Es ist 22.13 Uhr, als Andrea Roselli in Thalwil kurz die Arme nach oben reisst und sich über den dritten Sieg seines Teams en suite freut. Zeit ist ein kostbares Gut, von dem er in Geroldswil fast keine mehr hatte, sich selbst keine mehr gegeben habe, wie er ausführt: «Mein Assistent Antonio Miraglia und ich gaben uns genau noch das Spiel gegen Engstringen. Bei einer Niederlage wäre ich weg gewesen. Ich bin kein Trainer, der fünf Mal in Folge verliert.» Als er das sagt, steht Roselli im warmen Licht eines Scheinwerfers. Wenige Wochen zuvor beschien ihn das Scheinwerferlicht grell.

Vereinspräsident Steven Meier sprach in dieser Zeitung davon, dass ein Trainerwechsel ein Thema sei. «Ist Rosellis Zeit in Geroldswil abgelaufen?» stand auf der Frontseite neben dessen verärgertem Konterfei. «Mein Chef im Büro gratulierte mir zu dem schönen Foto», merkt Roselli in Thalwil mit einem breiten Grinsen an. Ein Grinsen, das zeigt: Die Welt ist wieder in Ordnung auf der Werd.

Am Anfang der Erfolgsserie stand eine Aussprache vor dem Engstringen-Match zwischen den Trainern und den Spielern. «Ich wollte keine Vertrauensbekundungen, sondern wollte klarstellen, dass es so nicht weitergehen kann und ich gehe, wenn die Mannschaft ihre Einstellung nicht ändert.» Sie änderte sie, wohl aufgeschreckt durch die Worte. Die Siege gegen Engstringen (3:1), Seefeld (3:1) und Thalwil (4:2) sind das Wichtigste, für die Nachhaltigkeit entscheidend sind aber die wieder eingekehrte Spielfreude und die Überzeugung. Bezeichnend dafür ist der jüngste Erfolg: Der FCOG spielte fast 60 Minuten zu zehnt, sah in der 77. Minute seinen 2:0-Vorsprung verspielt und gab sich trotzdem nicht auf. «Die Mannschaft hat wieder Charakter», sagt Roselli. Dafür wird diesmal ein freundlicheres Bild publiziert.