Es gibt wenig, das sie nervös macht. Vor einer Menschenmasse aufzutreten, gehört dazu. Tanja Schärer wurde die Ehre zuteil, die 1.-August-Rede in ihrer Wohngemeinde Urdorf zu halten. Sie schilderte Erlebnisse und Erfahrungen aus dem Leben als Leistungssportlerin, gespickt mit Sichtweisen von Konkurrentinnen auf die Schweiz. «Ich war sehr aufgeregt. Es ist nicht leicht, eine Rede zu einem freien Thema zu halten», sagt Schärer über diese Erfahrung.

Wesentlich leichter fällt ihr, sich mit Ski an den Füssen Hals über Kopf über eine Schanze zu stürzen. Die 23-Jährige ist gegenwärtig in Finnland, wo sie sich auf die Weltcupsaison vorbereitet. Sie ist bereits ein alter Hase, es ist ihre fünfte, sie nahm vor zwei Jahren an Olympischen Spielen teil.

Zwei Voraussetzungen sind aber anders als früher. Einerseits hat Schärer etwas zu verteidigen: Im vergangenen Jahr stand sie erstmals auf einem Weltcuppodest. In Minsk gewann sie Silber. «Wenn man mal auf dem Podest stand, will man natürlich nicht nochmals von vorn anfangen», sagt Schärer zur Ausgangslage. Wenngleich: Das Hauptaugenmerk liegt auf der sauberen Ausführung der neuen Sprünge, schliesslich liegt ihr Fokus auf den Olympischen Spielen von Sotschi 2014. Um den Quotenplatz für die Schweiz zu sichern, muss sie über die nächsten zwei Jahre hinweg in den Top 25 liegen. Etwas ehrgeiziger ist die Qualifikation für die Freestyle-Weltmeisterschaften vom kommenden März in Voss-Oslo, wo Schärer eine Finalqualifikation (Top 12) anstrebt.

Noch nicht bereit für Dreifachsalto

Andererseits ist sie, was die Anzahl der Trainingstage angeht, so schlecht vorbereitet wie nie zuvor. Eine Krankheitsphase und ein Handbruch kosteten sie mehrere Wochen auf der Wasserschanze. Über Facebook meldete sie Ende August nach ihrem Sieg am Sommer-Wettkampf in Mettmenstetten erleichtert: «Ich bin wirklich glücklich zu wissen, dass ich auf dem richtigen Weg bin hinsichtlich des nächsten Winters.»

Der Grund dafür: Sie konnte bereits alle Wettkampfsprünge zeigen, die sie sich für den Winter vorgenommen hat. Darunter auch den neu einstudierten Double Full Full, also ein Doppelsalto, gefolgt von einem Salto mit zwei Schrauben, gefolgt von zwei Salti und einer Schraube – das alles in Sekundenfrist.

Zurückgestellt hat sie den Dreifachsalto. «Dafür bin ich mental noch nicht bereit», erklärt die Urdorferin offen. Bis zu den Weltmeisterschaften warten sechs Weltcupwettkämpfe auf die Vielfliegerin. Der Auftakt erfolgt am 5. Januar im chinesischen Changchun. Die Limmattalerin verbindet diese Reise mit einem vorgängigen Aufenthalt in Peking. Dafür opfert sie erstmals den Silvester in der Schweiz.