Judo
In Dietikon wird eine Philosophie weitergegeben

Der Judoklub Dietikon gibt Judokas aller Altersklassen etwas über den sanften Weg mit – das beginnt damit, dass die Trainingshalle nicht mit Schuhen betreten werden darf, und hört mit einem Übungskampf auf, bei dem sich die Kämpfer beweisen können.

Von Fabian Tschamper
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Judo ist dazu geeignet, Freundschaft und gegenseitiges Gedeihen Wirklichkeit werden zu lassen. Judo will Körper und Geist in der wirksamsten Weise einsetzen. Im Judo spiegeln sich hohe ethische Werte wie Ritterlichkeit, Bescheidenheit und Selbstdisziplin. So beschreibt Charles Zollinger im Judo-Lehrhandbuch den Sport. Genau diese Werte werden auch in Dietikon gewürdigt und gelehrt.

Es beginnt schon damit, dass die Trainingshalle nicht mit Schuhen betreten werden darf. Bevor ein Judoka die Matte betritt, bezeugt er seinen Respekt gegenüber dem Dojo und dem Gründer des Judo – dessen Portrait oft die gegenüberliegende Wand ziert – und vollführt einen stehenden Gruss. Danach stellen sich alle Judokas auf eine gerade Linie, absteigend nach Gürtelgrad. Der Trainer befindet sich gegenüber und geht zur Begrüssung als Erster in die Knie. Sobald alle kniend auf der Matte sind und komplette Stille herrscht, steht man auf und begrüsst sich noch einmal im Stehen.

«Diese Art der Begrüssung ist nicht allgemein, wir machen das so. Bei manchen wird das zusätzliche Begrüssen im Stand weggelassen», erklärt Erika Allenspach, Mittrainierende beim Judoklub Dietikon. Nach dem anfänglichen Ritual beginnt wie in jeder anderen Sportart das Aufwärmen mit Konditions- und Kraftübungen. Es werden auch koordinative Bewegungsabläufe eingebaut und Dehnübungen gemacht. Ein weiterer nicht zu verachtender Teil, besteht in der Art zu fallen. Denn beim späteren Trainieren der Wurf-, Hebel- oder Festhaltetechniken sollen Verletzungen auf ein Minimum reduziert werden. «Als ich Anfang 2011 mit dem Judo anfing, war alles ein wenig verwirrend und ich wusste teilweise nicht, ob diese Sportart wirklich zu mir passt», gibt sich Allenspach skeptisch. Mit der Hilfe der Klubmitglieder sei aber ein besseres Verständnis für die Sportart entstanden – und dass neben dem Körper auch der Geist trainiert werde.

Im technischen Teil des Trainings werden zwei oder drei Konfrontationsarten angeschaut und vorgezeigt. Diese werden dann repetitiv von den Teilnehmenden geübt. «Häufiges Wechseln des Partners erhöht die Wirksamkeit und Vielseitigkeit des persönlichen technischen Könnens», weiss Allenspach.

Zum Ende des Trainings folgt ein Übungskampf, bei dem die Kämpfer beweisen können, was sie gelernt oder verbessert haben in ihrer Technik. Dabei spielt der Wille eine grosse Rolle. Einen Wurf auszuführen ist nicht leicht und es klappt nicht jedes Mal, nur wer den Willen besitzt, wird es schaffen. Dies pflegt der Präsident des Judoklubs zu sagen, erzählt Allenspach. Er, der einen Weg von 100 Meilen gehen will, sollte 90 als die Hälfte betrachten. Dies ist zwar Zen doch es entspricht dem Geiste des Judos.