Es ist nicht gerade das Wetter des João Carvalho do Nascimento – der von allen liebevoll «João» genannt wird. Seit zwei Jahren lebt der 42-jährige Familienvater von drei Kindern mit seiner Schweizer Ehefrau in Dübendorf. «Es ist schon sehr kalt und der Schnee ist immer noch ungewohnt für mich. Aber der für den Futsal ist es die schönste Zeit. Wir können vom schlechten Wetter in die Halle flüchten und ein wenig ‹Summer Feeling› aufkommen lassen», so João. Er habe sich in der «sehr mechanischen Schweiz» so weit gut eingelebt.

Vor allem die Jobsuche fällt dem studierten Sportwissenschafter aber immer noch sehr schwer. «Ich lasse keine Chance aus, eine Arbeit zu finden. Ich habe alles versucht: als Reinigungskraft, auf der Baustelle, Sportlehrer. Doch meine fehlenden Sprachkenntnisse in Deutsch schreckten viele Arbeitgeber ab.» Doch João gibt nicht auf und übt in der Zwischenzeit fleissig Deutsch. Momentan trägt er Zeitungen aus und trainiert das NLA-Futsal-Team Mobulu von der Universität Bern.

Futsal - die Randsportart

Zudem ist der Brasilianer als Konditionstrainer des Tennisnachwuchses im Sanapark engagiert. Im Café des Sanaparks treffen wir auf Joao samt Anhang. Mit dabei: seine beiden Kinder João Antonio (6), Brenda (13) und Lukas, sein Neffe und Dolmetscher. Er muss aber nur selten intervenieren – mit Händen, und IPhone als zusätzliche Hilfe gibt João seine Antworten.

Futsal ist in der Schweiz noch eine Randsportart. Mit einem speziellen Ball wird auf den kleinen Spielfeldern (ca. 20×35m) Hallenfussball gespielt. «Es geht um Tempo, Spielfreude und vor allem Technik. In Brasilien spielen alle Kinder zuerst Futsal und dann erst gehen sie auf das grosse Feld. Futsal ist die optimale Ausbildung zum Fussballer.» Der Vergleich Futsal und Fussball stellt Joao folgendermassen dar. «Im Kindergarten sind die Kinder noch frei, sie zeichnen wild drauflos, spielen und rennen frei herum, Freude pur. Ohne grossen Leistungsdruck – wie im Futsal eben. Die Sekundarstufe repräsentiert den Fussball. Es geht um Genauigkeit, die Buchstaben müssen genau auf der Linie sein, wie die Viererkette im Fussball.»

Joao kann nicht verstehen, warum in der Schweiz nicht mehr Kinder Futsal spielen. «In Brasilien wachsen die Kinder mit dem Futsal auf. Auf den engen Strassen spielen sie zwei gegen zwei, drei gegen drei und lernen so die Ballbehandlung, welche die Europäer an den Weltmeisterschaften jeweils bewundern. Sie finden immer einen Weg, Fussball zu spielen. In der Schweiz hätten die Kinder alles: die gute Organisation, die vielen Hallen und trotzdem gehen viele lieber Ski fahren. Das würde ich gerne ändern», sagt João lachend. Sein Können und seine Erfahrung im Futsal – er führte verschiedene Fussballschulen in Brasilien – will den Kindern weitergeben. René Schneider vom Sanapark sieht viel Potenzial im Futsal: «Die Sportart fördert die Koordination, das Ballgefühl und auch Ausdauer braucht es.»