Kampfsport
Kampfsport bringt Körper und Geist in Einklang

Der Markt für Kampfsport-Schulen floriert im Kanton Zürich. Richard Fiereder distanziert sich mit seiner Schule in Urdorf klar vom Mainstream.

Von Olivier Winistörfer
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Richard Fiereder (links) gibt sein Wissen in Urdorf weiter.

Richard Fiereder (links) gibt sein Wissen in Urdorf weiter.

Oliver Winistörfer

«Wenn Sie sehen wollen, wie man sich die Köpfe einschlägt, dann sind Sie aber hier bei den Falschen», erklärt Richard Fiereder schon im Voraus. Auch zuschauen gebe es bei ihnen nicht, forderte er weiter. So wird auch der Laie mit in das Zusammenspiel zwischen Körper und Geist eingebunden. Stille prägte den Trainingsraum in Urdorf, Konzentration und Aufmerksamkeit waren gefordert. «Kampfkunst ist kein Sport. Bei uns geht es nicht darum, am meisten Punkte zu hamstern. Wir wollen unseren Körper im Einklang mit unserem Geist halten und beide durch die Übungen aktivieren.»

Dass die Übungen alles abfordern, erkennt man schnell. Neben der physischen Intensität muss man eine enorme Konzentration aufweisen, um die Bewegungen richtig auszuführen und nicht in der Choreografie verloren zu gehen. «Natürlich wurden diese Techniken dazu ausgereift, sich zu verteidigen oder auch einen Gegner auszuschalten, wir betrachten auch diese Seiten, aber dass es hinter all diesen Bewegungen einen grösseren Sinn haben muss, erkennen viele aber erst spät», sagt Richard Fiereder ruhig.

Seit 18 Jahren Lehrer

Der 47-jährige Affoltermer muss wissen, wovon er redet, denn schon seit über dreissig Jahren beschäftigt er sich mit Kampftechniken, davon mehr als achtzehn Jahre als Lehrer. Er betrieb zuerst Judo und Karate und legte damit die Basis, um in diese Welt der asiatischen Künste einzutauchen. Als er sich dann entschloss, mehr darüber zu lernen, begab er sich nach Taipeh, um dort von Dr. Peng zu lernen. «Es war seltsam. Mein Traum von dem Kloster auf dem Berg mit den blinden Mönchen wurde durch die Betonwelt Taipehs zerstört», schildert Fiereder seinen ersten Eindruck in der Millionenmetropole.

Er scheint in den Erinnerungen der Hauptstadt Taiwan und seiner ersten Begegnung mit seinem Lehrer zu schwelgen und fügt dann ruhig hinzu: «Peng sagte als Erstes, dass er mich töten werde – das hat er auch getan.» Er habe so viel von dem Meister gelernt, das seine Weltsicht beeinflusst habe. Er habe ihn zu einem «umgepflügten Acker» und so zu einem neuen Menschen gemacht. Er nehme seither die Welt um ihn herum ganz anders wahr: «Ich habe gelernt, dass Vorurteile nichts bringen sowie die Wertung von Gut und Schlecht. Ich konnte mich von solchen Dingen lösen und kann die Welt jetzt einfach geniessen.»

Der Architekt im Dienste des Kantons Zürich ist sehr gefragt. So kommen gar Schüler aus Chur nach Urdorf, um von ihm und mit ihm zu lernen. «Er ist einfach der Beste in der Schweiz. Da nehme ich die weite Reise gerne in Kauf», sagt Schüler Reto aus St. Gallen. Die Gruppe von acht Leuten treffe sich jede Woche. Fiereder sagt: «Ich will kein Geld mit meinem Wissen machen. Ich glaube, dass ich so nicht mit der gleichen Leidenschaft dabei wäre, wenn ich es aus finanziellen Gründen machen würde.» Bis auf einen Beitrag zur Deckung der Lokalmiete würde er kein Geld verlangen.