Unihockey
«Jeder hat gewusst, wann für mich die Schmerzgrenze erreicht ist»

Lukas Kunz trat als Trainer von Limmattal nach nur sechs Monaten zurück. Wer ist der Mann, der nach nur drei Niederlagen in Folge den Tabellenvierten der 2. Liga verlassen hat?

Jonas Burch
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Auch wenn das Happy End gefehlt hat: Lukas Kunz (l.) hat bei seiner ersten Station als Trainer einer Aktivmannschaft wichtige Erfahrungen für die Zukunft gesammelt.

Auch wenn das Happy End gefehlt hat: Lukas Kunz (l.) hat bei seiner ersten Station als Trainer einer Aktivmannschaft wichtige Erfahrungen für die Zukunft gesammelt.

Otto Lüscher

Lukas Kunz ist ein Mann der klaren Worte. Er hat es schon zu Beginn gesagt, auch wenn es nicht alle wahrhaben wollten. Verliert der 2.-Ligist Limmattal drei Mal in Serie, gibt er als Trainer seinen sofortigen Rücktritt bekannt. Nach einer glänzenden Vorrunde folgte in der Rückrunde die Ernüchterung. Leaderposition weg und der Fall auf Rang 4. Nach den Niederlagen gegen Bremgarten, Uster und Brugg war auch der unrühmliche Pleite-Hattrick komplett. Und Kunz liess seinen Worten Taten folgen.

Lukas Kunz, haben Sie ein schlechtes Gewissen?

Lukas Kunz: Nein, überhaupt nicht. Wieso auch?

Weil sich die kriselnde Mannschaft möglicherweise im Stich gelassen fühlt, wenn der Trainer in so einer Situation sein Handtuch wirft.

Die Ausgangslage war klar. Jeder wusste, wenn wir drei Mal verlieren, werde ich per sofort aufhören. Dies, weil für mich ab dann eine Schmerzgrenze erreicht ist und mir folglich auch der Reiz fehlt. Ausserdem habe ich im Verlauf der Rückrunde auch das Vertrauen innerhalb der Mannschaft vermisst. Vieles wurde unnötig hinterfragt, entsprechend unbefriedigend wurden auch unsere Leistungen auf dem Feld.

Die Mannschaft war überraschend Leader. Wurde der Druck zu gross?

Es war nicht einfach, mit dieser ungewohnten Situation umzugehen. Der mögliche Aufstieg wurde uns zum Verhängnis. Wir haben die Konzentration verloren, einige wollten das Training umstellen. Anstatt alles so zu belassen, wie es war, schaffte der Gedanke an einen möglichen Aufstieg viel Nervosität. Auch, weil eine solche Situation bis dahin völlig neu war.

Inwiefern üben Sie auch Selbstkritik?

Natürlich nehme auch ich mich als Trainer in die Pflicht. Mitte November ging ich für drei Wochen nach China. Da ich keinen Assistenten an meiner Seite habe, überliess ich das Team sich selbst. Als ich zurückkam, war einiges anders, daran gebe ich mir sicher eine gewisse Mitschuld. Es spielten letztlich viele Faktoren zusammen.

Mit der 6:8-Heimniederlage gegen Brugg wurde Ende Februar die dritte Niederlage in Serie besiegelt. Wie haben Sie Ihr «Abschiedsspiel» erlebt?

Bereits in den Partien zuvor konnten wir nicht überzeugen. Die Niederlage gegen Bremgarten ging in Ordnung, nach der «Finalissima-Pleite» gegen Waldenburg war sowieso klar: Ein Aufstieg ist ab sofort nicht mehr möglich. Entsprechend war auch der Frust im Team. Gegen Brugg habe ich das System dann nochmals umgestellt und neue Spieler gebracht. Genützt hats am Ende nichts.

Wie waren die Emotionen direkt nach der Schlusssirene?

Für mich war immer noch klar, dass meine Zeit jetzt zu Ende sein wird. In einer emotionalen Rede habe ich in der Garderobe nochmals mit der Mannschaft gesprochen und ihnen meinen Entscheid definitiv mitgeteilt. Danach habe ich die Umkleidekabine verlassen und bin nach Hause gefahren. Also habe ich die direkte Reaktion gar nicht mitbekommen. Ich denke, das war letztlich der richtige Schritt.

Haben Sie die Spieler seither wiedergesehen?

Nein, niemanden.

Gab es dennoch Reaktionen?

Mit ein paar Tagen Abstand haben einzelne Spieler begonnen, sich zu melden. Die Reaktionen waren grösstenteils positiv. Sie dankten mir für die Arbeit und sind traurig, dass ich nicht mehr dabei bin. Natürlich gab es auch negative Rückmeldungen. Allerdings nur sehr wenige.

Sie sind bei der U16 bereits Anfang Februar zurückgetreten. Böse Zungen können nun behaupten, Sie hätten den Abgang als 2.-Liga-Trainer auch ein wenig provoziert?

Das entspricht natürlich zu 100 Prozent nicht der Wahrheit. Ich habe sogar mit der Planung für die nächste Saison begonnen und erste Gespräche mit möglichen Neuverpflichtungen geführt. Deswegen hätte ich die Saison auch gerne zu Ende gemacht. Bei der U16 war das Problem ein anderes. Mit Grossfeld-Junioren regelmässig auf einem Kleinfeld zu trainieren, ist auf Dauer nicht zumutbar.

Klare Worte. Wie Ihr Verhältnis zu Limmattal nach dem Rücktritt?

Immer noch genau gleich. Es war eine Trennung im Guten, es gibt absolut kein böses Blut auf beiden Seiten. Auch wenn ich keine Funktion mehr im Verein habe, werde ich auch in Zukunft regelmässig die Spiele der Mannschaft besuchen.

Gegen Schwarzenbach hat Limmattal auch das vierte Spiel in Serie verloren. Was fehlt der Mannschaft zum Spitzenteam?

In der Vorrunde lief alles hervorragend. Vielleicht auch zu gut. Das grösste Problem innerhalb der Mannschaft liegt sicher im mentalen Bereich. Auf schnelle Tore folgen schnelle Gegentreffer. Ausserdem haben viele die Nerven nicht im Griff und schwächen das Team in entscheidenden Situationen mit Strafen erheblich. Letztlich kommt eine solche Niederlagen-Serie, wie sie jetzt der Fall war, nicht von ungefähr. Auch die Trainingspräsenz einzelner Spieler war schlicht ungenügend. Die Spieler müssen bereit sein, mehr Seriosität zu zeigen. Wenn man nur Spass haben will, muss man nicht von Aufstieg reden.

Fristet der Verein auch deshalb ein Schattendasein im Limmattal?

Natürlich wären wir froh darüber, wenn die Gemeinden mehr Interesse zeigen würden. Schliesslich repräsentieren wir nicht einen Ort, sondern eine Region. Aber es ist ein ständiges Geben und Nehmen. Mit inkonstanten Leistungen wird es auch schwer, das öffentliche Interesse zu wecken. Trotzdem: Wenn die U18-Junioren spätabends erst nach den Fussballveteranen trainieren dürfen, ist die Lage natürlich unbefriedigend. Mit vereinzelten Events in den Gemeinden haben wir aber gute Erfahrungen gemacht. Das muss man weiter fördern.

Für Sie war Limmattal die erste Station als Trainer einer Aktivmannschaft. Welche Erfahrungen nehmen Sie mit?

Grundsätzlich positive. Vor allem die Vorrunde war eine unvergessliche Erfahrung. Im Nachhinein muss ich aber zugeben, dass ich nach den vielen Erfolgen in der Vorrunde zu früh mit der Forderung nach Strenge und Disziplin nachgelassen habe.

Apropos Zukunft. Wie gehts bei Ihnen jetzt weiter?

Ich unterstütze die U21 von Lok Reinach als Trainer bei den Aufstiegsspielen in die A-Klasse. Danach ist alles offen. Schafft die Mannschaft den Aufstieg, könnte ich mir durchaus vorstellen, weiter dort zu bleiben. Ein langjähriger Gedanke von mir ist es auch, in baldiger Zukunft auszuwandern.

Ist eine Rückkehr zu Limmattal ausgeschlossen?

Im Gegenteil. Ich wäre sicher irgendwann wieder offen, die 1.Mannschaft zu übernehmen. Aber ich bin ein Trainer mit Ambitionen, will sicher ein Team übernehmen, bei dem der sportliche Ehrgeiz oberste Priorität geniesst.

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