Zwei bis vier Stunden Laufen, Schwimmen oder Velo fahren – das gehört zum täglichen Programm von Jürg Mallepell. Zurzeit trainiert der Urdorfer wieder fleissig, nachdem er bis Ende April mit dem Training aussetzen musste. Schuld war eine Ikone des Motorsports: Jim Clark. «Sein Todestag jährte sich am 7. April zum 50. Mal», sagt Mallepell, der zusammen mit seiner Frau eine Ausstellung über den schottischen Formel-1-Fahrer unterhält. «Eine Reise nach Schottland und ein erheblicher Mehraufwand für unsere Ausstellung auf dem Hockenheim-Ring waren die Folge, ebenso wie die Publikation einer Gedenkzeitschrift. An einen geregelten Trainingsaufbau war nicht zu denken gewesen.»

Den Trainingsbetrieb nahm der 64-jährige Triathlet vom Tri Team Limmattal im Mai und im Juni wieder auf, musste allerdings auf den Start in Rapperswil verzichten, wo er letztes Jahr Vierter geworden war. «Ich musste all meine Energie wieder ins Training stecken», so Mallepell. Dieses passte er an. «Ich habe das Krafttraining umgestellt und neu mit Freihanteln trainiert. Zudem habe ich Spinning in mein Trainingsprogramm integriert.» Mit Erfolg: Bei seinem ersten Saisonrennen in Zug Mitte Juni über die Kurzdistanz wurde er Dritter. «Ich war sehr zufrieden,» sagt Mallepell. «Die Richtung stimmte.»

Das bewies Mallepell auch zwei Wochen später, als er Anfang Juli beim Ironman Austria in Klagenfurt startete. Dort holte er in seiner Kategorie ebenfalls den dritten Rang. Und das, obwohl er mit einem engen Zeitplan zu kämpfen hatte. «Wir sind am Freitag angereist, am Samstag registrierte ich mich und machte noch eine lockere Schwimmeinheit», sagt Mallepell. «Am Sonntag war der Wettkampf.»

Eigentlich wären Mallepell und seine Frau noch gleichentags zurückgereist. Doch da sich der Urdorfer den Podestplatz ergattert hatte, wurde er auch zur Siegerehrung eingeladen, die allerdings erst am Montag stattfand. «So blieben wir eine Nacht länger», sagt er.

Marathon als Fokus

Doch wichtiger als der Spitzenrang war Mallepell die Analyse des Marathons, der auf die 3,8 Kilometer Schwimmen und die 180 Kilometer Radfahren folgte. Auf diesen hatte der Urdorfer in diesem Jahr den Fokus gelegt, und das nicht ohne Grund. «In den letzten Jahren waren meine Zeiten beim Laufen immer schlechter geworden», sagt der Urdorfer. «Letztes Jahr stoppten die Uhren bei vier Stunden und 30 Minuten. Diese Spirale galt es zu unterbrechen.» Das gelang Mallepell: Er konnte seine Zeit auf der über 42 Kilometer langen Strecke im Vergleich zum letzten Jahr um rund 20 Minuten unterbieten, pro Kilometer benötigte er knapp sechs Minuten.

Zeit sparte er sich wohl auch wegen der Strategie, nur jede zweite Verpflegungsstation anzulaufen. «Das ist eine reine Kopfsache, aber es klappte. Weniger war mehr», so Mallepell. «Hinzu kommt, dass ich keine grössere Krise hatte und regelmässig durchlaufen konnte.» Beim Überqueren der Ziellinie sei er deshalb total erleichtert und zufrieden gewesen.

Höhere Altersklasse in 2019

Das gute Abschneiden in Klagenfurt ändert allerdings nichts an Mallepells Vorhaben, in diesem Jahr nicht aufs Ganze zu gehen. «Ich gehe am 22. September noch beim Ironman Italy in Cervia an den Start», sagt er. Doch das Rennen diene ihm mehr als Standortbestimmung, die Qualifikation für den Ironman World Championship auf Hawaii im Oktober, wo er vor zwei Jahren Vierter wurde, ist kein Thema. «Wenn ich nochmals auf Hawaii starten könnte, dann nur unter den besten Voraussetzungen», sagt Mallepell. «Dazu gehört, dass die Altersklasse stimmen muss.» Denn der Urdorfer startet derzeit in der Altersklasse 60 bis 64, womit er in dieser Kategorie zu den Ältesten gehört – ein Nachteil, wenn man gegen Triathleten antreten muss, die bis zu fünf Jahre jünger sind. «Das merkt man natürlich schon», sagt er.

Diesen Nachteil wird Mallepell im nächsten Jahr nicht mehr haben. Dann startet er nämlich in der Altersklasse 65 bis 69, womit er wieder zu den Jüngsten gehören wird. Ein Ansporn für den Urdorfer, nochmals Vollgas zu geben, wie er sagt. «Und dann ist auch die Qualifikation für Hawaii wieder ein Thema», so Mallepell. «Vorausgesetzt natürlich, die Gesundheit erlaubt es mir.»