»

Um es auf direktem Weg zu schaffen, sind nach Hackels Rechnung sechs Punkte aus den letzten drei Partien nötig. «Jedes dieser Spiele ist ein Endspiel», sagt er.